{"id":68,"date":"2013-04-12T19:42:05","date_gmt":"2013-04-12T18:42:05","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=68"},"modified":"2013-04-12T19:42:05","modified_gmt":"2013-04-12T18:42:05","slug":"in-die-ostergeschichte-einsteigen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=68","title":{"rendered":"In die Ostergeschichte einsteigen"},"content":{"rendered":"<p><i>Matth\u00e4us 16,5-16:<\/i><\/p>\n<p><i>Und als die J\u00fcnger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und h\u00fctet euch vor dem Sauerteig der Pharis\u00e4er und Sadduz\u00e4er! Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird&#8217;s sein, dass wir kein Brot mitgenommen haben.<\/i><\/p>\n<p><i>Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingl\u00e4ubigen, was bek\u00fcmmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die f\u00fcnf Brote f\u00fcr die f\u00fcnftausend und wie viel K\u00f6rbe voll ihr da aufgesammelt habt? Auch nicht an die sieben Brote f\u00fcr die viertausend und wie viel K\u00f6rbe voll ihr da aufgesammelt habt? Wieso versteht ihr denn nicht, dass ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? H\u00fctet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharis\u00e4er und Sadduz\u00e4er!<\/i><\/p>\n<p><i>Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sie sollten sich h\u00fcten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharis\u00e4er und Sadduz\u00e4er.<\/i><\/p>\n<p><i>Da kam Jesus in die Gegend von C\u00e4sarea Philippi und fragte seine J\u00fcnger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der T\u00e4ufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?<\/i><\/p>\n<p><i>Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!<\/i><\/p>\n<p>Liebe AEU-Mitglieder,<\/p>\n<p>liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>eigentlich wollte ich heute Abend \u2013 wie ich es in der Regel bei unseren Veranstaltungen tue \u2013 den aktuellen Predigtabschnitt auslegen. Wer am Sonntag im Gottesdienst war, dem wird eines auffallen: Der Bibelabschnitt in unserem Programmheft ist ein anderer. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe mich versehen.<!--more--> Nicht aus Matth\u00e4us 16, sondern aus Markus 16 kommt der Predigtabschnitt f\u00fcr diese Woche. Nun, zuerst habe ich mich \u00fcber mein Versehen ge\u00e4rgert. Denn die Programme waren schon l\u00e4ngst gedruckt. Dann habe ich mir beide Abschnitte nebeneinander gelegt und war doch erstaunt.<\/p>\n<p>Gerne lese ich Ihnen vor, was im Markusevangelium steht, damit sie mein Staunen teilen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><i>Als aber Jesus auferstanden war fr\u00fch am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben b\u00f6se Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verk\u00fcndete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese h\u00f6rten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht.<\/i><\/p>\n<p><i>Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie \u00fcber Land gingen. Und die gingen auch hin und verk\u00fcndeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.<\/i><\/p>\n<p><i>Zuletzt, als die Elf zu Tisch sa\u00dfen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens H\u00e4rte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.<\/i><\/p>\n<p>Ich war erstaunt \u00fcber eine wesentliche Parallele. In beiden Geschichten haben die J\u00fcnger ihre Sinne nicht zusammen. In beiden Geschichten\u00a0 sehen sie nicht, was sie sehen sollten, h\u00f6ren sie nicht, was sie h\u00f6ren sollten, verstehen sie nicht, was sie verstehen sollten. Und das vor\u00f6sterlich wie nach\u00f6sterlich.<\/p>\n<p>Ich fand dies bemerkenswert, nicht nur, weil ich da einen kleinen himmlischen Kommentar zu meiner eigenen Datteligkeit herauslas, sondern vor allem, weil diese J\u00fcnger in beiden Geschichten verkannten, was tats\u00e4chlich los war. Ihr Vorstellungsverm\u00f6gen dessen, was Gott m\u00f6glich ist, war in der langen Zeit mit Jesus so gar nicht gewachsen. Vor Ostern \u2013 so gro\u00df wie eine Haselnuss; nach Ostern \u2013 so gro\u00df wie eine Haselnuss.<\/p>\n<p>Stattdessen: Vernebelte Sinne. Nun wissen die Bibelprofis hier im Raum: Das ist tats\u00e4chlich ein Grundmotiv in den so genannten synoptischen Evangelien, gerade bei Markus \u2013 das Grundmotiv einer von Jesus berufenen, aber doch begriffsstutzigen Mannschaft.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ein beliebtes Grundmotiv: Man k\u00f6nnte es jetzt sch\u00f6n auswalzen, \u00fcber unsere eigene Begriffsstutzigkeit reden \u2013 nat\u00fcrlich abstrakt: also \u00fcber die allgemein-menschliche Begriffsstutzigkeit, \u00fcber die Begriffsstutzigkeit der Kirche, der Politik, der Wirtschaft&#8230; Das macht auch mir bisweilen Freude. Und hin und wieder macht es auch Sinn.