{"id":460,"date":"2021-01-23T18:49:31","date_gmt":"2021-01-23T17:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=460"},"modified":"2021-01-23T18:50:15","modified_gmt":"2021-01-23T17:50:15","slug":"saras-lachen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=460","title":{"rendered":"Saras Lachen"},"content":{"rendered":"\n<p>Geliebte Kolleginnen und Kollegen der vbw,<\/p>\n\n\n\n<p>viele Jahre feiern wir nun schon diese Andacht anl\u00e4sslich Ihrer, anl\u00e4sslich Eurer Weihnachtsfeier. Und wenn ich mir dabei einer Sache gewiss sein konnte, dann, dass ich im Haus der Bayerischen Wirtschaft auf eine leidlich gel\u00f6ste Stimmung treffen werde, dass mich launige Reden des Pr\u00e4sidenten und des Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrers erwarten werden und auch zahlreiche Momente schallenden Gel\u00e4chters, manche davon eher ungewollt als geplant und damit umso sch\u00f6ner.<\/p>\n\n\n\n<p>Das d\u00fcrfte uns heute abgehen. Wir sind nicht wie sonst beieinander, ja fast schon aufeinander an den festlich gedeckten B\u00e4nken und Tischen. Keine Geschenke unterm Baum, keine Festtafel, keine Band, die Stimmung und Party macht. Dass das Jahr nun so endet, passt ins Bild. Denn in 2020 gab es f\u00fcr uns alle weniger zu lachen als in anderen Jahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das vermaledeite Virus hat sich als Stimmungskiller erwiesen. Es hat get\u00f6tet. Es hat isoliert. Es hat erm\u00fcdet. Es hat Nerven blank gelegt. Es hat Konflikte gesch\u00fcrt. Es hat Pl\u00e4ne und Bilanzen verhagelt. Es hat den einen die Arbeit genommen, w\u00e4hrend die anderen sich vor Arbeit nicht mehr zu retten wissen. Wem w\u00e4re da nach einem solchen Jahr noch zum Lachen zumute?<\/p>\n\n\n\n<p>Heilfroh bin ich da nun, dass mir heute die Sara ins Predigtbuch geschrieben worden ist, und zwar die Sara, die lacht, obwohl sie eigentlich schon lange nichts mehr zu lachen hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Was hatte sie nicht schon alles mit ihrem Mann mitgemacht?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 65 Jahren, als r\u00fcstige Rentnerin hatte sie ihre Heimat in Chald\u00e4a verlassen, kam dann als Wirtschaftsfl\u00fcchtling mit ihrer Familie nach \u00c4gypten. Verraten und verkauft wurde sie dort von ihrem Mann. Der wehrte sich nicht, als der Pharao sie in ihren Harem aufnahm. Vielmehr gab er sich als ihren Bruder aus, aus Angst, er w\u00fcrde sonst aus dem Weg ger\u00e4umt werden. Und dann profitierte er auch noch von diesem Schwindel. Der Pharao, angetan von Saras Anmut, \u00fcbersch\u00fcttete Abraham mit Reicht\u00fcmern, aber gl\u00fccklich wurden sie am Ende nicht. Der Schwindel flog auf und so wurden sie des Landes verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann war da noch die Geschichte mit Hagar, ihrer Magd. Sie selbst hatte ja die Idee: Abraham solle es doch mit ihr versuchen, nachdem Sara nicht schwanger wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich versetzte es ihr t\u00e4glich einen Stich, Hagars Sohn im Lager zu sehen, wie er als junger Knecht anpackte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass sie sich dort am besten aufgehoben f\u00fchlte, wo wir sie auch an jenem Tag vorfinden, im Zelt, zur\u00fcckgezogen, gesch\u00fctzt von der Mittagshitze, in Ruhe gelassen von ihrem Ehemann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der sitzt vor der T\u00fcr und wartet. Glaubt man den Rabbinern, so wartete er dort auf Besuch, irgendwer, der ihn ablenkte, den er einladen, mit ihm einen Schwatz halten konnte. Daher begr\u00fc\u00dft er die drei, die da kommen, auch so \u00fcberschw\u00e4nglich und tischt ihnen ein Festmahl auf. Dass er alle anderen daf\u00fcr schaffen l\u00e4sst, zuvorderst seine Frau und seinen Knechtsohn, passt ins Bild.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Bild nun wird ersch\u00fcttert, mit einer Frage und einer Ank\u00fcndigung: \u201eWo ist Sara, deine Frau?\u201c fragen die G\u00e4ste und Abraham antwortet \u2013 wohl irritiert: \u201eDrinnen im Zelt.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann spricht einer von ihnen weiter. \u201eIch will wieder zu dir kommen \u00fcbers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann, so hei\u00dft es, schmunzelte Sara in sich hinein. Man kann es sich schon vorstellen, wo dieses Schmunzeln herkommt, tief aus ihrem Herzen, das da durcheinandergewirbelt wird. Nicht nur, weil da nach ihr gefragt wird nach den vielen Jahren, nicht wegen ihrer Sch\u00f6nheit als Konkubine, nicht wegen ihrer Dienstbarkeit als Ehefrau, sondern weil ihr pers\u00f6nlich aus dem Nichts etwas verhei\u00dfen wird, wonach sie sich selbst so viele Jahre sehnte und das doch inzwischen undenkbar geworden ist, nicht nur rein biologisch: \u201eNach dem ich alt bin, sollte ich wieder Lust haben? Und mein Herr ist auch alt.