{"id":494,"date":"2021-07-28T14:00:19","date_gmt":"2021-07-28T13:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=494"},"modified":"2021-07-28T14:00:46","modified_gmt":"2021-07-28T13:00:46","slug":"lebensfreundliche-naturgewalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=494","title":{"rendered":"Lebensfreundliche Naturgewalten?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis in der Gnaden- und Vers\u00f6hnungskirche Dachau zu <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lesen\/LU17\/1KI.17\/1.-K\u00f6nige-17\">1.K\u00f6nige 17,1-16\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder der Verw\u00fcstung ereilen uns dieser Tage. Ortschaften, durch die rei\u00dfende Fl\u00fcsse gehen, Tr\u00fcmmerlandschaften, die unpassierbar sind, untersp\u00fclte H\u00e4user, Stra\u00dfen und Gleise, U-Bahn-Sch\u00e4chte, die meterweise unter Wasser stehen, dazwischen Menschen, die retten, was zu retten ist, die Sands\u00e4cke auft\u00fcrmen, Schlammb\u00e4che r\u00e4umen, Notunterk\u00fcnfte vorbereiten. Eine Flutkatastrophe biblischen Ausma\u00dfes hat Teile Deutschlands erfasst. Was wohl in Dachau los w\u00e4re, wenn Amper, W\u00fcrm oder der Gr\u00f6benbach \u00e4hnlich \u00fcber die Ufer laufen w\u00fcrden wie die Ahr und die Esch, wie die Ennepe und die Ruhr?<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder der Verw\u00fcstung ereilen uns auch in der Geschichte, die wir eben geh\u00f6rt haben.&nbsp;<em>Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der&nbsp;Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:&nbsp;Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.<\/em>&nbsp;Drei Jahre sollte diese Trockenheit Israel treffen, so lange, dass selbst der Bach Krit, an dem Elia sich im ersten Teil der Geschichte aufh\u00e4lt, austrocknet, ein Bach, der eigentlich immer Wasser f\u00fchrte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was diese beiden Szenarien der Verw\u00fcstung verbindet, ist die Erkenntnis, dass wir Menschen von der Lebensfreundlichkeit der nat\u00fcrlichen Gewalten abh\u00e4ngig sind \u2013 und dass wir es selbst mit all unseren technischen Errungenschaften nicht in der Hand haben, ob sich diese Gewalten uns gegen\u00fcber stets freundlich verhalten. Die Sonne kann w\u00e4rmen, sie kann aber auch stechen. Wasser stillt Durst und k\u00fchlt ab, es kann aber auch zerst\u00f6ren<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Die Erkenntnis, in hohem Ma\u00dfe abh\u00e4ngig zu sein von der Lebensfreundlichkeit nat\u00fcrlicher Gewalten, ist eine menschliche Grunderkenntnis. Und zu allen Zeiten haben Menschen sich gem\u00fcht, sich die nat\u00fcrlichen Gewalten freundlich zu halten, manchmal mit aus heutiger Sicht abstrusen Mitteln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00e4hrend der kleinen Eiszeit in Mitteleuropa im 16. und 17.Jahrhundert die Ernten Jahr um Jahr erfroren oder verfaulten und die Menschen schlimmen Hunger litten, da glaubten sie, dies sei das Werk b\u00f6sen Zaubers. Menschen aus ihrer Mitte wurden als Hexen entlarvt, verfolgt und zu Tode gefoltert, \u00fcberall in Deutschland, egal, ob in katholischen oder evangelischen Gebieten. Allein, es hat den b\u00f6sen Zauber damals nicht beendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn wir es nicht in der Hand haben, die Lebensfreundlichkeit der nat\u00fcrlichen Gewalten zu bewahren, wer dann? Diese Frage, sie steht im Hintergrund unserer heutigen Geschichte von Elia, die eigentlich nur der Auftakt seiner Mission ist. Er tritt ja in die Szenerie mit dieser Ank\u00fcndigung:&nbsp;<em>So wahr der&nbsp;Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:&nbsp;Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Ank\u00fcndigung ist nur zu verstehen, wenn man begreift, dass die Frage, wer die Lebensfreundlichkeit