{"id":367,"date":"2018-12-06T21:13:43","date_gmt":"2018-12-06T20:13:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=367"},"modified":"2018-12-06T21:13:43","modified_gmt":"2018-12-06T20:13:43","slug":"mit-der-eigenen-verletzlichkeit-konfrontiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=367","title":{"rendered":"Mit der eigenen Verletzlichkeit konfrontiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Offenbarung 3,14-22:<\/strong><\/p>\n<p><em>Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: So spricht der, der das Amen \u00fcber unser Leben sagt, der Zeuge, der treu und wahrhaftig ist als der Anfang der Sch\u00f6pfung Gottes. <\/em><em>Ich wei\u00df von deinen Werken, dass du weder kalt noch hei\u00df bist. Ach, w\u00e4rest du kalt oder hei\u00df! <\/em><em>So aber, da du lau bist und weder hei\u00df noch kalt, will ich dich ausspeien aus meinem Mund. <\/em><em>Du sagst: Ich bin reich und bin im Wohlstand und bin nicht angewiesen auf die Unterst\u00fctzung anderer. Aber du wei\u00dft nicht, dass du erb\u00e4rmlich bist, armselig, blind und nackt. <\/em><em>Ich rate dir: Kaufe feuerfestes Gold von mir, damit du dich reich nennen kannst, und wei\u00dfe Kleider, damit du dich angemessen kleiden kannst und deine Nacktheit nicht offensichtlich wird, und Salbe, um deine Augen zu behandeln, dass du klar siehst. <\/em><em>Denen, die ich liebe, setze ich Widerstand entgegen, und erziehe sie dazu, anders zu denken. Gemeinde, nimm\u2019s dir zu Herzen und w\u00e4hle also den besseren Weg. <\/em><em>Siehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme h\u00f6rt und mir die T\u00fcr \u00f6ffnet, trete ich ein, komme zu ihm und esse mit ihm. <\/em><em>Dein Erfolg wird sein, zusammen mit mir Verantwortung zu teilen, so wie mein Vater mit mir Verantwortung geteilt hat. <\/em><em>Wer Ohren hat zu h\u00f6ren, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt.<\/em><\/p>\n<p>Geliebte Gemeinde in Dachau,<\/p>\n<p>ist das, was wir hier geh\u00f6rt haben, gerichtet an die Gemeinde in Laodizea, einem r\u00f6mischen Kurort in Kleinasien im 1.Jahrhundert nach Christus, auch ein Wort f\u00fcr uns? Oder anders gefragt: Was w\u00e4re der Auftrag an den Engel der Gemeinde in Dachau, was h\u00e4tte dieser aufzuschreiben? Und wie hat man sich das vorzustellen mit diesem Schreibauftrag? Verh\u00e4lt es sich da wie beim Nikolaus, dem die Eltern im Vorfeld des 6.Dezembers mitgeben, was er den Kleinen am Abend zu sagen hat, Lob und Tadel, Knecht Ruprecht im Hintergrund mit Rute, Sack und bei Bedarf einer kleinen oder gr\u00f6\u00dferen Drohgeb\u00e4rde?<\/p>\n<p>Der Bu\u00df- und Bettag hat ja so eine Anmutung, ein bisschen wie Nikolaus f\u00fcr die Gro\u00dfen, f\u00fcr die, die schon wissen, dass der Mann mit Bischofsstab und Bischofshut, der da ins traute Heim eintritt, eben nicht der echte Nikolaus ist. Bu\u00df- und Bettag &#8211; ein bisschen zum F\u00fcrchten eben angesichts der Schuld, die man bekennen m\u00f6ge, nachdem man sie erkannt und anerkannt hat. Ein bisschen aber auch zum Besinnen und Freuen im Rahmen eines sch\u00f6nen Abendgottesdienstes mit Abendmahl und Liedern, die man eben nur abends singen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte euch jetzt sicher nicht das F\u00fcrchten lehren \u2013 das ist nicht meine Aufgabe hier auf der Kanzel. Vielmehr m\u00f6chte ich einem Thema nachdenken, dass viele, auch hier in der Gemeinde in Dachau, bewegt. Und damit dem versuchen, gerecht zu werden, wie ich diesen Schreibauftrag an den Engel einer Gemeinde, so wie ihn die Offenbarung beschreibt, begreife.