{"id":407,"date":"2019-07-01T16:59:00","date_gmt":"2019-07-01T15:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=407"},"modified":"2020-04-14T15:57:24","modified_gmt":"2020-04-14T14:57:24","slug":"ueber-menschenfurcht-und-gottesfurcht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=407","title":{"rendered":"Menschenfurcht und Gottesfurcht"},"content":{"rendered":"\n<p>Geliebte AEU-Gemeinde,<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eP\u00f6hler\u201c \u2013 das stand auf dem K\u00e4ppi, das J\u00fcrgen Klopp trug, als er noch Trainer bei Borussia Dortmund war. J\u00fcrgen Klopp, Kult-Coach und seit diesem Jahr mit Liverpool endlich auch Champions League-Sieger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das P\u00f6hler-K\u00e4ppi war damals Kult. \u201eP\u00f6hler\u201c &#8211;&nbsp;&nbsp;das ist die Bezeichnung im Ruhrpott f\u00fcr Stra\u00dfenfu\u00dfballer. Einer, der aus reiner Freude am Spiel kickt. Insofern war es passend, warum Klopp dieses K\u00e4ppi tats\u00e4chlich trug. Nicht nur, weil er in der Regel als fussball- und lebensfroher Mensch r\u00fcber kommt, sondern weil er unter diesem K\u00e4ppi seine neue Vitalit\u00e4t verbarg. Unter dem K\u00e4ppi konnte n\u00e4mlich ungest\u00f6rt seine frisch verpflanzte Haarpracht heranreifen, bis sie \u00f6ffentlich pr\u00e4sentabel war.<\/p>\n\n\n\n<p>Haare sind eben mehr als Haare. Das merkt man als Mann, wenn sich trotz Alpecin die Freifl\u00e4chen auf dem eigenen Sch\u00e4del nach und nach ausbreiten und was dann noch von der einstigen Haarpracht \u00fcbrig ist, auch noch ergraut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Sch\u00f6nes, gepflegtes, volles, kr\u00e4ftiges, farbintensives Haupthaar, das dr\u00fcckt Jugend und Lebendigkeit, Sch\u00f6nheit und Attraktivit\u00e4t, Erfolg und St\u00e4rke aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern st\u00f6\u00dft das Wort Jesu, das uns die heutige Losung mitgibt, doch einiges zum Nachdenken an:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber auch die Haare auf Eurem Haupt sind alle gez\u00e4hlt. Darum f\u00fcrchtet euch nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt offensichtlich f\u00fcr uns alle, egal, wie es um unser Haupthaar beschaffen ist. Denn die Pointe des Jesuswortes liegt zun\u00e4chst einmal nicht in der Beschaffenheit. Wer w\u00fcsste schon, wie viele Haare auf seinem Haupt vorhanden sind? Gott wei\u00df es \u2013 darum geht es. Und auf dieses Wissen \u2013 und das ist nun die Pointe \u2013 ist f\u00fcr uns Verlass. Dieses Wissen darf uns die Furcht nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es hier nun gerade um Haare geht, das finde ich insofern dann doch bemerkenswert, denn die Furcht, die in dem Kontext des Jesuswortes angesprochen ist, dass ist die Lebensfurcht \u2013 oder besser: die Furcht davor, das Leben zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird auch an dem anderen Bild deutlich, das Jesus hier verwendet. Im Zusammenhang hei\u00dft es n\u00e4mlich:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Verkauft man nicht f\u00fcnf Sperlinge f\u00fcr zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer vergessen. Aber auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gez\u00e4hlt. Darum f\u00fcrchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So zahlreich wie unser Haupthaar sind die Sperlinge und andere V\u00f6gelein. Und jedes einzelne wei\u00df uns etwas \u00fcber unsere Furcht und unser t\u00e4gliches Sorgen zu predigen. So legt Martin Luther dieses Wort aus:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeht, so macht Christus die V\u00f6gel zu unseren Lehrmeistern, sodass im Evangelium die kleinen Sperlinge uns klugen Menschen zu gro\u00dfer, fortw\u00e4hrender Schande als Lehrer und Prediger vorgestellt werden. Sie m\u00fcssen uns t\u00e4glich Gottes Treue vor Augen f\u00fchren, als wenn sie sagten: \u00bbDu elender Mensch! Du hast Haus und Hof, Geld und Gut und jedes Jahr einen Acker voller Korn oder mit anderem Gew\u00e4chs, und dies mehr als genug, und doch kannst du keine Ruhe finden und hast immer Sorge, du werdest des Hungers sterben. Wenn du keinen Vorrat siehst oder davon wei\u00dft, kannst du Gott nicht einmal f\u00fcr einen Tag zutrauen, dass er dich versorgt. Und wir V\u00f6gel sind so viele, trotzdem haben wir uns noch an keinem Tag unseres Lebens Sorgen gemacht. Und dennoch hat Gott uns t\u00e4glich unsere Nahrung gegeben.