der nat\u00fcrlichen Gewalten f\u00fcr Israel wahrt, im Land oder besser: am Hof strittig geworden war. Ahab, der K\u00f6nig, hatte eine ph\u00f6nizische Prinzessin zur Frau genommen, Isebel, und den Baalskult ihrer Heimat in Israel neben der Verehrung des Gottes Israels eingef\u00fchrt. Denn Baal war doch der Fruchtbarkeitsgott, derjenige, dem die nat\u00fcrlichen Gewalten so untertan sind, dass er allen, denen er gewogen ist, in jeder Hinsicht Fruchtbarkeit schenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Affront gegen den Hof und noch viel mehr gegen den neuen Gott ist es daher, dass Elia nun eine lange D\u00fcrre ank\u00fcndigt. Doch es ist ja nicht Elia, ein b\u00f6ser Zauberer, sondern der Gott Israels selbst, der dem Land die D\u00fcrre beschert. Dieser Gott ist es, dem die Naturgewalten untertan sind. Das wird in dieser Geschichte noch im Gro\u00dfen bewiesen werden, sp\u00e4ter, wenn Elia am Berg Horeb beim gro\u00dfen Finale gegen s\u00e4mtliche Propheten des Baal und seiner Aschera antritt, 850 an der Zahl. W\u00e4hrend jene allerlei religi\u00f6sen Klamauk veranstalten, spricht Elia ein Gebet und wird erh\u00f6rt. Am Ende regnet es \u2013 nach drei Jahren zum ersten Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber so weit sind wir noch nicht. Noch stehen wir am Anfang der Verw\u00fcstung und am Anfang von Elias Mission. Dass diese ihn nun schnurstracks in die W\u00fcste f\u00fchrt, ist zu seinem Schutz. B\u00f6se Zauberer m\u00fcssen ja verfolgt und get\u00f6tet werden, damit ihr Zauber endet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schutz ist das Eine, die Vorbereitung das Andere. Die W\u00fcste ist biblisch der Ort der Vorbereitung. Als das Volk aus \u00c4gypten gef\u00fchrt wird, leitet es Gott nicht direkt ins gelobte Land. In der W\u00fcste wandert es 40 Jahre, bis es bereit erscheint. Und Jesus zieht nach seiner Taufe erst in die W\u00fcste, bevor er seine \u00f6ffentliche Mission antritt. Dort, in der W\u00fcste, trifft er auf den Teufel, der ihn dreifach versucht, von seinem Kurs abzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ort der Vorbereitung ist die W\u00fcste aber gerade dadurch, dass in ihrer offensichtlichen Lebensunfreundlichkeit die Lebensfreundlichkeit des Gottes Israels zutage treten kann. Das Volk wird von Gott mit Wasser und Manna versorgt; Jesus dienen die Engel nach dem ersch\u00f6pfenden Ringen mit dem Teufel. Und Elia wird vom Wasser des Baches Krit und von Raben versorgt. Wie wundersam die Wege Gottes sind, wird hier schon kenntlich, denn Raben galten in Israel als unreine Tiere. Selbst diese jedoch sind dem Gott Israels so untertan, dass sie f\u00fcr den Propheten des Gottes Israel lebensfreundlich handeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wundersame setzt sich fort. Denn als der Bach Krit vertrocknet, schickt der Gott Israels Elia in Feindesland, nach Ph\u00f6nizien, die Heimat des Baal, in die Stadt Sarepta. Und dann auch nicht zu irgendwem, sondern zu einer Witwe mit Sohn. Die soll ihn ab sofort versorgen. Ein fremder, alleinstehender Mann, der bei einer alleinstehenden Frau einkehrt. Eine unerwartete, ja eigentlich unm\u00f6gliche Allianz, die in Israel eher mit dem \u00e4ltesten Gewerbe der Welt assoziiert w\u00fcrde. Und dann noch eine Frau, die eigentlich gerade dabei ist, sich und ihrem Sohn die Henkersmahlzeit zuzubereiten, weil ihre Reserven zur Neige gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie sprach: So wahr der&nbsp;Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig \u00d6l im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will\u2019s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen \u2013 und sterben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dass sie es dann nicht tun, sondern unersch\u00f6pflich bleiben, spricht