{"id":415,"date":"2019-10-22T17:16:36","date_gmt":"2019-10-22T16:16:36","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=415"},"modified":"2021-06-06T11:01:46","modified_gmt":"2021-06-06T10:01:46","slug":"ueber-gemeinschaft-4-0","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=415","title":{"rendered":"Was bringt uns in digitalen Zeiten zusammen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>die heutige Veranstaltung steht wie die anderen in 2019 unter dem Jahresmotto \u201eGemeinschaft 4.0 \u2013 was bringt uns heute zusammen?\u201c. Ich erinnere mich noch gut, dass dieses Motto in unserem Leitungskreis aus der Idee entstand, so eine Veranstaltung wie heute zu machen. Lieber Wolfgang, du hast damals von Deiner Irritation gesprochen, dass und wie Smartphones und andere Endger\u00e4te in deiner Wahrnehmung das Zwischenmenschliche, die Gemeinschaft, die Kommunikation st\u00f6ren, hier und da auch zerst\u00f6ren, zumindest ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist gut, dass wir heute Abend noch einmal einen differenzierten Blick darauf gewonnen haben \u2013 einen Blick, der nur in Gemeinschaft m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich, ob dies eine Spur sein k\u00f6nnte, mit all dem, was uns als Eltern und Lehrkr\u00e4fte, als Unternehmer und Christen so umtreibt, gut umzugehen. Einfach immer wieder in den Austausch gehen, um mit den eigenen Fragen und Sorgen nicht allein zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier, so denke ich, k\u00f6nnen wir als \u00c4ltere dann auch etwas von den J\u00fcngeren lernen, denjenigen, die als Digital Natives nicht wie die Digital Immigrants zwischen analoger und digitaler Welt unterscheiden. Denn der Dialog, das Miteinander ist ja genauso mit und \u00fcber digitale Tools m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Wie dankbar bin ich etwa, dass ich mit Freunden in den USA \u00fcber Facetime und Telegram im schnellen Austausch stehen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie m\u00fchselig war das noch in den achtziger Jahren, als ich als Austauschsch\u00fcler in New Jersey Briefe an meine Freunde zuhause schrieb und die Antwort erst einen Monat sp\u00e4ter erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sch\u00f6n es auch sein kann, mit meinen Kindern Spiele auf der Konsole zu spielen \u2013 was genauso gemeinschaftsstiftend ist wie ich es von Tabu, Outburst oder anderen Brettspielen kenne.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie einfach es inzwischen geworden ist, mit Kolleginnen und Kollegen an ganz unterschiedlichen Orten zusammenzuarbeiten dank digitaler Tools. Das Buch, das ich eben verschenkt habe, haben wir mit 23 Menschen an 23 unterschiedlichen Orten Deutschlands gemacht \u2013 und uns dazu als Redaktion lediglich zweimal physisch getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch ist es eben nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass digitale Tools zur Gemeinschaft beitragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe dieses Jahr selbst in meinem Freundeskreis erlebt, wie Cybermobbing einen Jungen v\u00f6llig aus der Bahn geworfen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich auch, was es mit Freundschaften und Beziehungen macht, wenn Menschen 1000 Facebook-Freunde haben und nach immer mehr Followern auf Twitter oder Instagram streben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich nehme nat\u00fcrlich wahr, wie schwer es f\u00fcr viele Menschen geworden ist, glaubw\u00fcrdige Informationen von gezielten L\u00fcgengeschichten zu unterscheiden, allein schon deswegen, weil sie im Netz \u00fcber gleicherma\u00dfen glaubw\u00fcrdig aussehende mediale Oberfl\u00e4chen transportiert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass viele Eltern sich sorgen, mit welchen Informationen, ja, Bildern von der Welt ihre Kinder in den sozialen Medien gef\u00fcttert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier, denke ich jedoch, bleibt uns nur der Austausch, der Dialog, um uns gegenseitig in Gemeinschaft zu holen und zu halten. Was mir dabei als Christ Mut macht, ist das, was auch in unserem Wochenspruch anklingt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich erinnert der 1.Johannesbrief hier an das Doppelgebot der Liebe. F\u00fcr sich stehend klingt es erst einmal als ein Appell. Doch dieser Appell ist eingebettet in einen gr\u00f6\u00dferen Kontext, der auch schon im Brief ein paar Zeilen vorher durchklingt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.