Das Trojanische Pferd der Sachlichkeit

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Sage, in der erzählt wird, wie die Griechen die Stadt Troja eroberten. Sie bauten ein großes hölzernes Pferd, stellten es vor den Eingang der bis dato uneinnehmbaren Stadt und täuschten ihren Abzug vor. Die Trojaner, gierig oder neugierig, kassierten dieses Pferd ein. Sie ahnten jedoch nicht, was sie sich dabei an Land gezogen hatten. Denn im Bauch des Pferdes lauerten bis an die Zähne bewaffnete Feinde. Diese schlugen mitten in der Nacht zu. Das Ende von Troja war besiegelt.

Von „Trojanischen Pferden“ oder „Trojanern“ spricht man bis heute dann, wenn in etwas, was als schön, hilfreich oder gut erscheint, eine zerstörerische Gefahr verborgen ist. Dieses Bild verwendet auch der Kommunikationspsychologe Schulz von Thun, um etwas zu illustrieren, was im Arbeitsleben tagtäglich geschieht. Er nennt es „das Trojanische Pferd der Sachlichkeit“. Weiterlesen

Pläne machen

Es war schon eine blöde Situation. Da sollte ich übers Pläne machen sprechen und war selbst nicht im Plan. Zu spät und abgehetzt erschien ich, peinlich berührt angesichts der wartenden Menge.

Es ist eben so eine Sache mit den Plänen. „Planung ist das halbe Leben“ heißt es, und Pläne schmieden ist auch notwendig. Wer kann schon einfach so in den Tag hinein leben? Gerade wenn man mit anderen Menschen zusammenlebt, braucht es einen gewissen Plan. Sonst lebt man aneinander vorbei.

Planung ist aber eben nur das halbe Leben. Pläne können aufgehen. Dann ist alles eitel Sonnenschein. Pläne können aber auch haarscharf an der Realität vorbeigehen, sie können durchkreuzt werden und sie können so einengen, dass das wahre Leben draußen bleibt.

Die andere Hälfte des Lebens ist eben das, was ich nicht planen kann, was nicht in meiner Hand liegt, was mir widerfährt, einfach so.

Da kann man hadern oder noch genauer planen, um alle Unwägbarkeiten auszumerzen. Ein Segen ist es, diese andere, unverfügbare Hälfte des Lebens nicht nur annehmen zu können, wenn die eigenen Pläne gelingen, sondern auch, wenn sie scheitern – und trotzdem lebensfroh zu bleiben.

So verstehe ich den Prediger des Alten Testaments, wenn er schreibt: Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Flurfunken ist nicht die Lösung

Im Arbeitsalltag fällt schnell mal ein Wort, das verletzt. Oder eine eMail trifft nicht den richtigen Ton, sondern trifft. Der Flurfunk ist in einer solchen Situation ein schlechter Ersatz für ein notwendiges offenes, klärendes Wort unter vier Augen. Im Gegenteil. Er wirkt oft als Verstärker für Konflikte zwischen Einzelnen, indem er zusätzliche Mißverständnisse schafft und aus Mücken Elefanten macht. Jeder, der einmal Stille Post gespielt hat, kennt das Problem. Weiterlesen

Natürlich Fußball

Als ich heute beim Fußballtraining meines Sohnes zugeschaut habe, dachte ich mir: Erstaunlich, wie viel Fußball mit heutigem Marketing oder mit Mitarbeitermotivation durch Incentivierung zu tun hat. Verknappe etwas, mache es begehrenswert – und alle wollen es haben. Bereitet also Fußball anders auf das Leben vor – anders als ich immer dachte? Weiterlesen

Fehlerfreundlichkeit

 

Immer wieder wird behauptet, in Deutschland und damit auch in der deutschen Wirtschaft mangele es an einer Kultur der Fehlerfreundlichkeit. Das mag auf einige oder sogar viele Unternehmen zutreffen. Als Pauschalaussage ist es vermutlich verkehrt. Viel interessanter ist jedoch die Frage, ob ein Unternehmen eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit überhaupt anstreben sollte. Eigentlich leuchtet solch eine Zielsetzung im ersten Moment nicht ein. Weiterlesen

Mit Leib und Seele bei der Arbeit

Der Untertitel ist das Motto dieses Blogs – mit Leib und Seele bei der Arbeit. Da ist viel Spielraum und Stoff zum Nachdenken. Da sind die, die sich mit Leib und Seele ihrer Aufgabe verschreiben. Meist beliebt beim Arbeitgeber, oft vermisst von den Lieben. Und da sind, die leibhaftig präsent, aber seelisch abwesend sind. Präsentismus hat viele Erscheinungsformen – von triefenden Nasen über verkrümmte Rücken bis zum leeren Blick. Nicht beliebt beim Arbeitgeber, nicht begehrt vom Arbeitnehmer – und doch existent, zu oft. Mit Leib und Seele – das beschreibt drei Ebenen, die in diesem Blog bdacht werden sollen. Einmal die individuelle Ebene: Wie kann ich mit Leib und Seele bei der Arbeit sein? Warum bin ich’s nicht? Und bitteschön, bei welcher Arbeit? Zum anderen die unternehmerische Ebene: Gerne wird von einem Unternehmen heute als einem Organismus gesprochen, etwas Lebendiges, ein Leib mit Seele. Trägt diese Beschreibung? Erschließt sie etwas jenseits der eingeübten Pfade von Kennzahlen, Benchmarks und Funktionalitäten? Drittens: Ich schreibe hier als Pfarrer mit langjähriger Erfahrung in Wirtschaft und Arbeitswelt, in Unternehmen und Verbänden. Diese Ebene oder besser: Perspektive soll hier eine Rolle spielen. Ehrlich gesagt, kann ich auch nicht anders, als in dieser Perspektive zu denken und zu deuten. Nennen Sie es pastoral. Nennen Sie es christlich. Nennen Sie es biblisch. Ich stecke da zu tief drin. Mit Leib und Seele.