{"id":429,"date":"2019-12-20T15:39:00","date_gmt":"2019-12-20T14:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=429"},"modified":"2020-04-14T15:56:36","modified_gmt":"2020-04-14T14:56:36","slug":"weil-sich-eure-erloesung-naht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=429","title":{"rendered":"&#8230;weil sich eure Erl\u00f6sung naht"},"content":{"rendered":"\n<p>Geliebte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vbw,<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ewir arbeiten gerade so, als ob zum Jahresende die Welt untergehen w\u00fcrde.\u201c So oder so \u00e4hnlich h\u00f6re ich es gerade wieder von vielen in und aus den Betrieben Bayerns.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich rechnen die, die das so sagen, fest damit, dass auch im Jahr 2020 unsere Welt noch steht. Nur daher macht auch dieser Spruch Sinn. Denn er soll ja den ganzen Irrsinn versinnbildlichen, in dem man vor Weihnachten so drinsteckt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Was aber, wenn die Welt tats\u00e4chlich untergehen w\u00fcrde? Das ist ja die Frage, die sich zun\u00e4chst einmal aufdr\u00e4ngt angesichts dessen, was wir eben bei Lukas geh\u00f6rt haben. Diese Worte, die ja in ein noch viel umfassenderes Weltuntergangsszenario eingebettet sind, gaben schon vielen in der Menschheitsgeschichte Vorlage und Anlass zu Weltuntergangsprognosen und -spekulationen.&nbsp;&nbsp;Erstaunlich ist f\u00fcr mich dabei, dass immer wieder Menschen aufgetreten sind, die aus dem Brustton der \u00dcberzeugung sagen konnten: \u201eJetzt ist es so weit mit dem Ende der Welt. Schaut doch, was hier in der Bibel bei Lukas steht. Genau das sehen wir doch, wie es in unserer Zeit passiert.\u201c Oft waren diese Untergangspropheten geradezu von einer Erl\u00f6sungs-Sehnsucht getrieben, dass diese Welt endlich endet, damit die neue Welt beginnen kann.&nbsp;<em>\u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Einladung zur Weltflucht k\u00f6nnte man sagen und dann denken: \u201eJa, aus dem Alltag fliehen, das mache ich auch gerne mal.\u201c Es gibt da blo\u00df einen kleinen, aber wesentlichen Unterschied. W\u00e4hrend bei den kleinen Alltagsfluchten eine R\u00fcckkehr in den Alltag noch m\u00f6glich ist, ist bei dem, was hier angedeutet wird, solch eine R\u00fcckkehr unm\u00f6glich. Denn die Welt, in der dieser Alltag stattfindet, w\u00e4re eben nicht mehr vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sind wir bereit, so radikal zu denken? Ist das Ende der Welt f\u00fcr uns ein realistisches Szenario?<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar nehmen wir wahr, wie wir Menschen die Welt ver\u00e4ndert haben und dabei das Risiko stetig erh\u00f6hen, uns selbst unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerst\u00f6ren. Aber wer geht schon tats\u00e4chlich davon aus, dass die Welt untergeht?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>All die Bedrohungen, wegen derer w\u00e4hrend meines Lebens Menschen auf die Stra\u00dfe gegangen sind, seien es der Klimawandel heute oder fr\u00fcher ein Atomkrieg, das Ozonloch oder der Saure Regen, haben eines gemeinsam: es ging nie um das Ende der Welt; es ging um das Ende der Menschheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Fortbestand der Welt hat dabei eigentlich niemand gezweifelt. Wir haben ja in der Schule gelernt, dass die Erde sich dreht, so lange die Sonne noch gl\u00fcht und das Weltall nicht in sich zusammenf\u00e4llt. Ein Weltenende, das nichts, aber auch gar nichts mit mir zu tun hat, da ich da schon lange tot bin. Nach mir die Sintflut, so what?<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Worte aus dem Lukas-Evangelium so anders machen als unser Schulwissen, ist die Erwartung, dass das Ende der Welt nahe ist, mir und dir und Ihnen. Es ist so nahe, nicht, weil es morgen oder \u00fcbermorgen passieren wird, sondern weil es mich und dich und Sie schon heute befragt, ob wir mit diesem Ende rechnen oder nicht. Denn dieses Ende wird als Ziel beschrieben \u2013 und wirft daher Fragen auf:<\/p>\n\n\n\n<p>Worauf l\u00e4uft denn unsere Welt, l\u00e4uft denn unsere Geschichte, laufen unsere Geschichten letztlich zu?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist das Ziel allen menschlichen Treibens? Was ist das Ziel des menschlichen Geborenwerdens und \u2013sterbens? Was ist das Ziel all unserer M\u00fche und Arbeit? Was ist das Ziel all der Erfolge und Niederlagen, der Gl\u00fccksmomente und Notsituationen, der Umbr\u00fcche und Aufbr\u00fcche, der gro\u00dfen wirtschaftlichen und politischen Umw\u00e4lzungen und der kleinen allt\u00e4glichen Routinen?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Lukas ist das Ziel bekannt. Es wird beschrieben als die R\u00fcckkehr des Heilands. Wenn diese Welt untergeht, dann bricht sein Reich endg\u00fcltig und in voller Pracht an. Und dann ist der Weltuntergang kein Drama, sondern wird mit einem \u201eGottseiDank\u201c aus tiefstem Herzen freudig empfangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;\u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ist das nachvollziehbar?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ein St\u00fcck weit, wenn einem schon einmal eine Welt zusammengebrochen ist und man sich gefragt hat, was da \u00fcberhaupt noch tr\u00e4gt und tr\u00f6stet \u2013 und zu glauben lernt, dass dies nichts anderes sein kann als Gottes gro\u00dfe Gnade.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAll Morgen ist ganz frisch und neu. Des Herren Gnad und gro\u00dfe Treu, sie hat kein End den langen Tag. Drauf jeder sich verlassen mag.\u201c So hei\u00dft es in einem meiner liebsten Kirchenlieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Gnade, die wird, so erz\u00e4hlt es Lukas eben, in ihrer G\u00e4nze am Ende der Welt, am Ziel dessen, worauf der Gang unserer Dinge hinf\u00fchrt, offenbar werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wird kein Schwarzes Loch sein, keine Stille im Weltall, keine H\u00f6lle und kein Schattenreich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da wird es vielmehr Advent und Weihnacht und Ostern in einem sein, da wird das Heil, das bereits zugegen war und das wir seither in unseren Gottesdiensten feiern und erinnern, das wir in so manchen allt\u00e4glichen Momente bei uns w\u00e4hnen und in anderen so bitterlich erflehen, da wird dieses Heil seine ganze Wirkung unter uns entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wird dann endg\u00fcltig Sinn machen, dass wir in jeder Adventszeit die Ankunft Jesu inszenieren, obwohl er doch schon l\u00e4ngst zu uns gekommen ist, weil dieses Inszenieren uns immer wieder neu auf dieses Ziel ausrichtet, auf das der Lauf der Dinge sich zuspitzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher, geliebte Br\u00fcder und Schwestern, h\u00f6rt auf Lukas \u2013 nicht nur im Advent:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;\u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Amen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Predigt \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lutherbibel-2017\/bibeltext\/bibelstelle\/Lukas%2021%2C25-28\/\">Lukas 21,\b25-28<\/a> im Haus der Bayerischen Wirtschaft am 13.12.2019) <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vbw, \u201ewir arbeiten gerade so, als ob zum Jahresende die Welt untergehen w\u00fcrde.\u201c So oder so \u00e4hnlich h\u00f6re ich es gerade wieder von vielen in und aus den Betrieben Bayerns. 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