Die Eltern ehren

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
2.Mose 20,12

Geliebte AEU-Mitglieder, geliebte Gäste,

das 4.Gebot, das wir soeben hörten und das heute die alttestamentliche Losung ist, sticht aus drei Gründen aus dem Dekalog hervor. Es ist zum einen das einzige der Zehn Gebote, das mit einer Verheißung verbunden ist. Denn vollständig lautet dieses Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.

Zum zweiten befindet es sich an der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten Tafel der Gebote – der ersten Tafel, in der es um die Gottesliebe geht, der zweiten Tafel, in der es um die Nächstenliebe geht.

Zum dritten ist das 4.Gebot jenes der Zehn Gebote, dessen Zuspruch und Anspruch sich am meisten wandelt über einen gesamten Lebenslauf. Weiterlesen

Draußen vor dem Tor

Hebr 13,12-14: Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Geliebte Gemeinde,

wie hätten Sie diese Worte aus dem Hebräerbrief vor einem Jahr gehört, am 6.März 2015? „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager…Wir haben hier keine bleibende Stadt“ – hätten Sie am 6.März 2015 bei solchen Worten die Menschen vor Augen gehabt, die in Syrien – damals schon –keine bleibende Stadt hatten, die im Libanon – damals schon – ihr Leben in Lagern fristeten?

Ich gebe zu, ich hätte diese Menschen nie und nimmer am 6.März 2015 vor Augen gehabt. Am 6.März 2016, heute, habe ich sie vor Augen. Weiterlesen

Gerade mal ein Gebet weg

Philipper 4.4-7: Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! Laßt alle eure Menschen eure Zartheit erfahren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und Fürbitte mit Dank vor Gott kommen. Und Gottes Friede, der weiter reicht als alle Vernunft, halte die Wacht über eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sorgt euch um nichts!“ So schreibt’s der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Philippi. „Mach dir mal keine Sorgen!“ So sagt man’s ja manchmal – beruhigend, besänftigend, vielleicht auch, weil man nicht belästigt werden möchte. Eines anderen Sorgen, seien wir ehrlich, können auch richtig nerven, gerade wenn man selbst mit eigenen Sorgen genug zu tun hat. Weiterlesen

Den Bruder, die Schwester im Blick behalten – auch im Streit

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

Kaum zu glauben, aber mit dieser Veranstaltung neigt sich unsere Reihe mit Referenten zum Jahresthema „Freiheit und Verantwortung“ dem Ende zu. Ich habe im Laufe des Jahres immer wieder versucht, auf dieses unser Jahresmotto unter einem jeweils anderen Gesichtspunkt Bezug zu nehmen. Heute – und da bietet sich der Kontext der Jahreslosung an – möchte ich ein paar Gedanken zu der Frage „Christlicher Freiheit in christlicher Gemeinschaft“ entfalten. Hören wir aber zuerst die Verse aus dem Römerbrief, die uns dabei anleiten (Römer 15,1-7):

Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht (Psalm 69,10): »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.« Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß,damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Es ist sehr hilfreich, diese Worte vor dem Hintergrund der spezifischen Konfliktlinien zu hören, mit der Paulus zeit seines Lebens als Apostel zu tun hatte Weiterlesen

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn

Andacht zu Genesis 32,23-32 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

unser Jahresthema ist „Freiheit und Verantwortung“. Und wir haben dieses Thema ein wenig so angegangen, als ob wir mit diesen zwei Worten eine Überschrift auf ein Banner geprägt haben. Ein Banner, das wir dann über das Leben eines Christenmenschen, auch über unser Leben als in der Wirtschaft tätige Christenmenschen spannen könnten. Die heutige Geschichte lädt uns ein, noch einmal einen Schritt zurück zu treten. Sie lädt uns ein, ein wenig den Blick auf diesem Banner verweilen zu lassen. Sie lädt uns ein, zu fragen, ob dieses Banner vollständig beschriftet ist, ob damit wirklich unser ganzes Leben als Christenmenschen zu fassen wäre. Weiterlesen

Erste und letzte Worte

Andacht zu Psalm 33 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

„Er muss immer das letzte Wort haben.“ Wenn man das über jemanden sagt, ist das in der Regel nicht als Kompliment gemeint.

