{"id":329,"date":"2017-12-21T20:09:45","date_gmt":"2017-12-21T19:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=329"},"modified":"2017-12-19T20:10:49","modified_gmt":"2017-12-19T19:10:49","slug":"329","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=329","title":{"rendered":"Erwartungsschwanger"},"content":{"rendered":"<p>Geliebte vbw-Gemeinde,<\/p>\n<p>Hand aufs Herz \u2013 wer von Ihnen ist in dieser Woche schon irgendwohin gehetzt? Wem hat sich in dieser Woche der Magen zusammengezogen im Angesicht irgendeiner Frist, die es vor Weihnachten noch einzuhalten gilt? Und wem ist in dieser Woche schon einmal die Hutschnur hochgegangen, weil irgendwas oder irgendwer nicht so funktioniert hat, wie es doch n\u00f6tig gewesen w\u00e4re?<\/p>\n<p>Alle Jahre wieder liegen die Nerven vieler Menschen vor Weihnachten blank. Alle Jahre wieder ballen sich die Termine in der Adventszeit. Alle Jahre wieder die gleichen Spr\u00fcche, die man sich zuraunt, mit ironischem bis zynischem Zungenschlag: \u201eAlle tun so, als ob die Welt an Silvester untergeht.\u201c Oder \u201eWas f\u00fcr eine \u00dcberraschung \u2013 auch dieses Jahr f\u00e4llt Weihnachten auf den 24.Dezember.\u201c<\/p>\n<p>Es ist schon eine besondere Zeit, diese Vorweihnachtszeit \u2013 vielleicht gar nicht mal unbedingt, weil es stressiger oder dichter w\u00e4re als zu anderen Hochphasen im Jahr. Vielleicht eher, weil wir uns in dieser Zeit, ganz speziell in dieser Zeit etwas anderes w\u00fcnschen w\u00fcrden. Und diese W\u00fcnsche ja auch befeuert werden, ob durch sentimentale Filme, herzerw\u00e4rmende Weihnachtslieder oder Weihnachtskarten, die uns erholsame und friedliche Weihnachten w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>An diesem Kontrast verzweifeln so manche, an dieser Spannung des \u201eman m\u00fcsste doch eigentlich, es m\u00fcsste doch eigentlich anders sein, aber es ist halt, wie es ist.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Dabei ist es gerade diese Spannung, die zur Weihnachtsbotschaft ganz wesentlich dazu geh\u00f6rt, und die gerade im Advent, in der Vorweihnachtszeit sich zuspitzt. Denn im Advent tauchen wir ein in die Erwartung \u2013 in die Erwartung sowohl des Volkes Israel, das seit Jahrhunderten auf einen Heiland wartete, als auch in die Erwartung, die uns als Kirche pr\u00e4gt, als die, die durch den in der Heiligen Nacht zur Welt gekommenen Heiland nun selbst hineingenommen worden sind in diese Geschichte der Erwartung.<\/p>\n<p>Wie sich diese Geschichte der Erwartung entfaltet hat und wie sie eine Gemeinschaft der Erwartenden formt und bildet, beschreibt der Apostel Paulus nicht nur in den Zeilen, die wir geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Es ist sogar das Thema des gesamten R\u00f6merbriefes, dem diese Zeilen entnommen sind.<\/p>\n<p>Erwartungsschwanger sind die, die zur dieser Gemeinschaft geh\u00f6ren, erwartungsschwanger angesichts der Verhei\u00dfungen, die gerade zur Weihnachtszeit erneut und wiederholt zur Sprache kommen: <strong>Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen \u00fcber die V\u00f6lker; auf den werden die V\u00f6lker hoffen. Ewig-Vater, Friede-F\u00fcrst <\/strong>\u2026 ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Segen mit sich bringt.<\/p>\n<p>Verhei\u00dfungen, bezogen auf diesen einen, auf dieses Kind in der Krippe. Alle Jahre wieder intonieren wir sie, h\u00f6ren wir sie, lassen wir sie uns gefallen, werden erwartungsschwanger und merken dabei: ein bisschen schwanger, das geht nicht.<\/p>\n<p>Denn wo diese Verhei\u00dfungen Hoffnung, Trost und Geduld wecken, so wie es der Apostel beschreibt, wo sie gar zum Lobe Gottes f\u00fchren, zu dem der Apostel auffordert, da kommt zugleich auch die Not so recht in den Blick.<\/p>\n<p>Wenn es im Propheten Jesaja \u2013 auch eine zu Weihnachten verlesene Botschaft \u2013 hei\u00dft: <strong>Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein gro\u00dfes Licht, und \u00fcber denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.