<\/p>\n<p>Dass ich das nicht m\u00f6chte, liegt nicht nur daran, dass ich leibhaftig mal wieder erfahren habe, wie vernebelt meine eigenen Sinne sind. \u00dcber den eigenen Balken, das\u00a0 eigene Brett vorm Kopf ganz konkret zu reden, macht dann doch weniger Spa\u00df\u2026<\/p>\n<p>Dass ich so nicht ansetze, liegt aber vor allem daran, dass mich eine ganz andere Frage besch\u00e4ftigt: Hat sich denn mit Ostern \u00fcberhaupt etwas ver\u00e4ndert \u2013 an den J\u00fcngern Jesu und damit auch an uns, mit uns, f\u00fcr uns?<\/p>\n<p>Gerade die gelebte Geschichte des vergangenen Sonntags, des Wei\u00dfen Sonntags, Quasimodogeniti, der Sonntag mit dem Namen \u201eWie die Neugeborenen\u201c, diese gelebte Geschichte der Kirche an diesem Sonntag bis heute, die mag uns einen Hinweis geben.<\/p>\n<p>Der Hinweis lautet: Ostern ver\u00e4ndert uns, wenn es bei uns Ostern wird, wenn wir in die Ostergeschichte richtig einsteigen.<\/p>\n<p>Schon in der Alten Kirche war Quasimodogeniti der Tag, an dem die Neugetauften noch einmal sich und der Gemeinde best\u00e4tigten, dass sie in diese Ostergeschichte richtig einsteigen. In der Osternacht frisch getauft, trugen sie erneut ihre wei\u00dfen Taufgew\u00e4nder und nahmen dabei zum ersten Mal an der Abendmahlsfeier teil.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass bis zum heutigen Tag der Wei\u00dfe Sonntag ein beliebter Termin ist f\u00fcr die Erstkommunion in der Katholischen Kirche. Und auch viele evangelische Kirchen feiern traditionell die Konfirmation, das Fest der Bekr\u00e4ftigung der Zugeh\u00f6rigkeit zu Christus und seiner Gemeinde, an diesem Termin.<\/p>\n<p>In die Ostergeschichte richtig einsteigen \u2013 das geschieht nat\u00fcrlich nicht nur an solchen Festtagen. In die Ostergeschichte einsteigen, das ist eine t\u00e4gliche \u00dcbung. Denn in die Ostergeschichte hei\u00dft \u201ein einem neuen Leben wandeln\u201c. So sagt es zumindest Paulus (R\u00f6m 6,4f.):<\/p>\n<p><i>Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.<\/i><\/p>\n<p>In einem neuen Leben wandeln \u2013 wie ist dies der Fall? Diese Frage zu beantworten, sprengt den Rahmen jeder Predigt, ja, jedes Menschenlebens.<\/p>\n<p>Aber zwei Hinweise m\u00f6chte ich doch geben, die sich f\u00fcr mich aus der Zusammenschau unserer beiden Geschichten ergeben, aus Matth\u00e4us und Markus 16.<\/p>\n<p>Erstens: In dieses neue Leben steigt man nicht einfach ein. Man entnebelt nicht mal so seine eigenen Sinne. Aus dem Nebel der eigenen Begriffsstutzigkeit muss man gerufen werden. Und dieser Ruf, sofern er aus dem Nebel in das neue Leben f\u00fchrt, ist der Ruf Christi.<\/p>\n<p>Christus ruft uns heraus aus den Sorgen um vergessenes Brot, um unsere vielf\u00e4ltigen Versuche, unser Leben zu versichern. Er ruft uns heraus aus den falschen Zeitansagen selbsternannter Unheilspropheten, selbstherrlicher Heilsprediger und verkniffener Regelh\u00fcter. Er ruft uns heraus aus unserem Unglauben, dass am Ende der Tod obsiegt. Und wenn wir diesem Ruf folgen, dann werden wir einen Schritt in dieses neue Leben tun, dann sind wir Herausgerufene, Ek-klesia, Kirche.<\/p>\n<p>Zweitens: Haben wir einmal dieses richtige Leben im falschen erkannt, hei\u00dft das noch lange nicht, dass wir es in einer neuen Situation wieder erkennen. Derselbe Petrus, der in Matth\u00e4us 16 voll Inbrunst ruft: \u201eDu bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!\u201c, ist Teil des J\u00fcngerkreises, der in Markus 16 weder Maria von Magdala noch den Emmausj\u00fcngern glaubt, als sie die Auferweckung des Gekreuzigten bezeugen.<\/p>\n<p>Das neue Leben, das kommt immer wieder in anderer Gestalt zu uns. Deswegen bleiben wir stets darauf angewiesen, dass uns der Ruf Christi dieses neue Leben erschlie\u00dft, fragend-werbend, wie er dies im Matth\u00e4usevangelium tut, oder mit deutlichen Worten, wie er im Markusevangelium spricht, oder noch einmal ganz anders&#8230;<\/p>\n<p>Dass dieses neue Leben den Tod \u00fcberwunden hat, das wissen wir seit Ostern. Wie dieses neue Leben in die tausend Tode kommt, die wir so sterben, daf\u00fcr brauchen wir unser ganzes Leben. Mit Christus an der Seite ist dies eine gute Nachricht.\u00a0 Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 16,5-16: Und als die J\u00fcnger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und h\u00fctet euch vor dem Sauerteig der Pharis\u00e4er und Sadduz\u00e4er! Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird&#8217;s sein, dass wir kein Brot mitgenommen haben. 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