Erste und letzte Worte

Andacht zu Psalm 33 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

„Er muss immer das letzte Wort haben.“ Wenn man das über jemanden sagt, ist das in der Regel nicht als Kompliment gemeint.

Sie selbst wissen: es gibt oft genug Situationen, wo einer das letzte Wort haben muss, nicht zuletzt im Betrieb. Man kann lang und breit diskutieren über Entscheidungen, man kann Optionen von allen Seiten beleuchten lassen. Man kann sich lang beraten und abwägen. Irgendwann muss eine Entscheidung her – und einer muss dann eine Ansage machen, das letzte Wort haben. Weiterlesen

Zwei Herren über Leben und Tod

Predigt an Lätare zu Joh 18,28 – 19,5 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe Gemeinde,

(1) Eine wirkmächtige Begegnung

Eine bemerkenswerte Szene ist es, die wir heute betrachten. Bemerkenswert und wirkmächtig. Die Begegnung von Pilatus und Jesus, sie hat mannigfach Eingang gefunden in Literatur und Kunst.

Die Kernsätze des Pilatus sind zu geflügelten Worten geworden – sei es die Frage, die Pilatus an Jesus richtet: „Was ist Wahrheit?“, sei es der Ausruf, mit dem Pilatus den gefolterten Jesu dem Volk präsentiert: „Seht, welch ein Mensch“ – oder schließlich das illustre: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

Und natürlich wird die Begegnung zitiert im Glaubensbekenntnis: „Gelitten unter Pontius Pilatus“ – das ist nicht nur eine zeitliche Einordnung des Lebens Jesu. Das ruft diese Begegnung in Erinnerung, jeden Sonntag, an dem wir das Bekenntnis sprechen. Weiterlesen

What would Jesus do?

„What would Jesus do?“ ist sicherlich nicht eine der ersten Fragen, die man sich im Berufsalltag stellt. Was würde wohl passieren, wenn Sie in Ihrem Team, bei Ihren Führungskräften diese Frage als einen Orientierungspunkt für die Personalführung ausgeben würden, diese Vorgabe vielleicht sogar bei der jährlichen Zielvereinbarung festschreiben ließen? Welche Phantasien entfacht dieser Gedanke bei Ihnen, neben der offensichtlichen Erkenntnis, damit wahrscheinlich gegen die Antidiskriminierungsrichtlinie zu verstoßen? Wie würden Ihre Führungskräfte, Ihre Mitarbeiter reagieren? Was müssten Sie sich anhören – oder welche Sprüche würden wohl hinter vorgehaltener Hand geklopft werden? Weiterlesen

Die außergewöhnliche Geburt des gewöhnlichen Menschen

Lk 1, 26-38:

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!“ Sie aber erschrak über die Rede und dachte: „Welch ein Gruß ist das?“

Und der Engel sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

Da sprach Maria zu dem Engel: „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortete und sprach zu ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“

Maria aber sprach: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Und der Engel schied von ihr.

Liebe Brüder und Schwestern,

kürzlich erst hörte ich einen Vorstand erzählen, er werde dieser Tage zum ersten Mal Großvater – und er würde dabei Bemerkenswertes an sich feststellen. Immerhin sei doch eine Geburt eines der gewöhnlichsten menschlichen Ereignisse überhaupt, denn jede Sekunde kämen vier Kinder auf die Welt. Und doch erlebe er diese Wochen, dieses Warten auf die Geburt seines Enkels als etwas absolut Außergewöhnliches. So, als ob hier Unglaubliches geschehe. Weiterlesen

Es wird regiert

Psalm 24:

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des HERRN Berg gehen,und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

Am späten Abend vor der Nacht, in der er friedlich im Schlaf verstarb, arbeitete er noch an seinem Schreibtisch. Da erhielt er einen Telefonanruf von einem alten Freund.

Sie unterhielten sich über die Weltlage mit ihren beängstigenden Gefahren und Nöten. Er schloss endlich die Unterhaltung ab und munterte den besorgten Freund auf: „Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Denn – es wird regiert!“ Weiterlesen

Woran orientiert sich Ihre Wahrnehmung?

Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan. (Lk 6,20-23)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

ich nehme an, dass Ihnen diese Worte allzu vertraut sind, vertraut vermutlich eher in ihrer Variante aus dem Matthäusevangelium. Wie mit allen anderen Dingen, so ist es auch mit Bibelversen. Ist man ihnen schon oft begegnet, sind sie einem vertraut, hat man sich bereits ein Urteil gebildet. Die Wahrnehmung folgt Schneisen, die man früher geschlagen hat und denen man bei der wiederholten Begegnung automatisch nachgeht. Weiterlesen

Pläne machen

Es war schon eine blöde Situation. Da sollte ich übers Pläne machen sprechen und war selbst nicht im Plan. Zu spät und abgehetzt erschien ich, peinlich berührt angesichts der wartenden Menge.

Es ist eben so eine Sache mit den Plänen. „Planung ist das halbe Leben“ heißt es, und Pläne schmieden ist auch notwendig. Wer kann schon einfach so in den Tag hinein leben? Gerade wenn man mit anderen Menschen zusammenlebt, braucht es einen gewissen Plan. Sonst lebt man aneinander vorbei.

Planung ist aber eben nur das halbe Leben. Pläne können aufgehen. Dann ist alles eitel Sonnenschein. Pläne können aber auch haarscharf an der Realität vorbeigehen, sie können durchkreuzt werden und sie können so einengen, dass das wahre Leben draußen bleibt.

Die andere Hälfte des Lebens ist eben das, was ich nicht planen kann, was nicht in meiner Hand liegt, was mir widerfährt, einfach so.

Da kann man hadern oder noch genauer planen, um alle Unwägbarkeiten auszumerzen. Ein Segen ist es, diese andere, unverfügbare Hälfte des Lebens nicht nur annehmen zu können, wenn die eigenen Pläne gelingen, sondern auch, wenn sie scheitern – und trotzdem lebensfroh zu bleiben.

So verstehe ich den Prediger des Alten Testaments, wenn er schreibt: Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Totale Niederlagen – vergeben und vergessen

Jes 54,7-10:

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.

Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

diejenigen, an die diese Worte gerichtet sind, sind die Kindeskinder derer, die ins Exil geführt wurden. Gut sieben Jahrzehnte war es her, dass Israel vor der fremden Besatzungsmacht Babylon kapitulieren musste, sieben Jahrzehnte, dass die neuen Herrscher die Eliten Israels vom Heiligen Land zu den Wassern des Euphrat übersiedelten. Ein bewusst und klug gesteuerter Braindrain der Besatzer, um das eroberte Land langfristig kontrollieren zu können. Weiterlesen

Von Stimmungstötern und Siegelbrechern

Offenbarung 3,1-6:

Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.

Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.

Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

diese Worte aus der Offenbarung – sie stimmen keine adventlichen Töne an. So mag es zumindest in unseren Ohren klingen, die an „Dschingle Bells“ und „Wir sagen euch an den lieben Advent“ gewöhnt sind. Weiterlesen

Biblisches Anreizsystem

Hebr 10,23-25:

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

am vorletzten Wochenende hatten wir unsere AEU-Jahrestagung in Nürnberg. Viele interessante Referenten, viele interessante Gespräche. Einen der vielen Eindrücke, die ich mitgenommen habe, möchte ich mit ihnen teilen, nämlich einen Gedanken aus Bischof Wolfgang Hubers Vortrag zum Thema „Was gibt uns Kraft?“ Weiterlesen