von der Lebensfreundlichkeit des Gottes Israel, von dem sie doch sprach, ohne zu ahnen, was sie da sagt:&nbsp;<em>So wahr der Herr, dein Gott, lebt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie erscheint diese Geschichte angesichts des eingangs Gesagten, angesichts einer Pandemie, die uns weiter in Atem h\u00e4lt, die uns noch einmal sehr deutlich vor Augen gef\u00fchrt hat, wie abh\u00e4ngig wir von der Lebensfreundlichkeit der nat\u00fcrlichen Gewalten sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kommen uns, wenn \u00fcberhaupt, die Worte der Witwe \u00fcber die Lippen:&nbsp;<em>So wahr der Herr, mein Gott, lebt.<\/em>? Was hei\u00dft es denn, dass ein Elia und eine Witwe in Sarepta die D\u00fcrre \u00fcberlebten und andere, hier Ungenannte gewiss nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor kurzem hatten wir im Team der Arbeitsseelsorge unserer Kirche, dem kda Bayern, ein Musikerduo aus Franken zu Gast. Sie schilderten uns, wie das vergangene Jahr f\u00fcr sie und ihre Musikerfreunde war. Keine Konzerte, keine Reisen, keine Einnahmen, ein paar Kr\u00f6ten vom Staat. Der Mann des Duos sagte uns: \u201eEs gab einen Tag, da hatte ich insgesamt noch 16 Euro, 6 Euro auf der Hand, 10 Euro auf dem Konto.\u201c&nbsp;&nbsp;Eine Handvoll Mehl im Topf, ein wenig \u00d6l im Krug.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weiter sprach er: \u201eUnd da ging mir der Spruch meiner Oma nicht aus dem Kopf: wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hielten dann Konzerte \u00fcbers Internet und etwas Geld kam rein. Und dann organisierten sie ein Benefizkonzert f\u00fcr die Musikszene.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Geld kam rein, kleines Geld, aber genug Geld, um ein paar Musikern etwas zu geben. Und dieses kleine Geld entfaltete gro\u00dfe Kraft. \u201eUnd dann erlebten wir, dass einige, die schon fast aufgegeben hatten, wieder loslegten. Die hatten auch ihren Stolz und wollten zeigen, dass sie auch selbst etwas auf die Beine stellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erz\u00e4hle Ihnen das nicht als Gebrauchsanleitung f\u00fcr Krisenzeiten, so nach dem Motto: das Brotwunder, sei es bei Elia, sei es bei der Speisung der 5000, ist nichts anderes als die Mobilisierung verborgener Reserven.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erz\u00e4hle ihnen das vielmehr, weil wir Geschichten wie die der beiden Musiker, wie die von Elia und der Witwe brauchen in Zeiten, da die nat\u00fcrlichen Gewalten ihre ganze Lebensunfreundlichkeit zeigen. Wir brauchen sie, um die Lebensfreundlichkeit des Gottes Israels, der der Gott Jesu ist, dar\u00fcber nicht zu vergessen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Woche f\u00fcr Woche versammeln wir uns unter dem Kreuz, in dem wir die Lebensfreundlichkeit unseres Gottes sehen, w\u00e4hrend andere nur Gewalt und Mord und Scheitern sehen. Immer wieder wie heute versammeln wir uns um den Tisch des Herrn bei einem kargen Mahl, eine Handvoll Hostien im Topf und ein wenig Wein im Krug, weil wir da die Lebensfreundlichkeit unseres Gottes feiern, w\u00e4hrend andere nur diesen kargen Ritus sehen und sich vielleicht denken, dass man angesichts der Not in der Welt doch etwas Besseres zu tun h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir tun das, weil wir es so gelernt haben. Wir tun das, um nicht zu vergessen. Elia wurde in der W\u00fcste versorgt, die Witwe und ihr Sohn wurden von einer Handvoll Mehl im Topf und ein wenig \u00d6l im Krug satt. So wahr der Herr, unser Gott, lebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis in der Gnaden- und Vers\u00f6hnungskirche Dachau zu 1.K\u00f6nige 17,1-16\u00a0 Geliebte Gemeinde, Bilder der Verw\u00fcstung ereilen uns dieser Tage. 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