{"id":342,"date":"2018-03-21T16:12:39","date_gmt":"2018-03-21T15:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=342"},"modified":"2018-06-02T19:59:36","modified_gmt":"2018-06-02T18:59:36","slug":"in-unsicheren-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=342","title":{"rendered":"In unsicheren Zeiten"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Matth\u00e4us 20,24-28: <\/strong>Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wi\u00dft, da\u00df die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als eine Erl\u00f6sung f\u00fcr viele.<\/em><\/p>\n<p>Geliebte AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>in welchen Zeiten leben wir? In unsicheren \u2013 so halten wir es in diesem Jahr in unserem Jahresmotto fest. Eine Zeitanalyse, die sich belegen lie\u00dfe angesichts der Schlagzeilen der vergangenen Woche: ein drohender Handelskrieg mit den USA, der diplomatische Konflikt zwischen Russland und Gro\u00dfbritannien, Koalitionsverhandlungen zwischen europaskeptischen Parteien in Italien, die 100%-Wahl des chinesischen Pr\u00e4sidenten auf Lebenszeit, die \u00dcbernahme von Afrin in Syrien durch die t\u00fcrkische Armee, die Forderung des deutschen Finanzministers nach einer Umsatzsteuer f\u00fcr Unternehmen mit digitalen Gesch\u00e4ftsmodellen.<\/p>\n<p>Diese Schlagzeilen werfen ein Schlaglicht auf die Themen, die auch uns hier in Deutschland ein Gef\u00fchl der Unsicherheit geben, weil wir direkt oder indirekt betroffen sind. Wie wird es weitergehen mit Europa? Welche Zukunft haben deutsche Unternehmen in einer sich digitalisierenden Wirtschaft?<\/p>\n<p>Hat die Globalisierung ihren Zenit \u00fcberschritten \u2013 und was kommt danach oder daneben? Und wie tragf\u00e4hig bleibt das Modell der freiheitlichen Demokratie im Angesicht von mehr und mehr Regierungen, die sich autokratisch aufstellen?<\/p>\n<p>Wie aber h\u00f6ren wir angesichts einer solchen Zeitanalyse die Worte Jesu? <!--more-->Nat\u00fcrlich laden diese dazu ein, sofort an die M\u00e4chtigen zu denken, die f\u00fcr die benannten Schlagzeilen verantwortlich sind oder zumindest daf\u00fcr stehen, ob Donald Trump, Wladimir Putin, Beppe Grillo und Silvio Berlusconi, Xi Jinping, Recep Erdogan und Baschar al-Assad oder Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Travis Kalanick \u2013 und so manch andere richtig M\u00e4chtige, die nicht hinter diesen Schlagzeilen stehen, weil sie sich gerade nicht in den Vordergrund dr\u00e4ngen oder schon lange tot sind.<\/p>\n<p><em>Ihr wi\u00dft, da\u00df die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun.<\/em><\/p>\n<p>Das ist ja keine Feststellung von heute, sondern von vor langer Zeit \u2013 und wer die Weltl\u00e4ufte zwischen damals und heute durchgeht, dem werden so manche Namen M\u00e4chtiger einfallen, auf die diese Worte zutreffen.<\/p>\n<p>Nun ist dieses Wort aber nicht an diese M\u00e4chtigen gerichtet, sondern an die J\u00fcnger Jesu \u2013 und damit eigentlich ja auch an uns, die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger Jesu heute.<\/p>\n<p>Was aber k\u00f6nnen, was sollen wir mit diesen Worten heute anfangen, zumal wir doch nicht wirklich auf dem Niveau dieser M\u00e4chtigen unterwegs sind? Nun, die M\u00e4chtigen und ihr Verhalten wird hier als Orientierungspunkt markiert, auch f\u00fcr die J\u00fcnger, auch f\u00fcr uns. \u201eSchaut, so machen es die mit Macht in der Welt.\u201c und zum Kontrast <em>\u201cSo soll es nicht sein unter euch.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Dahinter steht wohl eine recht n\u00fcchterne Feststellung, die in dem biblischen Wort zugespitzt ist, dass J\u00fcnger Jesu \u201ein der Welt, aber nicht von der Welt\u201c (Joh 17) sind. In dieser Ambivalenz, in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns \u2013 eben zwischen dem Gewalt antun und dem Dienen.