<\/p>\n<p>Der \u201eEngel\u201c ist da nicht als himmlisches Fl\u00fcgelwesen zu denken, sondern als ein Mensch aus Fleisch und Blut, der als Angelus, als Bote, eine Botschaft an seine Gemeinde auszurichten hat, ein Wort des HERRN.<\/p>\n<p>Nun, was m\u00f6chte ich euch heute ausrichten?<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit einer Geschichte anfangen. Und bei dieser Geschichte, da nehme ich euch Konfirmandinnen und Konfirmanden in den Blick. Nicht weil ihr jetzt besonders streng angeschaut werden m\u00fcsstet, sondern weil die Geschichte \u00fcber einen Jungen in eurem Alter geht. Vielleicht interessiert\u2019s euch ja. Jedenfalls, dieser Junge hatte eine Gro\u00dfmutter und diese Gro\u00dfmutter lebte mit dem Jungen und seiner Mutter unter einem Dach. Und eines Morgens wachte der Junge auf wie jeden Morgen und ging zum Fr\u00fchst\u00fcckstisch. Und musste feststellen, dass dieser Morgen eben nicht wie jeder Morgen war.<\/p>\n<p>Was war passiert? Die Gro\u00dfmutter, die im Keller lebte, war wie jeden Morgen die Treppen hochgekommen. Nur, dass es da nicht morgens war, sondern nachts um drei Uhr. Und weil die Gro\u00dfmutter um die Uhrzeit noch schlaftrunken war, schaffte sie es auch nicht bis nach oben, sondern verfing sich vielmehr in einer Treppenstufe und fiel die Treppe runter. GottseiDank brach sie sich dabei nicht das Genick, aber immerhin den Oberschenkelhals.<\/p>\n<p>Seit dem Tage schaffte es die Gro\u00dfmutter nicht mehr so recht aus dem Bett. Sie wurde schm\u00e4ler und schw\u00e4cher. Sie wurde ungeduldiger und unzufriedener. Vor allem aber: sie wurde immer verwirrter. Der Junge erkannte sie nicht wieder. Mal wimmerte sie, mal starrte sie vor sich hin, mal schnauzte sie ihn an ohne Grund.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfmutter wurde pflegebed\u00fcrftig. Ins Haus kam regelm\u00e4\u00dfig eine Schwester wie aus dem Bilderbuch, mit Nonnenhaube und Nonnengewand. Sie sorgte sich um die Gro\u00dfmutter, wenn die Mutter arbeiten war. Und immer wieder hatte sich der Junge auch allein um die Gro\u00dfmutter zu sorgen. Die Treppen hinuntereilen, wenn sie rief. Sie auf den Topf im Sitzstuhl zu heben, wenn sie mal musste. Manchmal auch vom Boden, wenn sie es wieder allein versucht hatte, aber in ihrer Kraftlosigkeit auf halber Strecke gest\u00fcrzt war. Es waren traurige, be\u00e4ngstigende, schwere Monate \u2013 und als die Gro\u00dfmutter endlich verstarb, stand der Junge am Grab und war besch\u00e4mt, weil er keine Tr\u00e4ne zu weinen f\u00e4hig war.<\/p>\n<p>Geliebte Gemeinde in Dachau,<\/p>\n<p>einen Menschen zu pflegen kann einen bis aufs \u00c4u\u00dferste fordern. Als Konfirmand habe ich es erlebt. Und ich erlebe es immer wieder in den Erz\u00e4hlungen von pflegenden Angeh\u00f6rigen, die ich heute als Seelsorger in meinem Aufgabenbereich, der Arbeitswelt, begleite.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich frage ich mich heute Abend, wie es denn aussieht, wenn man hinter die T\u00fcren und Fenster der H\u00e4user unserer Stadt Dachau blickte, hinein in die Schlaf- und Wohnzimmer der Familien, in deren Mitte ein altersschwacher oder schwer kranker Mensch gepflegt wird. Ich frage mich auch, wie es denn aussieht in den Alters- und Pflegeheimen, den Einrichtungen betreuten Wohnens hier in Dachau.<\/p>\n<p>Heute haben wir eine Dame zu Gast, die uns so einiges dar\u00fcber berichten k\u00f6nnte, wie es in diesen Pflegeh\u00e4usern unserer Stadt aussieht. Denn als Pflegeberaterin der AOK Bayern besucht und ber\u00e4t sie Familien, die sich um einen zu pflegenden Angeh\u00f6rigen sorgen. Vielleicht geben Sie sich kurz zu erkennen, liebe Frau Kr\u00fcger.