Auf eine Zigarette

Ich stehe gerne in der Raucherecke meiner Firma. Nicht, weil ich selbst rauche oder den Geruch von Zigaretten genieße. Ganz im Gegenteil. Aber die Leute sind beim Rauchen so gesprächig und entspannt. Erst kürzlich hat mir einer das so erklärt:

„Wenn ich etwas geschafft habe, dann komme ich hier runter und gönne mir diese fünf Minuten Zigarettenpause. Da kriege ich den Kopf frei für die nächste Aufgabe – und ich treffe hier immer jemanden, mit dem ich kurz schwätzen kann.“

Es ist schon witzig. Betriebliche Gesundheitsmanager mühen sich heute, ihren Belegschaften zu vermitteln, wie gut und wichtig Pausen sind – einmal kurz entspannen, einmal kurz das Gehirn lüften, einmal kurz die Beine austreten. Raucher wissen das schon lange. Raucher, die sicher keine speziellen Freunde von Gesundheitsmanagern sind. Ich mag diese feine Ironie, die das Leben so schreibt.

Und denke dabei an den Prediger Salomo aus dem Alten Testament, bei dem zu lesen ist: „Ich bin zu der Erkenntnis gekommen: Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat. Wenn er aber zu essen und zu trinken hat und genießen kann, was er sich erarbeitet hat, dann verdankt er das der Güte Gottes.“

Also genießt das Leben, gönnt euch Pausen, ob nun mit – oder natürlich noch besser: ohne Zigarette.

(nachzuhören bei Auf ein Wort am 7.9.2017)

LobFreudeDank-Ordner

Da läuft mal wieder der Rechner nicht, wie er soll, der Kollege am Nebentisch erreicht das Gute-Laune-Niveau eines Stinkmorchels, die Chefin verteilt Arbeit, als ob es kein Morgen gäbe, und der Kunde, den man gerade am Hörer hat, wird so laut und deutlich, dass man einen Sicherheitsabstand zwischen Ohr und Ohrmuschel hält. Zum Davonlaufen!

Natürlich gibt es nicht nur solche Tage. Aber Hand aufs Herz: was prägt sich bei dir eher ein – die entspannten oder hektischen Phasen, schöne oder blöde Momente am Arbeitsplatz? Solltest du zu den Glücklichen zählen, die sich nur an die super Tage erinnern, dann kannst du getrost ab jetzt weghorchen. Für alle anderen habe ich einen kleinen Tipp gegen das Vergessen. Denn auch ihr habt schon Gutes auf der Arbeit erlebt.

Um mich genau an dieses Gute zu erinnern, habe ich mir nämlich einen eMail-Ordner angelegt. Der heißt „Mein LobFreudeDank-Ordner“. Mails, in denen mir etwas Nettes geschrieben wurde, lösche ich nicht. Ich hebe sie in diesem Ordner auf. Und wenn mal wieder einer dieser Tage zum Davonlaufen ist – oder auch einfach dann, wenn mir grad danach ist – schaue ich in diesen Ordner. Und dann sind sie wieder da – die schönen Momente. Wenn da ein „Danke“ kommt. Wenn einer schreibt: „Das hat mir weitergeholfen.“ Wenn da steht: „Super, dass wir das zusammen lösen konnten.“ Das fühlt sich auch beim zweiten oder dritten Lesen gut an. Deswegen meine Empfehlung: Solche Mails unbedingt aufheben. Und auch selber schreiben und verschicken.

(nachzuhören bei Auf ein Wort am 3.9.2017)

Surplus Humans

„Surplus Humans“ – dieses Wort geistert seit einiger Zeit durch das Silicon Valley. Gemeint sind Menschen, deren Arbeitskraft in Zukunft nicht mehr gebraucht wird. Roboter erledigen nämlich ihren Job. Klar wollen die, die mal eben locker-flockig von „Menschenüberschüssen“ reden, vor allem auf ein Problem aufmerksam machen: es kann sein, dass wir dank Digitalisierung auf eine neue Phase hoher Arbeitslosigkeit zusteuern.

Trotzdem schüttelt es mich bei dem Gedanken, dass es Menschen geben soll, die überflüssig sind. Nicht, dass dieser Gedanke neu wäre. Die Weltgeschichte lässt sich nicht ehrlich erzählen, ohne die Leichenberge voller Menschen zu erwähnen, die zu ihrer Zeit als überflüssig galten. Umso vorsichtiger sollte man mit Begriffen wie „Surplus Humans“ umgehen.

Ich glaube schlicht und ergreifend nicht, dass ein Mensch überflüssig ist. Weil ich glaube, dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist – und wer wollte behaupten, Gott würde überflüssige Menschen schaffen? Nur ein Zyniker könnte das.

Wie wär’s also mit „humans with surplus“ – Menschen also, deren ganz eigener Wert bisher noch nicht erkannt ist? Wenn wir so weiterdenken, bin ich voll dabei, wenn es um die Zukunft von uns allen geht in einer digitalisierten Arbeitswelt.

(nachzuhören bei Auf ein Wort am 30.8.2017)

Mahlzeit

„Mahlzeit“. Wenn ich mittags durch das Unternehmen gehe, in dem ich arbeite, höre ich es in allen Gängen. Nicht „Servus“, „Hallo“, „Grüß dich“, sondern „Mahlzeit“. So, als ob alle, die mittags unterwegs sind, auf dem Weg in die Kantine wären. Schnell noch ein freundliches „Mahlzeit“ zugerufen, damit es auch gut schmeckt. Ist doch so, oder? Oder ist das nicht doch, tja, eigentümlich? Wirkt so ein bisschen ferngesteuert, wenn alle ab halb zwölf von „Hallo“ auf „Mahlzeit“ umschalten.

Warum grüßt man sich eigentlich so um die Mittagszeit? Das jedenfalls fragten sich ein paar meiner Kollegen und wurden bei Wikipedia fündig, wo folgendes steht: „ „Mahlzeit“ wird vor allem in westlichen Bereichen Deutschlands sowie in Österreich zur Mittagszeit häufig als knapper Gruß benutzt. Der Ursprung dieses Brauches ist eine Kurzform des früher verbreiteten Grußes „Gesegnete Mahlzeit!“.“

„Gesegnete Mahlzeit!“ Da waren sie dann doch ein wenig verwundert. Dass man da vielleicht – irgendwie – einen, wenn auch verschluckten, Segen mitspricht. Oder umgekehrt: Man spricht den Segen eben nicht mehr mit, weil – ja, warum eigentlich? Weil es nicht mehr in unsere Zeit passt? Schade eigentlich. Wenn man sich „Gesegnete Mahlzeit“ wünscht, geht’s beim Essen um mehr als nur ums Sattwerden. Im Wort „Segen“ steckt auch ein „gar nicht selbstverständlich“, ein „Was, für mich?“, ein „GottseiDank“ drin.

Sie können sich vorstellen, dass ich selbst seither ab halb zwölf „Mahlzeit“ etwas anders sage.