Sie selbst wissen: es gibt oft genug Situationen, wo einer das letzte Wort haben muss, nicht zuletzt im Betrieb. Man kann lang und breit diskutieren über Entscheidungen, man kann Optionen von allen Seiten beleuchten lassen. Man kann sich lang beraten und abwägen. Irgendwann muss eine Entscheidung her – und einer muss dann eine Ansage machen, das letzte Wort haben. Weiterlesen

Zwei Herren über Leben und Tod

Predigt an Lätare zu Joh 18,28 – 19,5 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe Gemeinde,

(1) Eine wirkmächtige Begegnung

Eine bemerkenswerte Szene ist es, die wir heute betrachten. Bemerkenswert und wirkmächtig. Die Begegnung von Pilatus und Jesus, sie hat mannigfach Eingang gefunden in Literatur und Kunst.

Die Kernsätze des Pilatus sind zu geflügelten Worten geworden – sei es die Frage, die Pilatus an Jesus richtet: „Was ist Wahrheit?“, sei es der Ausruf, mit dem Pilatus den gefolterten Jesu dem Volk präsentiert: „Seht, welch ein Mensch“ – oder schließlich das illustre: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“

Und natürlich wird die Begegnung zitiert im Glaubensbekenntnis: „Gelitten unter Pontius Pilatus“ – das ist nicht nur eine zeitliche Einordnung des Lebens Jesu. Das ruft diese Begegnung in Erinnerung, jeden Sonntag, an dem wir das Bekenntnis sprechen. Weiterlesen

Die außergewöhnliche Geburt des gewöhnlichen Menschen

Lk 1, 26-38:

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!“ Sie aber erschrak über die Rede und dachte: „Welch ein Gruß ist das?“

Und der Engel sprach zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

Da sprach Maria zu dem Engel: „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortete und sprach zu ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.“

Maria aber sprach: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Und der Engel schied von ihr.

Liebe Brüder und Schwestern,

kürzlich erst hörte ich einen Vorstand erzählen, er werde dieser Tage zum ersten Mal Großvater – und er würde dabei Bemerkenswertes an sich feststellen. Immerhin sei doch eine Geburt eines der gewöhnlichsten menschlichen Ereignisse überhaupt, denn jede Sekunde kämen vier Kinder auf die Welt. Und doch erlebe er diese Wochen, dieses Warten auf die Geburt seines Enkels als etwas absolut Außergewöhnliches. So, als ob hier Unglaubliches geschehe. Weiterlesen

Es wird regiert

Psalm 24:

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Wer darf auf des HERRN Berg gehen,und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

Am späten Abend vor der Nacht, in der er friedlich im Schlaf verstarb, arbeitete er noch an seinem Schreibtisch. Da erhielt er einen Telefonanruf von einem alten Freund.

Sie unterhielten sich über die Weltlage mit ihren beängstigenden Gefahren und Nöten. Er schloss endlich die Unterhaltung ab und munterte den besorgten Freund auf: „Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Denn – es wird regiert!“ Weiterlesen

Woran orientiert sich Ihre Wahrnehmung?

Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan. (Lk 6,20-23)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

ich nehme an, dass Ihnen diese Worte allzu vertraut sind, vertraut vermutlich eher in ihrer Variante aus dem Matthäusevangelium. Wie mit allen anderen Dingen, so ist es auch mit Bibelversen. Ist man ihnen schon oft begegnet, sind sie einem vertraut, hat man sich bereits ein Urteil gebildet. Die Wahrnehmung folgt Schneisen, die man früher geschlagen hat und denen man bei der wiederholten Begegnung automatisch nachgeht. Weiterlesen