<\/p>\n<p>Frau Kr\u00fcger wird Interessierten sp\u00e4ter im Gemeindehaus einige Hintergr\u00fcnde und Tipps f\u00fcr den Pflege-Alltag mitgeben und f\u00fcr Fragen gerne zur Verf\u00fcgung. Vielen Dank, Frau Kr\u00fcger, dass Sie sich heute Abend Zeit genommen haben.<\/p>\n<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n<p>Dachau ist eine reiche Stadt in einer reichen Region eines reichen Landes, vergleichbar mit Laodizea, das als Kurort nicht nur Wellness-Oase f\u00fcr gestresste Manager und Milit\u00e4rs und deren Gattinnen war, nicht nur ein ber\u00fchmter Studienort der Medizin, sondern insbesondere auch eine bedeutende Wirtschafts- und Handelsmetropole, direkt an der Hauptverkehrsroute Kleinasiens gelegen, und als Bankenzentrum ein begehrtes Ziel f\u00fcr Kapital, das vermehrt werden wollte.<\/p>\n<p>Die Gemeinde in Laodizea stand offensichtlich nicht au\u00dfen vor, nicht am Rande dieser reichen Stadt, sondern war mittendrin, Teil der wohlhabenden B\u00fcrgergesellschaft \u2013 scheinbar auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein, so wie es in der Botschaft an die Gemeinde beschrieben ist:<\/p>\n<p><em>Du sagst: Ich bin reich und bin im Wohlstand und bin nicht angewiesen auf die Unterst\u00fctzung anderer. <\/em><\/p>\n<p>Wir sind ein reiches, wohlhabendes Land \u2013 und mit diesem Reichtum finanzieren wir die Pflege der Menschen in unserem Land.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr hat die Pflegeversicherung fast 40 Milliarden Euro an Pflegeleistungen finanziert, Tendenz deutlich steigend. Allein von 2016 auf 2017 sind die Ausgaben wegen der neuen und notwendigen Strukturierung in Pflegegrade um 25 Prozent gestiegen \u2013 notwendig etwa, damit auch die steigende Zahl an demenzkranken pflegebed\u00fcrftigen Menschen endlich eine ad\u00e4quate Versorgung erhalten.<\/p>\n<p>Und doch finanziert die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten. Als die Pflegeversicherung 1995 eingef\u00fchrt wurde, wurde sie als Teilkaskoversicherung eingef\u00fchrt. Ein politischer Kompromiss war das damals. Denn die Sorge in der Wirtschaft war gro\u00df, dass mit der Pflegeversicherung ein neuer gro\u00dfer Posten als Lohnnebenkosten auf dem Lohnzettel der Arbeitnehmer zu finanzieren sei und damit die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen im internationalen Vergleich Schaden nehmen k\u00f6nnte. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis besteht \u00fcberall, wo um das rechte Ma\u00df an Sozialversicherungs-beitr\u00e4gen gerungen wird, ob bei der Rente, der Arbeitslosenversicherung oder der Krankenkasse.<\/p>\n<p>Dass die Pflegeversicherung nur Teilkasko ist, merkt man dann recht schnell, wenn die Pflege zuhause von der Versorgung in einem Pflegeheim abgel\u00f6st wird. Nur einen Teil der Rechnung einer Pflegeeinrichtung deckt die Pflegeversicherung ab. Gl\u00fccklich, wer eine Rente hat, die den Rest finanziert. Sonst ist schnell das Sozialamt im Boot \u2013 und im Nachgang die Angeh\u00f6rigen. Pflege kostet \u2013 und der eigene Wohlstand schrumpft schnell zusammen. Kein Wunder, dass schon im kommenden Jahr die Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung wieder steigen werden, um ein halbes Prozent, und auch, dass inzwischen \u00fcber Steuerzusch\u00fcsse zur Pflegeversicherung nachgedacht wird, vergleichbar mit den inzwischen rund 100 Milliarden Euro, die aus dem kommenden Bundeshaushalt in die Rentenversicherung flie\u00dfen, um die Rente sicher zu machen.<\/p>\n<p><em>Du sagst: Ich bin reich und bin im Wohlstand und bin nicht angewiesen auf die Unterst\u00fctzung anderer. Aber du wei\u00dft nicht, dass du erb\u00e4rmlich bist, armselig, blind und nackt.