<\/strong> &#8211; und wir bei diesen Worten zu Recht an den Weihnachtsstern in der dunklen Nacht denken, dann kommt hier eine Logik zum Tragen, wie sie etwa der evangelische Lieddichter Jochen Klepper so zur Sprache brachte:<\/p>\n<p>\u201eDie Nacht ist vorgedrungen. Der Tag ist nicht mehr fern. So sein nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.\u201c<\/p>\n<p>\u2026bescheinet auch deine Angst und Pein.<\/p>\n<p>Wenn der Engel in der Weihnachtsgeschichte: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c ruft, dann wird doch als allererstes die Furcht der Angesprochenen benannt \u2013 und, das sei am Rande bemerkt, die Sorge, die in unserer Zeit gerade wieder gro\u00df Karriere gemacht hat unter so genannten besorgten B\u00fcrgern und doch nichts anderes ist als die kleine Schwester der Furcht. \u201eF\u00fcrchtet euch nicht und seid auch nicht besorgt!\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4re das auch eine Botschaft an die bayerische Wirtschaft? Zumindest nehme ich wahr: den Unternehmen in Bayern kann es denkbar gut gehen \u2013 es besteht immer ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an Zukunftsangst und Zukunftssorge, dem man nicht zu entkommen scheint \u2013 wohl besser: aus dem die Wettbewerber einen nicht entkommen lassen oder gewaltige Umw\u00e4lzungen mit ergebnisoffenem Ausgang wie das, was heute unter der \u00dcberschrift \u201eDigitalisierung\u201c verhandelt wird. \u201eF\u00fcrchtet euch nicht und seid auch nicht besorgt!\u201c Was, wenn diese Botschaft in der bayerischen Wirtschaft Geh\u00f6r f\u00e4nde? Was w\u00fcrde da passieren?<\/p>\n<p>Und wenn Paulus im selben Brief folgende Worte an die Gemeinde in Rom schreibt:<strong> Ich bin \u00fcberzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht in Gewicht fallen gegen\u00fcber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Das sehnliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden soll\u2026. Denn wir wissen, dass die ganze Sch\u00f6pfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt. <\/strong>dann kommt da noch eine andere Dimension dieser Erwartungsschwangerschaft in den Blick.<\/p>\n<p>Die Verhei\u00dfungen lassen einen nicht einfach bei der eigenen Angst und Pein stehen bleiben. Sie sind ja Verhei\u00dfungen nicht nur an mich und an dich, sondern an die ganze Sch\u00f6pfung, die ganze Kreatur. Und so kommt auch die Angst und Pein in den Blick, die andere um uns erleiden. Mit gutem Grund haben Spendenaktionen zur Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Denn sie bieten einen Weg an, der fremden Angst und Pein, die man in den Blick bekommt, ansatzweise zu begegnen.<\/p>\n<p>Und doch wird es dabei bleiben: mit der ganzen Kreatur werden wir weiterhin erwartungsschwanger darauf sehnlich harren, dass sich die Verhei\u00dfungen der Weihnachtsbotschaft erf\u00fcllen. Und dabei hoffentlich schon jetzt Gott gemeinsam loben und danken f\u00fcr das, was kommen wird \u2013 so wie es der Apostel Paulus der Gemeinde in Rom ans Herz legt \u2013 und damit einen Vorgeschmack dessen bekommen, was uns noch erwartet.<\/p>\n<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n<p>in der Spannung, die ihr zur Weihnachtszeit versp\u00fcrt, seid ihr also mittendrin in der Weihnachtsgeschichte. Mittendrin in dem, was dieser Erl\u00f6ser ausl\u00f6st in dieser Welt, in uns und in unserer Gemeinschaft der Erwartungsschwangeren.<\/p>\n<p>Diese Spannung ist gut, weckt sie uns doch auf und setzt sie uns in Bewegung. Dass diese Bewegung hin zum Kind in der Krippe f\u00fchren m\u00f6ge, das nun ist mein Adventswunsch an Sie. Oder in den Worten des Apostels Paulus: <strong>Der Gott der Hoffnung aber erf\u00fclle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben.<\/strong><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>(Predigt \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lutherbibel-2017\/bibeltext\/bibelstelle\/R%C3%B6mer%2015\/\">R\u00f6mer 15,4-13<\/a> im Haus der Bayerischen Wirtschaft am 15.12.2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte vbw-Gemeinde, Hand aufs Herz \u2013 wer von Ihnen ist in dieser Woche schon irgendwohin gehetzt? Wem hat sich in dieser Woche der Magen zusammengezogen im Angesicht irgendeiner Frist, die es vor Weihnachten noch einzuhalten gilt? 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