Die Übung von den letzten Dingen

Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.(Lukas 11,9f.)

Geliebte AEU-Gemeinde,

manche von Ihnen wissen es ja vielleicht, dass ich seit bald vier Jahren in einem Projekt für Beschäftigte der AOK Bayern tätig bin. Mein Arbeitsauftrag lautet: „Begleitung in Krisen- und Übergangssituationen“ – und das kann ganz Verschiedenes sein: von einer Krise im Team über eine Strukturveränderung im Bereich bis hin zu Veränderungsprozessen in der Familie, etwa, wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird.

Immer wieder komme ich auch mit den Menschen, die ich da begleite, auf die heutige Tageslosung: „Klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Weiterlesen

Freiheit im Beruf

Geliebte Gemeinde,

„Freiheit im Beruf“ – wer wünscht sich das nicht? Zu schalten und walten, wie man gerne wünschte, nicht demotiviert zu werden vom Chef, nicht gegängelt zu werden von den Kollegen, nicht getrieben zu werden von den Kunden? Einfach das machen zu können, was man gelernt hat – und nicht permanent mit Nebensächlichkeiten aufgehalten zu werden? Das sind einige der Dimensionen, die anklingen, wenn Menschen davon berichten, was sie in ihrem Beruf unfrei macht.

Und dann gibt es ja auch genug in unserem Land, die gar nicht in dem Beruf tätig sein können, den sie gerne ausüben würden, einfach, weil es die Stellen nicht gibt, zumindest nicht vor Ort, wo man anderweitig gebunden ist.

Und wie sieht es mit denen aus, die gar keine Arbeit finden? Auch wenn wir nach der aktuellen Arbeitslosenstatistik den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht haben – wobei, das sei nebenbei angemerkt, die Erhebung der Statistik heute nicht vergleichbar ist mit der Erhebung im Jahre 1991 – , so reden wir in Deutschland immer noch von 2,5 bis 3,5 Millionen Menschen, die ohne Verwendung in der Welt der Erwerbsarbeit ihr Dasein fristen.

„Freiheit im Beruf“ – was ließe sich dazu also sagen? Weiterlesen

Grundstürzende Wahrnehmungsänderung

Geliebte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

es ist schon ein bemerkenswerter Zufall, dass dieses Jahr die Feierlichkeiten zum Reformationsgedenken zusammen fallen mit den Sozialwahlen, besonders bemerkenswert, so denke ich, für die EAG. Denn das Engagement der EAG in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungen speist sich ja aus einer christlichen Haltung:

„Auf Bundes- wie auf Landesebene engagieren wir uns als Versichertenvertreter/-innen in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung für die Einhaltung von Menschenwürde, Gerechtigkeit, Entscheidungsfreiheit und Selbstverantwortung in der Arbeitswelt.“ So heißt es in der wirklich gelungenen Wahlwerbebroschüre der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmer-Organisationen (ACA).

Da scheint ja alles klar zu sein. Und doch schadet es vielleicht nicht, gerade in diesem Jahr den einen oder anderen Bezug herzustellen von der reformatorischen Botschaft, die ja nichts anderes sein will als eine Neuauflage der biblischen Botschaft, hin zu dem, wofür die Sozialwahlen stehen.

Die Richtung kann uns dabei zum Beispiel die Ökumenische Losung aus dem heute beginnenden Monat April weisen. Sie stammt aus dem Ende des Lukas-Evangeliums und lautet:

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lk 24,5.6)

Es sind die Worte, welche die Frauen in der Grabstätte Jesu hören, als sie dort frühmorgens ankommen, um den Leichnam Jesu zu salben. Weiterlesen

Der Ökonom Gottes

Andacht zu 2.Korinther 9,6-11

Liebe AEU-Gemeinde,

„Die Knappheit der Güter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestmögliche Versorgung mit Gütern zu gewährleisten. Je knapper ein Gut ist, desto höher ist sein Preis.“

Was man so im Wirtschaftsduden unter dem Begriff „Knappheit“ nachlesen kann, wird wohl in jeder VWL- oder BWL-Einführungs-Vorlesung so oder so ähnlich gelehrt. Es ist quasi ein ehernes Gesetz der Ökonomie. Weil die Güter knapp sind, darum wirtschaften, ja man könnte sogar sagen, machen die Menschen überhaupt irgendetwas.

Nur im Schlaraffenland, wenn überhaupt, könnte man den ganzen Tag faul herumliegen – wobei bei diesem Verhalten nach einiger Zeit die eigene Gesundheit und damit auch das eigene Leben zum knappen Gut werden würde. Weiterlesen

Was Dir anvertraut ist

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (2.Timotheus 3,14f.)

Liebe AEU-Gemeinde,

wenn ich dieses Jahr im AEU vor dem Hintergrund dieser Worte aus dem 2.Brief des Paulus an seinen Schüler Timotheus Revue passieren lasse, dann fällt mir so manches Gespräch ein, das ich mit Mitgliedern unseres Arbeitskreises geführt habe. So manches Gespräch, in dem mir Mitglieder erzählt haben, was ihnen anvertraut ist und von wem sie es gelernt haben. Die Eltern, die Großeltern, der Tauf- oder Jugendpfarrer. Irgendwo in der eigenen Biographie finden sich für den eigenen Glauben prägende Gestalten.