<\/p>\n<p>Es ist ja nun nicht so, dass in den Unternehmen, Parteien, Kirchen, auch in anderen Organisationen dieser Welt immer die Samthandschuhe anbleiben und ausschlie\u00dflich der herrschaftsfreie Dialog gef\u00fchrt wird, um gemeinsam Themen umzusetzen und Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht so, dass alle Menschen, die in unternehmerischer oder politischer Verantwortung stehen, dorthin gelangt sind, weil sie in ihren Firmen und Parteien bekannt daf\u00fcr waren, Knechte und Diener zu sein.<\/p>\n<p>Und damit stellt sich nat\u00fcrlich die Frage: Was ist denn nun als J\u00fcnger, als J\u00fcngerin mit diesem Wort Jesu anzufangen angesichts einer Welt, in der <em>die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun?<\/em> Was hei\u00dft es dann konkret: <em>So soll es nicht sein unter euch, sondern wer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht?<\/em><\/p>\n<p>Bibliotheken wurden zu dieser Frage gepredigt und geschrieben, so dass ich mir nicht anma\u00dfe, hierauf eine f\u00fcr alle Lebenslagen zu geltende Antwort zu geben. Aber eines m\u00f6chte ich heute Abend festhalten: es ist schon ein Kennzeichen von J\u00fcngern Jesu, dass wir uns diese Frage stellen lassen, dass wir die Spannung, die diese Frage in uns aufwirft, zulassen, dass wir unsere eigene Gespaltenheit und Zerrissenheit angesichts dieser Frage wahrnehmen und immer wieder neu in den Blick bekommen.<\/p>\n<p>Es ist ein Kennzeichen von J\u00fcngern Jesu, dass wir diese Frage auch einander stellen, dass wir uns br\u00fcderlich und schwesterlich begleiten im Angesicht dieser Frage, dass wir darauf vertrauen d\u00fcrfen, dass wir diese Frage im Geiste Jesu miteinander bedenken, da, wo sie in unserem Leben konkret wird.<\/p>\n<p>Und konkret wird sie ja nicht nur da, wo wir selbst m\u00e4chtig sind in unserem beruflichen Alltag, in Unternehmen, Politik, Kirche, sondern auch da, wo wir im Privaten F\u00fchrungsverantwortung haben, gegen\u00fcber unseren Kindern zum Beispiel oder in der F\u00fcrsorge und Pflege von unselbst\u00e4ndig gewordenen Angeh\u00f6rigen. Auch da gibt es die hier beschriebene N\u00e4he der Macht, die erst einmal nur besagt, dass wir zum Machen beauftragt sind, die N\u00e4he dieser Macht zur Gewalt, deren Kennzeichen eben ist, dass andere in ihrem Machen wollen \u00fcbergangen und klein gehalten werden bis zu dem Punkt, wo es zur Ausl\u00f6schung von Existenzen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Genau hier kommt eben auch unser Heiland in den Blick.<\/p>\n<p>Folgen wir ihm nach, dann begeben wir uns eben mit ihm auf diesen riskanten Weg \u2013 auf dem wir bereitet und bef\u00e4higt werden, zu machen, aber ohne Gewalt, mit dem Risiko, dass wir kleingehalten werden bis zur Ausl\u00f6schung unserer Existenz.<\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise ist die Verhei\u00dfung dabei, dass wir auf diesem Weg nichts Entscheidendes zu verlieren haben. So ermutigt Jesus doch seine J\u00fcnger: <em>Wer sein Leben erhalten will, der wird&#8217;s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird&#8217;s finden.<\/em> <em>(Mt 16,25)<\/em><\/p>\n<p>Denn das ist doch die Frohe Botschaft von Ostern: Dass wir einen Herrn und Vorl\u00e4ufer haben, der alles, was wir zu verlieren f\u00fcrchten, tats\u00e4chlich verloren hat \u2013 und der Tod, der Dieb all dessen, was uns lieb und teuer ist, ihm tats\u00e4chlich nichts anhaben konnte. Was also sollte er uns anhaben, wenn wir uns an diesen Herrn und sein Wort halten?<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 20,24-28: Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wi\u00dft, da\u00df die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun. 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