\u00ab&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist doch unsere Furcht schon einmal recht sch\u00f6n umschrieben. Und doch sind wir auch hier noch nicht fertig mit dem Verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn der Kontext ist ein noch umfassenderer. In ihm erschlie\u00dft sich, was uns diese Lebensfurcht macht und was sie uns nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>So hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich sage aber euch, meinen Freunden: F\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten k\u00f6nnen und danach nichts mehr tun k\u00f6nnen. Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch f\u00fcrchten sollte: F\u00fcrchtet euch vor dem, der, nachdem er get\u00f6tet hat, auch Macht hat, in die H\u00f6lle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem f\u00fcrchtet euch. Verkauft man nicht f\u00fcnf Sperlinge f\u00fcr zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer vergessen. Aber auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gez\u00e4hlt. Darum f\u00fcrchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An und f\u00fcr sich ist es ganz einfach: Was uns Furcht macht, sind die, die lediglich den Leib t\u00f6ten k\u00f6nnen. Was uns diese Furcht nimmt, ist die Furcht vor dem, der die Macht hat, in die H\u00f6lle zu werfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders gesagt: Menschenfurcht kann nur durch Gottesfurcht \u00fcberwunden werden. Denn der, der die Macht hat, in die H\u00f6lle zu werfen, das ist Gott, der Herr \u00fcber Leben und Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag nun den einen oder die andere irritieren, aber hei\u00dft es nicht:&nbsp;<em>Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.<\/em>&nbsp;(Spr 1,7)?<\/p>\n\n\n\n<p>Und welch befreiende Erkenntnis kann es denn sein, wenn ich wei\u00df: vor Menschen brauche ich mich nicht mehr f\u00fcrchten, denn das Entscheidende meiner Lebendigkeit k\u00f6nnen sie mir nicht nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt nicht in meinem Haupthaar oder einem anderen Vitalzeichen begr\u00fcndet. Es ist stattdessen bei Gott wohl aufgehoben, der jedes meiner Haare gez\u00e4hlt hat, vom ersten Babyflaum bis zum wei\u00dfen Schopf an meinem Totenbett \u2013 und ja, vielleicht hat ja auch mein Auferstehungsleib einst Haare, so Gott will.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut t\u00e4te ich also dran,&nbsp;&nbsp;der Gottesfurcht nachzusp\u00fcren und nachzuh\u00f6ren, die so mannigfach in den biblischen Geschichten benannt und beschrieben ist. Und mich dabei auch von denen anleiten lassen, die in diesen Geschichten der Gottesfurcht keinen Raum geben, sondern \u2013 und das ist dann die Regel \u2013 auf eigene Faust ihr Leben zu retten versuchen und doch nichts anderes als die Sorge ernten, die den Sperlingen fremd ist, und die Menschenfurcht sich einkaufen, die Jesus benennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht dass sie mir fremd w\u00e4ren. Im Gegenteil. Umso besser zu wissen, dass&nbsp;jene&nbsp;stets daran erinnert worden sind, wie fatal ihre Vorgehensweise ist. Wie fatal es ist, der Gottesfurcht aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn&nbsp;<em>die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Daher lasst uns bitten, dass Gott uns lehre, ihn zu f\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Andacht \u00fcber Lukas 12,7 gehalten bei der regionalen Arbeitsgruppe des AEU Augsburg \/ Schwaben am 26.6.2019)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte AEU-Gemeinde, \u201eP\u00f6hler\u201c \u2013 das stand auf dem K\u00e4ppi, das J\u00fcrgen Klopp trug, als er noch Trainer bei Borussia Dortmund war. J\u00fcrgen Klopp, Kult-Coach und seit diesem Jahr mit Liverpool endlich auch Champions League-Sieger.&nbsp; Das P\u00f6hler-K\u00e4ppi war damals Kult. \u201eP\u00f6hler\u201c &#8211;&nbsp;&nbsp;das ist die Bezeichnung im Ruhrpott f\u00fcr Stra\u00dfenfu\u00dfballer. 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