<\/em><\/p>\n<p>Die Kosten sind das eine, die Geschichten, aus denen die nackte Not spricht, das andere. Nicht alle Geschichten sind repr\u00e4sentativ, bleiben aber jede f\u00fcr sich verst\u00f6rend: Geschichten etwa von Gewalt von Angeh\u00f6rigen oder Pflegekr\u00e4ften, von wundgelegenen oder in stinkenden Windeln liegenden alten Menschen \u2013 Geschichten, die \u00fcber sich hinaus immer wieder auf eine Not verweisen, die sich auch durch Zahlen verdeutlichen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>So ist es weitgehend unstrittig, dass mehr Pflegekr\u00e4fte ben\u00f6tigt werden, auch angesichts der weiter steigenden Zahl an Pflegebed\u00fcrftigen. Auch ist bekannt, wie fordernd der Pflegeberuf ist. So arbeiten Pflegekr\u00e4fte im Schnitt keine zehn Jahre in ihrem Beruf \u2013 und ein Drittel aller Auszubildenden bricht die Ausbildung wieder ab.<\/p>\n<p>Und es ist erkannt, wie belastend die Pflege auch f\u00fcr Angeh\u00f6rige ist. Inzwischen gibt es einige Angebote, die pflegende Angeh\u00f6rige entlasten, wie der Pflegeentlastungsbetrag, mit dem man sich Leistungen jenseits der Pflege wie Hilfe beim Einkaufen oder beim Putzen einkaufen kann. Ein notwendiger Erholungsurlaub oder eine Kur lassen sich inzwischen organisieren und finanzieren. Und auch die Pflegeberatung ist eine gesetzliche Leistung, die Angeh\u00f6rige dahingehend entlastet, dass sie nicht selbst m\u00fchsam herausfinden m\u00fcssen, an wen sie sich zu welchen Fragen jeweils zu wenden haben.<\/p>\n<p>Dass diese Angebote oft nicht bekannt sind und genutzt werden, liegt auch an einer oft gegenw\u00e4rtigen Scham bei Angeh\u00f6rigen, in vielem bed\u00fcrftig und angewiesen zu sein. Als Pflegender hat man Anteil an der Armseligkeit, Nacktheit und Erb\u00e4rmlichkeit des Menschen, den man pflegt.<\/p>\n<p>Wen diese Worte irritieren, dem m\u00f6chte ich ein alternatives Wort anbieten: in der Pflege eines Menschen wird man mit der eigenen Verletzlichkeit konfrontiert. Kein Reichtum der Welt sch\u00fctzt einen vor dieser Verletzlichkeit. Das gilt f\u00fcr jeden und jede einzelne von uns und das gilt auch f\u00fcr uns als Gesellschaft. Wir k\u00f6nnen uns vor dieser Verletzlichkeit nicht sch\u00fctzen, denn sie geh\u00f6rt zu uns Menschen. <em>\u201eIch bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren.\u201c<\/em> (Hiob 1,21)<\/p>\n<p>Dass diese Verletzlichkeit gerade in den Beziehungen zwischen Pflegebed\u00fcrftigen und ihren Angeh\u00f6rigen so pr\u00e4sent ist, hat nicht nur mit k\u00f6rperlicher Gebrechlichkeit und Schw\u00e4che, mit Ersch\u00f6pfung und \u00dcberforderung zu tun. Es sind die intimsten Beziehungen, die hier oft auf dem Spiel stehen, zwischen Eltern und ihren Kindern, zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Bruder und Schwester. Was \u00fcber Jahre an Spannungen und Konflikten kontrolliert und kaschiert werden konnte, bricht in der Not hervor. Neben der anstrengenden Pflegearbeit kommt dann die manchmal noch anstrengendere Beziehungsarbeit dazu. Und wo diese scheitert, wo keine Kl\u00e4rungen und L\u00f6sungen gefunden wurden, stehen dann zerr\u00fcttete Beziehungen, verletzte Seelen, zerbrochene Herzen.<\/p>\n<p>Not, die oft nicht sichtbar wird, die hinter T\u00fcren und Fenstern verriegelt wird, davor eine Fassade, ein neuer Anstrich. Genau diesem Vorgehen kauft das Wort an die Gemeinde in Laodizea den Schneid ab. Der sch\u00f6ne Schein wird entlarvt, die Not darf sein.<\/p>\n<p><em>Du sagst: Ich bin reich und bin im Wohlstand und bin nicht angewiesen auf die Unterst\u00fctzung anderer. Aber du wei\u00dft nicht, dass du erb\u00e4rmlich bist, armselig, blind und nackt.