Grundstürzende Wahrnehmungsänderung

Geliebte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

es ist schon ein bemerkenswerter Zufall, dass dieses Jahr die Feierlichkeiten zum Reformationsgedenken zusammen fallen mit den Sozialwahlen, besonders bemerkenswert, so denke ich, für die EAG. Denn das Engagement der EAG in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungen speist sich ja aus einer christlichen Haltung:

„Auf Bundes- wie auf Landesebene engagieren wir uns als Versichertenvertreter/-innen in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung für die Einhaltung von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Entscheidungsfreiheit und Selbstverantwortung in der Arbeitswelt.“ So heißt es in der wirklich gelungenen Wahlwerbebroschüre der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmer-Organisationen (ACA).

Da scheint ja alles klar zu sein. Und doch schadet es vielleicht nicht, gerade in diesem Jahr den einen oder anderen Bezug herzustellen von der reformatorischen Botschaft, die ja nichts anderes sein will als eine Neuauflage der biblischen Botschaft, hin zu dem, wofür die Sozialwahlen stehen.

Die Richtung kann uns dabei zum Beispiel die Ökumenische Losung aus dem heute beginnenden Monat April weisen. Sie stammt aus dem Ende des Lukas-Evangeliums und lautet:

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lk 24,5.6)

Es sind die Worte, welche die Frauen in der Grabstätte Jesu hören, als sie dort frühmorgens ankommen, um den Leichnam Jesu zu salben. Weiterlesen

Der Ökonom Gottes

Andacht zu 2.Korinther 9,6-11

Liebe AEU-Gemeinde,

„Die Knappheit der Güter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestmögliche Versorgung mit Gütern zu gewährleisten. Je knapper ein Gut ist, desto höher ist sein Preis.“

Was man so im Wirtschaftsduden unter dem Begriff „Knappheit“ nachlesen kann, wird wohl in jeder VWL- oder BWL-Einführungs-Vorlesung so oder so ähnlich gelehrt. Es ist quasi ein ehernes Gesetz der Ökonomie. Weil die Güter knapp sind, darum wirtschaften, ja man könnte sogar sagen, machen die Menschen überhaupt irgendetwas.

Nur im Schlaraffenland, wenn überhaupt, könnte man den ganzen Tag faul herumliegen – wobei bei diesem Verhalten nach einiger Zeit die eigene Gesundheit und damit auch das eigene Leben zum knappen Gut werden würde. Weiterlesen

Was Dir anvertraut ist

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (2.Timotheus 3,14f.)

Liebe AEU-Gemeinde,

wenn ich dieses Jahr im AEU vor dem Hintergrund dieser Worte aus dem 2.Brief des Paulus an seinen Schüler Timotheus Revue passieren lasse, dann fällt mir so manches Gespräch ein, das ich mit Mitgliedern unseres Arbeitskreises geführt habe. So manches Gespräch, in dem mir Mitglieder erzählt haben, was ihnen anvertraut ist und von wem sie es gelernt haben. Die Eltern, die Großeltern, der Tauf- oder Jugendpfarrer. Irgendwo in der eigenen Biographie finden sich für den eigenen Glauben prägende Gestalten.

Kein Wunder, denn Glaube lebt schon immer vom Zeugnis, er wird vom Zeugnis anderer geweckt. Das mögen einprägsame Sätze oder eine beständige Haltung sein, die einem ganz nahe bringen, was es heißt, ein Christ, eine Christin zu sein, diesen Namen zu tragen, der auf den verweist, auf den wir hoffen im Leben wie im Sterben. Weiterlesen

Über Anfechtung

Geliebte Schwestern und Brüder,

„Glaube, Freiheit, Verantwortung – Umbruch und Perspektiven“ – unter diesem Motto saßen wir gestern und heute beieinander. Fünf große Worte, fünf Worte, aus denen man ganze Bibliotheken zusammenstellen könnte. Was wurde nicht schon zu diesen Worten gedacht, geschrieben, gepredigt? Ganze Welten sind das, die sich hier auftun. Und dann kamen gestern gleich noch mehr große Worte dazu: Frieden, Sicherheit, Wohlstand, Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Demographie. So viele große Worte. Und jedes dieser Worte beschreibt Aufgabenbündel, die von ganzen Heerscharen bearbeitet werden oder zu bearbeiten wären. Heerscharen, die dem AEU nicht zur Verfügung stehen. Und doch sind sie da, diese großen, Ehrfurcht gebietenden Worte. Weiterlesen

Die Eltern ehren

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
2.Mose 20,12

Geliebte AEU-Mitglieder, geliebte Gäste,

das 4.Gebot, das wir soeben hörten und das heute die alttestamentliche Losung ist, sticht aus drei Gründen aus dem Dekalog hervor. Es ist zum einen das einzige der Zehn Gebote, das mit einer Verheißung verbunden ist. Denn vollständig lautet dieses Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.