<\/strong>Gott ist Liebe. Das d\u00fcrfen wir erst einmal nur feststellen. Und dann den gr\u00f6\u00dferen Kontext betrachten, der uns bis in die Sch\u00f6pfungsgeschichte f\u00fchrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dort wird uns erz\u00e4hlt, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde, als Mann und Frau, als Zwei, als Beziehung. Der Mensch ist als Beziehungs-wesen geschaffen, weil Gott Beziehung ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er und sie stehen daher von Anbeginn in dieser doppelten Beziehung, im doppelten Gegen\u00fcber, wie es das Liebesgebot beschreibt: zu Gott und zum Mitmenschen. Und die Frage, die sich dem Menschen daher immer wieder stellt, ist, wie diese Beziehungen gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gelingt Gemeinschaft, wie gelingt Austausch, wie gelingt ein Dialog?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrich Bonhoeffer hat in seinem wunderbaren B\u00fcchlein \u201eGemeinsam leben\u201c dazu einen Hinweis gegeben, der meines Erachtens dem entspricht, wie der 1.Johannesbrief des Doppelgebot der Liebe beschreibt. So schreibt er:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeistliche Liebe\u2026kommt von Jesus Christus her\u2026, sie wei\u00df, dass sie keinen unmittelbaren Zugang zum andern Menschen hat. Christus steht zwischen mir und dem Andern.\u201c (30)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben keinen unmittelbaren Zugang zueinander \u2013 auch nicht zu unseren Liebsten, auch nicht zu unseren Kindern. Wenn wir den unmittelbaren Zugang suchen und versuchen, dann laufen wir immer Gefahr, den oder die andere f\u00fcr unsere Bed\u00fcrfnisse und Interessen einzuspannen, weil wir nicht imstande sind, uns freizumachen von uns selbst und dem, was wir wollen und brauchen. Daher bekommen wir den Bruder, die Schwester nicht ganz in den Blick, so wie Christus dies tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur durch Christi Augen, nur mit Christus als Mittler ist dies m\u00f6glich. Nur dann gelingt menschliche Gemeinschaft, menschlicher Dialog. Das ist Bonhoeffers These.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese These scheint sich im digitalen Raum vielfach zu best\u00e4tigen, da, wo Menschen offensichtlich manipuliert und missbraucht werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Manipulation und dieser Missbrauch ist aber keineswegs das Privileg des Digitalen. Es ist und bleibt allzu menschlich und findet sich daher zur Gen\u00fcge auch im Analogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es nur so, dass uns die neuen, m\u00e4chtigen digitalen Tools auf etwas in und an uns aufmerksam machen, was schon immer menschliche Gemeinschaft bedroht hat. Und uns daran erinnern, wo wir die Quelle menschlicher Gemeinschaft zu finden imstande sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So wie es im 1.Johannesbrief im selben Kapitel unseres Wochenspruchs nachzulesen ist:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Vers\u00f6hnung<\/strong>&nbsp;<strong>f\u00fcr unsre S\u00fcnden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Andacht zu 1.Johannes 4,21 gehalten bei der regionalen Arbeitsgruppe des <a href=\"https:\/\/www.aeu-online.de\/regionale-arbeitsgruppen\/muenchenbayern.html\">AEU M\u00fcnchen\/Bayern<\/a> in der Lukasschule M\u00fcnchen am 21.10.2019) <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte Gemeinde, die heutige Veranstaltung steht wie die anderen in 2019 unter dem Jahresmotto \u201eGemeinschaft 4.0 \u2013 was bringt uns heute zusammen?\u201c. Ich erinnere mich noch gut, dass dieses Motto in unserem Leitungskreis aus der Idee entstand, so eine Veranstaltung wie heute zu machen. 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