<\/em><\/p>\n<p>Es geht dem, der da spricht, jedoch nicht ums Vorf\u00fchren oder Entlarven, nicht um Enth\u00fcllungsjournalismus oder Rechthaberei, sondern um einen neuen Ansatz, einen Weg aus der einsamen H\u00f6hle, aus dem \u201eSo tun als ob\u201c, aus der Ignoranz.<\/p>\n<p><em>Ich rate dir: Kaufe feuerfestes Gold von mir, damit du dich reich nennen kannst, und wei\u00dfe Kleider, damit du dich angemessen kleiden kannst und deine Nacktheit nicht offensichtlich wird, und Salbe, um deine Augen zu behandeln, dass du klar siehst.<\/em><\/p>\n<p>Nicht: was k\u00f6nnten, ja, was m\u00fcssten wir tun, sondern: was k\u00f6nnten wir uns gefallen lassen, was k\u00f6nnten wir sehen, in den Blick bekommen?<\/p>\n<p>Feuerfestes Gold, wei\u00dfe Kleider, Salbe f\u00fcr die Augen \u2013 alles aufgeladene Bilder. Gold, das nicht nur in dieser Welt etwas gilt, sondern dem endg\u00fcltigen Feuer der L\u00e4uterung standh\u00e4lt. Wei\u00dfe Kleider, wie sie bei der Taufe seit alters her getragen werden und auf das neue Leben verweisen, das da geschenkt wird. Salbe f\u00fcr die Augen, die Klarsicht erm\u00f6glichen, so wie es Paulus einmal als best\u00e4ndigen Akt der Bu\u00dfe beschrieb: \u201e<em>Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern lasst eure Wahrnehmung ver\u00e4ndern, damit ihr pr\u00fcfen k\u00f6nnt, was Gottes Wille ist: das Gute, Angemessene und Vollkommene.\u201c (R\u00f6m 12,2)<\/em><\/p>\n<p>Eine ver\u00e4nderte Wahrnehmung, die einen bei Sinnen sein l\u00e4sst, so dass man mit der Not, mit der man auf offener Stra\u00dfe nicht hausieren geht, sich nicht im stillen K\u00e4mmerlein verriegelt, sondern entriegelt, wenn man folgendes zu h\u00f6ren bekommt:<em> Siehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme h\u00f6rt und mir die T\u00fcr \u00f6ffnet, trete ich ein, komme zu ihm und esse mit ihm.<\/em><\/p>\n<p>Hast du den Glauben, dass der, der da spricht, auch dich meint, dass er zu dir kommt, mit dir isst? Hast du den Glauben, ihm deine T\u00fcr zu \u00f6ffnen und ihn eintreten zu lassen? Und wenn du ihn nicht hast \u2013 gut, dass du da bist. Denn als Gemeinde halten wir miteinander diese unbedingte Zusage Christi ganz praktisch lebendig \u2013 im H\u00f6ren auf sein Wort, wie es uns \u00fcberliefert ist, im gemeinsamen Mahl, das wir auch heute Abend in Erwartung seiner tr\u00f6stenden und erneuernden Gegenwart miteinander feiern, im Verantwortung teilen untereinander, so gut es jeder und jede von uns vermag, wie es in unserem Wort heute Abend hei\u00dft: <em>Dein Erfolg wird sein, zusammen mit mir Verantwortung zu teilen, so wie mein Vater mit mir Verantwortung geteilt hat<\/em>.<\/p>\n<p>Es mag nicht viel erscheinen \u2013 und doch ist es eine Welt, die sich uns da er\u00f6ffnet, eine Welt, in der \u201eBlinde sehen und Lahme gehen, Auss\u00e4tzige rein werden und Taube h\u00f6ren, Tote auferweckt werden und Armen das Heil verk\u00fcndigt wird.\u201c (vgl. Lukas 7,22)<\/p>\n<p>Glaube mir: Auch du mit deiner Not und deiner Blindheit bist eingeladen, an dieser Welt Anteil zu haben.<\/p>\n<p><em>Wer Ohren hat zu h\u00f6ren, h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt.<\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><em>(gepredigt am Bu\u00df- und Bettag 2018 in der Friedenskirche Dachau<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offenbarung 3,14-22: Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: So spricht der, der das Amen \u00fcber unser Leben sagt, der Zeuge, der treu und wahrhaftig ist als der Anfang der Sch\u00f6pfung Gottes. Ich wei\u00df von deinen Werken, dass du weder kalt noch hei\u00df bist. Ach, w\u00e4rest du kalt oder hei\u00df! 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