Zum zweiten befindet es sich an der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten Tafel der Gebote – der ersten Tafel, in der es um die Gottesliebe geht, der zweiten Tafel, in der es um die Nächstenliebe geht.

Zum dritten ist das 4.Gebot jenes der Zehn Gebote, dessen Zuspruch und Anspruch sich am meisten wandelt über einen gesamten Lebenslauf. Weiterlesen

Draußen vor dem Tor

Hebr 13,12-14: Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Geliebte Gemeinde,

wie hätten Sie diese Worte aus dem Hebräerbrief vor einem Jahr gehört, am 6.März 2015? „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager…Wir haben hier keine bleibende Stadt“ – hätten Sie am 6.März 2015 bei solchen Worten die Menschen vor Augen gehabt, die in Syrien – damals schon –keine bleibende Stadt hatten, die im Libanon – damals schon – ihr Leben in Lagern fristeten?

Ich gebe zu, ich hätte diese Menschen nie und nimmer am 6.März 2015 vor Augen gehabt. Am 6.März 2016, heute, habe ich sie vor Augen. Weiterlesen

Gerade mal ein Gebet weg

Philipper 4.4-7: Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! Laßt alle eure Menschen eure Zartheit erfahren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und Fürbitte mit Dank vor Gott kommen. Und Gottes Friede, der weiter reicht als alle Vernunft, halte die Wacht über eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sorgt euch um nichts!“ So schreibt’s der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Philippi. „Mach dir mal keine Sorgen!“ So sagt man’s ja manchmal – beruhigend, besänftigend, vielleicht auch, weil man nicht belästigt werden möchte. Eines anderen Sorgen, seien wir ehrlich, können auch richtig nerven, gerade wenn man selbst mit eigenen Sorgen genug zu tun hat. Weiterlesen

Den Bruder, die Schwester im Blick behalten – auch im Streit

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

Kaum zu glauben, aber mit dieser Veranstaltung neigt sich unsere Reihe mit Referenten zum Jahresthema „Freiheit und Verantwortung“ dem Ende zu. Ich habe im Laufe des Jahres immer wieder versucht, auf dieses unser Jahresmotto unter einem jeweils anderen Gesichtspunkt Bezug zu nehmen. Heute – und da bietet sich der Kontext der Jahreslosung an – möchte ich ein paar Gedanken zu der Frage „Christlicher Freiheit in christlicher Gemeinschaft“ entfalten. Hören wir aber zuerst die Verse aus dem Römerbrief, die uns dabei anleiten (Römer 15,1-7):

Wir aber, die wir stark sind, sollen das Unvermögen der Schwachen tragen und nicht Gefallen an uns selber haben. Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht (Psalm 69,10): »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.« Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß,damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Es ist sehr hilfreich, diese Worte vor dem Hintergrund der spezifischen Konfliktlinien zu hören, mit der Paulus zeit seines Lebens als Apostel zu tun hatte Weiterlesen

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn

Andacht zu Genesis 32,23-32 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

unser Jahresthema ist „Freiheit und Verantwortung“. Und wir haben dieses Thema ein wenig so angegangen, als ob wir mit diesen zwei Worten eine Überschrift auf ein Banner geprägt haben. Ein Banner, das wir dann über das Leben eines Christenmenschen, auch über unser Leben als in der Wirtschaft tätige Christenmenschen spannen könnten. Die heutige Geschichte lädt uns ein, noch einmal einen Schritt zurück zu treten. Sie lädt uns ein, ein wenig den Blick auf diesem Banner verweilen zu lassen. Sie lädt uns ein, zu fragen, ob dieses Banner vollständig beschriftet ist, ob damit wirklich unser ganzes Leben als Christenmenschen zu fassen wäre. Weiterlesen

Erste und letzte Worte

Andacht zu Psalm 33 (s. hier den Bibelabschnitt zum Nachschlagen)

Liebe AEU-Mitglieder, liebe Gäste,

„Er muss immer das letzte Wort haben.“ Wenn man das über jemanden sagt, ist das in der Regel nicht als Kompliment gemeint.

Sie selbst wissen: es gibt oft genug Situationen, wo einer das letzte Wort haben muss, nicht zuletzt im Betrieb. Man kann lang und breit diskutieren über Entscheidungen, man kann Optionen von allen Seiten beleuchten lassen. Man kann sich lang beraten und abwägen. Irgendwann muss eine Entscheidung her – und einer muss dann eine Ansage machen, das letzte Wort haben. Weiterlesen