Kein Wunder, denn Glaube lebt schon immer vom Zeugnis, er wird vom Zeugnis anderer geweckt. Das mögen einprägsame Sätze oder eine beständige Haltung sein, die einem ganz nahe bringen, was es heißt, ein Christ, eine Christin zu sein, diesen Namen zu tragen, der auf den verweist, auf den wir hoffen im Leben wie im Sterben. Weiterlesen

Über Anfechtung

Geliebte Schwestern und Brüder,

„Glaube, Freiheit, Verantwortung – Umbruch und Perspektiven“ – unter diesem Motto saßen wir gestern und heute beieinander. Fünf große Worte, fünf Worte, aus denen man ganze Bibliotheken zusammenstellen könnte. Was wurde nicht schon zu diesen Worten gedacht, geschrieben, gepredigt? Ganze Welten sind das, die sich hier auftun. Und dann kamen gestern gleich noch mehr große Worte dazu: Frieden, Sicherheit, Wohlstand, Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Demographie. So viele große Worte. Und jedes dieser Worte beschreibt Aufgabenbündel, die von ganzen Heerscharen bearbeitet werden oder zu bearbeiten wären. Heerscharen, die dem AEU nicht zur Verfügung stehen. Und doch sind sie da, diese großen, Ehrfurcht gebietenden Worte. Weiterlesen

Institutionalisierte Freigebigkeit

Geliebte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

Sozialwahl – „ich bin dabei“ – so lautet die Überschrift zu dem Tag, der nun vor uns liegt. „Ich bin dabei“: ich höre das als einen Motivationsruf, mitzumachen, teilzunehmen an den kommenden Sozialwahlen, aber auch mitzuwirken in den Selbstverwaltungs-gremien der Sozialversicherungen, als ehrenamtlicher Arbeits- und Sozialrichter.

Was aber könnte dazu motivieren, „dabei zu sein“? Wir werden heute sicher einige Antworten dazu hören bei den unterschiedlichen Referaten. Ich bin schon gespannt, was so motiviert, dabei zu sein.

Mich beeindruckt jedenfalls die Bedeutung der Aufgabe, die alleine schon an so ein paar Zahlen deutlich wird: etwa wenn ich mir vor Augen führe, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung im vergangenen Jahr rund 270 Milliarden Euro bewegt worden sind und in der Gesetzlichen Krankenversicherung rund 210 Milliarden Euro – Größenordnungen, die dem Bundeshaushalt mit 300 Milliarden Euro schon sehr nahe kommen. Weiterlesen

Die Eltern ehren

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
2.Mose 20,12

Geliebte AEU-Mitglieder, geliebte Gäste,

das 4.Gebot, das wir soeben hörten und das heute die alttestamentliche Losung ist, sticht aus drei Gründen aus dem Dekalog hervor. Es ist zum einen das einzige der Zehn Gebote, das mit einer Verheißung verbunden ist. Denn vollständig lautet dieses Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.

Zum zweiten befindet es sich an der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten Tafel der Gebote – der ersten Tafel, in der es um die Gottesliebe geht, der zweiten Tafel, in der es um die Nächstenliebe geht.

Zum dritten ist das 4.Gebot jenes der Zehn Gebote, dessen Zuspruch und Anspruch sich am meisten wandelt über einen gesamten Lebenslauf. Weiterlesen

Draußen vor dem Tor

Hebr 13,12-14: Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Geliebte Gemeinde,

wie hätten Sie diese Worte aus dem Hebräerbrief vor einem Jahr gehört, am 6.März 2015? „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager…Wir haben hier keine bleibende Stadt“ – hätten Sie am 6.März 2015 bei solchen Worten die Menschen vor Augen gehabt, die in Syrien – damals schon –keine bleibende Stadt hatten, die im Libanon – damals schon – ihr Leben in Lagern fristeten?

Ich gebe zu, ich hätte diese Menschen nie und nimmer am 6.März 2015 vor Augen gehabt. Am 6.März 2016, heute, habe ich sie vor Augen. Weiterlesen

Gerade mal ein Gebet weg

Philipper 4.4-7: Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! Laßt alle eure Menschen eure Zartheit erfahren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und Fürbitte mit Dank vor Gott kommen. Und Gottes Friede, der weiter reicht als alle Vernunft, halte die Wacht über eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sorgt euch um nichts!“ So schreibt’s der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Philippi. „Mach dir mal keine Sorgen!“ So sagt man’s ja manchmal – beruhigend, besänftigend, vielleicht auch, weil man nicht belästigt werden möchte. Eines anderen Sorgen, seien wir ehrlich, können auch richtig nerven, gerade wenn man selbst mit eigenen Sorgen genug zu tun hat. Weiterlesen