\u201c, so sagt sie\u2019s.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass sie in sich hineinlacht \u2013 und vielleicht selbst nicht so recht wei\u00df, wie dieses Lachen zu deuten w\u00e4re.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lacht sie \u00fcber einen guten Witz, l\u00e4sst sie sich gerne f\u00fcr einen Moment erheitern, um dem nicht so heiteren Alltag zu entfliehen? Gibt sie sich ihren Fantasien hin, wie das nun aussehen soll, wenn zwei Urgro\u00dfeltern jetzt noch einmal loslegen und dann ein umtriebiges Kleinkind gro\u00dfziehen sollen? Steckt in dem L\u00e4cheln ein ungl\u00e4ubiges Staunen: \u201eWas w\u00e4re denn, wenn\u2026\u201c?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Saras Lachen ist jedenfalls ein anderes als die Heiterkeit der Weihnachtsfeiern, die wir gewohnt sind und mit der wir auch so manche Last eines langen Arbeitsjahres absch\u00fctteln. Saras Lachen sch\u00fcttelt nichts ab. Es nimmt in seinem wilden Durcheinander alles auf, was an Wunderbarem und Schwerem in ihrem Herzen ringt. Und ist uns damit, so denke ich, n\u00e4her nach einem Jahr, das uns bis heute doch geh\u00f6rig durcheinanderwirbelt.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem seligen Durcheinander ist es wohlgemerkt ein gesegnetes Lachen. Sara selbst ist das noch nicht klar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als einer der G\u00e4ste sie auf Ihr Lachen anspricht, ist es ihr hochnotpeinlich. Es braucht dann das Jahr, in dem sie ihren Sohn unter ihrem Herzen tr\u00e4gt, um den Segen zu erkennen und zu benennen. Ihr Sohn wird dann auch Isaak hei\u00dfen, was bedeutet: \u201eGott hat jemanden zum Lachen gebracht.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gott selbst also hat dieses Lachen verursacht \u2013 und Gott selbst erf\u00fcllt es dann auch. Saras Geschichte erh\u00e4lt einen Neuanfang jenseits all der Erfahrungen, die ihr das Lachen geraubt hatten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist Gottes Humor. Es ist der Humor, der den Tod todlacht und das Todschweigen durchbricht. Es ist der Humor, der die Zerst\u00f6rung der Zerst\u00f6rung ist. Es ist der Humor, den die M\u00e4chtigen f\u00fcrchten, wenn sie sich ach so ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen dunkelsten Stunden, in Kriegen und Verw\u00fcstungen, im Exil und im Ghetto, in Pogromen und Konzentrationslagern, konnten sich die Nachkommen Isaaks auf diesen Humor berufen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich ist es der Humor, der in der Weihnachtsgeschichte sichtbar wird, in dem Kind in der Krippe. Dass dieses Baby die Erf\u00fcllung der messianischen Verhei\u00dfungen bedeuten solle, gilt nicht erst seit heute bei vielen als Witz, manchen sogar im Angesicht von Not als bitterer Scherz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es ein Witz? Ist es ein bitterer Scherz?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGott hat jemanden zum Lachen gebracht.\u201c Das hat Sara erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gen wir Saras Erfahrung teilen \u2013 nicht nur in diesen Tagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Predigt \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lesen\/LU17\/GEN.18\/1.-Mose-18\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lesen\/LU17\/GEN.18\/1.-Mose-18\">1.Mose 18,1-15<\/a> im Rahmen der Online-Andacht anl\u00e4sslich der Weihnachtsfeier der vbw &#8211; Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft am 18.12.2020)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte Kolleginnen und Kollegen der vbw, viele Jahre feiern wir nun schon diese Andacht anl\u00e4sslich Ihrer, anl\u00e4sslich Eurer Weihnachtsfeier. Und wenn ich mir dabei einer Sache gewiss sein konnte, dann, dass ich im Haus der Bayerischen Wirtschaft auf eine leidlich gel\u00f6ste Stimmung treffen werde, dass mich launige Reden des Pr\u00e4sidenten und des Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrers erwarten werden &hellip; <a href=\"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=460\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Saras Lachen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460"}],"collection":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=460"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":462,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions\/462"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}