{"id":318,"date":"2017-10-25T07:52:28","date_gmt":"2017-10-25T06:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=318"},"modified":"2017-10-18T08:09:09","modified_gmt":"2017-10-18T07:09:09","slug":"die-uebung-von-den-letzten-dingen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=318","title":{"rendered":"Die \u00dcbung von den letzten Dingen"},"content":{"rendered":"<p><em>Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empf\u00e4ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.(Lukas 11,9f.)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Geliebte AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>manche von Ihnen wissen es ja vielleicht, dass ich seit bald vier Jahren in einem Projekt f\u00fcr Besch\u00e4ftigte der AOK Bayern t\u00e4tig bin. Mein Arbeitsauftrag lautet: \u201eBegleitung in Krisen- und \u00dcbergangssituationen\u201c \u2013 und das kann ganz Verschiedenes sein: von einer Krise im Team \u00fcber eine Strukturver\u00e4nderung im Bereich bis hin zu Ver\u00e4nderungsprozessen in der Familie, etwa, wenn ein Familienmitglied pflegebed\u00fcrftig wird.<\/p>\n<p>Immer wieder komme ich auch mit den Menschen, die ich da begleite, auf die heutige Tageslosung: \u201eKlopfet an, so wird euch aufgetan.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Etwa, wenn Menschen schon lange etwas mit sich herumtragen und es einfach nicht an den Mann, die Frau bringen. Oder wenn sie schon lange mit einer Idee schwanger gehen, aber sich nicht trauen, sie umzusetzen. Oder wenn sie einen Wunsch, eine Bitte haben an jemanden, aber diese nie zur Sprache gebracht haben. <em>\u201eKlopfet an, so wird euch aufgetan.\u201c<\/em> \u2013 das ist ein wunderbares Bild, mit dem man sch\u00f6n im Gespr\u00e4ch spielen kann.<\/p>\n<p>\u201eWahrscheinlich wissen Sie es ja, aber nur wenn man anklopft, besteht \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit, dass sich eine T\u00fcr f\u00fcr Sie \u00f6ffnet. Erst dann wei\u00df ja der andere auf der anderen Seite, dass Sie \u00fcberhaupt da stehen. \u2026 Nat\u00fcrlich besteht das Risiko, dass dann doch keiner aufmacht. Und dann? Kann man ja zur n\u00e4chsten T\u00fcr gehen. K\u00f6nnte ja sein, dass das nicht die richtige T\u00fcr war f\u00fcr Sie. \u2026<\/p>\n<p>Und \u00fcbrigens \u2013 wenn eine T\u00fcr sich nicht \u00f6ffnet, ist die L\u00f6sung sicher nicht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Das verursacht am Ende nur Beulen.\u201c<\/p>\n<p>Das sind nur ein paar Beispiele, wie fruchtbar dieses Bild in einem Seelsorgegespr\u00e4ch genutzt werden kann. Wie reich ist die Bibel doch an solchen Bildern und Anregungen f\u00fcrs Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Nun steht aber dieses Bild in einem Kontext, der noch einmal eine andere Dimension aufmacht, die \u00fcber das Zwischenmenschliche des Seelsorgegespr\u00e4chs hinausgeht, was aber in einem solchen Gespr\u00e4ch implizit immer auch mitschwingt, sofern es sich um Seelsorge handelt.<\/p>\n<p><em>Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. <\/em><em>Denn wer da bittet, der empf\u00e4ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.<\/em><\/p>\n<p>Und das ist nur der engere Kontext. Wer weiter schaut, wird feststellen: Hier geht es ums Beten. Am Anfang des Kapitels 11 im Lukasevangelium bitten die J\u00fcnger Jesus: \u201eLehre uns beten.\u201c Und Jesus bringt ihnen das VaterUnser bei. Man k\u00f6nnte sagen: da geht es um die Inhalte des Betens. Und hier nun geht es um die Haltung. Und so eine Haltung, die hat man nicht einfach, die entsteht, indem man betet.<\/p>\n<p>Beten, das ist eine eschatologische \u00dcbung. Da geht es um die letzten Dinge, um die letztg\u00fcltigen Dinge \u2013 und damit um alles. Es geht um die letzten Fragen \u2013 am Ende geht es in ja in unserem Sorgen, das in unseren Gebeten zur Sprache kommt, um Leben und Tod, um Leben, das gelingt, und Leben, das scheitert oder zu scheitern droht.<\/p>\n<p>Und ja, es geht damit auch besonders um die Frage, wer Gott in all dem ist. Wird Gott geben, wenn ich bitte? Oder was wird Gott geben? Wird Gott die T\u00fcr \u00f6ffnen, wenn ich anklopfe? Und wie wird Gott sie \u00f6ffnen? Werde ich dank Gott finden, was ich suche? Oder was werde ich dank Gott finden, wenn ich suche?<\/p>\n<p>Beten ist eine eschatologische \u00dcbung, weil wir im Beten lernen, wer Gott schlie\u00dflich und endlich ist. Weil wir im Beten glauben lernen, wie Gott tats\u00e4chlich \u2013 und nicht nach unseren Gedanken und W\u00fcnschen \u2013 ist. Weil wir uns im Beten hineinnehmen lassen in Gottes Geben, in Gottes Auftun, in Gottes Finden \u2013 kurz gesagt: in Gottes sch\u00f6pferisches Wirken. Weil wir im Beten wahrnehmen lernen, wie Gott schon heute an uns und unserer Welt den neuen Himmel und die neue Erde, auf die wir warten, erschafft.<\/p>\n<p>Gott erschafft sie im Gebet, das uns zu beten aufgetragen ist, nach seinem Willen, so wie wir eben bitten: \u201eDein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.\u201c Amen.<\/p>\n<p>(AEU M\u00fcnchen\/Bayern am 17.10.17)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empf\u00e4ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.(Lukas 11,9f.) 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