{"id":371,"date":"2018-12-08T21:18:32","date_gmt":"2018-12-08T20:18:32","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=371"},"modified":"2018-12-15T16:12:37","modified_gmt":"2018-12-15T15:12:37","slug":"gott-hoert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=371","title":{"rendered":"Gott h\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<p>Geliebte AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>wundersame Geburten \u2013 das ist ein wiederkehrendes Thema in den Geschichten des Alten und des Neuen Testamentes. Angefangen bei Sara, der Frau Abrahams, die nur lachen kann, als ihr in hohem Alter ein Sohn verhei\u00dfen wird \u2013 \u00fcber Rahel, die so viele Jahre unfruchtbar an der Seite ihrer Schwester Lea darbte, bis auch sie an der Seite Jakobs zwei Stammhalter Israels zur Welt bringen kann \u2013 bis hin zu Maria, der jungen Frau, die ohne kenntliches Zutun ihres Verlobten einen Sohn zur Welt bringt. Das Wunder dieser Geburt werden wir bald wieder feiern.<\/p>\n<p>In diese Reihe wundersamer Geburten ordnet sich auch die Hanna ein, deren Lobgesang wir soeben zu h\u00f6ren bekamen. Auch sie litt wie Rahel an der Seite Leas \u00fcber ihre Unfruchtbarkeit, w\u00e4hrend eine andre Frau ihres Mannes Elkana, Pennina, ein Kind ums andere gebar.<\/p>\n<p>Auch Elkanas Liebe konnte sie nicht tr\u00f6sten, denn sie sp\u00fcrte die Verachtung, die ihr entgegenschlug. Eine Frau, die keine Kinder zur Welt brachte, galt im alten Israel nichts. In den Augen ihrer Volksgenossen hatte sie den Sinn und Zweck ihrer Existenz verwirkt.<!--more--><\/p>\n<p>Wie schwer dieses harte Urteil ihrer Umgebung auf ihr lag, wird deutlich, als sie dem Priester Eli offenbart, dass sie ein ums andere Mal ihr Herz vor Gott aussch\u00fcttet, ein Gott wohlgemerkt, der \u00fcber Jahre, Jahrzehnte schweigt. Nichts passiert.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Gott ist das? Was f\u00fcr ein Gott ist das, dass Hanna ihm weiterhin in den Ohren liegt, trotz Funkstille, keiner ersichtlichen Reaktion?<\/p>\n<p>Hannas Lobgesang, den wir eben h\u00f6rten, ist nicht vollst\u00e4ndig, wenn wir ihre Geschichte nicht kennen. So wie das Lob der Psalmen nicht vollst\u00e4ndig ist, wenn wir die Klagen in den Psalmen nicht vernehmen. Und Hannas Lobgesang ist auch nicht vollst\u00e4ndig verstanden, wenn man die harschen S\u00e4tze ausspart, mit denen sie all denen trotzt, die sie durch ihr Urteilen und Abwenden bis ins tiefste Mark getroffen haben: \u201eMein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde\u2026Lasst euer gro\u00dfes R\u00fchmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde\u2026\u201c Im Lobgesang ist eine geh\u00f6rige Portion Galle. Ein Mensch lobt Gott, kein Engel, ein Mensch mit tiefsten Verletzungen und auch einer Portion Zorn.<\/p>\n<p>In einem Zeitalter des Zornes, in dem ein angry white man an die Spitze der USA gew\u00e4hlt wurde, an dem Paris brennt und der Arc de Triomphe \u201ebesudelt\u201c wird, an dem Wutb\u00fcrger durch Deutschlands Stra\u00dfen ziehen und Parolen wie \u201eL\u00fcgenpresse\u201c und \u201eMerkel muss weg\u201c skandieren, k\u00f6nnte es notwendig sein, dies im Blick zu haben \u2013 gerade im kommenden Jahr, wenn wir uns \u00fcber die Frage \u201eGemeinschaft 4.0 \u2013 was f\u00fchrt uns heute zusammen?\u201c Gedanken machen.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte wichtig sein, in dem lauten Zorn das leise Schluchzen verachteter Herzen und gekr\u00e4nkter Seelen zu vernehmen; es k\u00f6nnte wichtig sein, die Randst\u00e4ndigen wie Hanna zu beachten und zu h\u00f6ren, die, die nach den unausgesprochenen Ma\u00dfst\u00e4ben der Massengesellschaft nicht mehr dazugeh\u00f6ren, bevor sie in ihrem Zorn von wirklich destruktiven Kr\u00e4ften instrumentalisiert werden.<\/p>\n<p>Noch mehr sogar, was uns jenseits der politischen Vernunft f\u00fchrt: es k\u00f6nnte f\u00fcr uns wichtig sein, genau da hin zu h\u00f6ren, um besser verstehen, welcher Gott es ist, dem Hanna da so beharrlich in den Ohren liegt.<\/p>\n<p>Ein Gott, der, so dr\u00fcckt es Hanna aus, \u201earm macht und reich macht, t\u00f6tet und lebendig macht, erniedrigt und erh\u00f6ht, den D\u00fcrftigen aus dem Staub hebt und den Armen aus der Asche erh\u00f6ht.\u201c<\/p>\n<p>Ein Gott, der dabei nicht willk\u00fcrlich vorgeht, sondern weil er eben doch h\u00f6rt, wie Hanna es erfahren hat: \u201eLasst euer gro\u00dfes R\u00fchmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt\u2026\u201c<\/p>\n<p>Ein Gott, der es merkt, trotz Schweigens \u00fcber Jahre. Ein Gott, der eben doch h\u00f6rt und erh\u00f6rt. So nannte Hanna ihren Sohn: \u201eSamuel\u201c \u2013 \u201eGott h\u00f6rt\u201c<\/p>\n<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eGott h\u00f6rt\u201c &#8211; das d\u00fcrfen wir mitnehmen in diese Adventszeit, in der wir den erwarten, der der gr\u00f6\u00dfte Zeuge dessen ist, dass Gott h\u00f6rt, \u201eein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt\u201c \u2013 Heil und Leben in eine Welt, die bis ins Mark ersch\u00fcttert ist von unz\u00e4hligen N\u00f6ten und unermesslichem Leid, von selbstzerst\u00f6rerischer Ignoranz und unhaltbarem Machtmissbrauch. Tun wir es in dieser Welt Hanna gleich: Sch\u00fctten wir unsere Herzen aus vor unserem HERRN, von mir aus mit all der Galle, die dabei hochkommen mag, und sollten wir merken, dass Gott es merkt, sollten wir erfahren, dass Gott uns h\u00f6rt, dann lasst uns wie Hanna mit Gotteslob nicht sparen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><em>(gepredigt bei der AEU Mitgliederversammlung zu <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lutherbibel-2017\/bibeltext\/bibelstelle\/1.Samuel%202\">1.Sam 2,1-8<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte AEU-Gemeinde, wundersame Geburten \u2013 das ist ein wiederkehrendes Thema in den Geschichten des Alten und des Neuen Testamentes. 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