{"id":304,"date":"2017-07-16T19:11:56","date_gmt":"2017-07-16T18:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=304"},"modified":"2017-07-16T19:12:46","modified_gmt":"2017-07-16T18:12:46","slug":"freiheit-im-beruf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=304","title":{"rendered":"Freiheit im Beruf"},"content":{"rendered":"<p>Geliebte Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eFreiheit im Beruf\u201c \u2013 wer w\u00fcnscht sich das nicht? Zu schalten und walten, wie man gerne w\u00fcnschte, nicht demotiviert zu werden vom Chef, nicht geg\u00e4ngelt zu werden von den Kollegen, nicht getrieben zu werden von den Kunden? Einfach das machen zu k\u00f6nnen, was man gelernt hat \u2013 und nicht permanent mit Nebens\u00e4chlichkeiten aufgehalten zu werden? Das sind einige der Dimensionen, die anklingen, wenn Menschen davon berichten, was sie in ihrem Beruf unfrei macht.<\/p>\n<p>Und dann gibt es ja auch genug in unserem Land, die gar nicht in dem Beruf t\u00e4tig sein k\u00f6nnen, den sie gerne aus\u00fcben w\u00fcrden, einfach, weil es die Stellen nicht gibt, zumindest nicht vor Ort, wo man anderweitig gebunden ist.<\/p>\n<p>Und wie sieht es mit denen aus, die gar keine Arbeit finden? Auch wenn wir nach der aktuellen Arbeitslosenstatistik den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht haben \u2013 wobei, das sei nebenbei angemerkt, die Erhebung der Statistik heute nicht vergleichbar ist mit der Erhebung im Jahre 1991 \u2013 , so reden wir in Deutschland immer noch von 2,5 bis 3,5 Millionen Menschen, die ohne Verwendung in der Welt der Erwerbsarbeit ihr Dasein fristen.<\/p>\n<p>\u201eFreiheit im Beruf\u201c \u2013 was lie\u00dfe sich dazu also sagen? <!--more-->Sicherlich sehr viel. Ich m\u00f6chte mit Ihnen heute dieser Frage auf den Spuren Martin Luthers nachgehen. Seine Rede von der \u201eFreiheit eines Christenmenschen\u201c war ja f\u00fcr die Predigtreihe, zu der Sie mich eingeladen haben, auch namensgebend.<\/p>\n<p>Wenn wir uns hier auf Spurensuche begeben, dann begegnen wir diesem Martin Luther interessanterweise in einer Phase seines Lebens, wo ihm selbst die Freiheit der Aus\u00fcbung seines Berufs genommen war. Wir befinden uns auf der Wartburg im Jahr 1521, wo Luther sich gewisserma\u00dfen in Schutzhaft seines Landesherrn, des s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten Friedrich des Waisen, befand. Kaiser Karl V. hatte im Fr\u00fchjahr 1521 auf dem Reichstag zu Worms \u00fcber Luther die Reichsacht verh\u00e4ngt, nachdem ihn Papst Leo X. als Ketzer exkommuniziert hatte.<\/p>\n<p>Vogelfrei und verteufelt, sein Leben sowohl im weltlichen als auch im geistlichen Sinne verwirkt, und doch auf eine Art und Weise frei, die sich in einer unglaublichen Produktivit\u00e4t Bahn brach. In dieser Zeit \u00fcbersetzt er das Neue Testament ins Deutsche, er vollendet seine Auslegung des Magnificat (des Lobgesangs der Maria), die er exklusiv f\u00fcr den pr\u00e4destinierten Nachfolger des s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten als Anleitung zur Aus\u00fcbung seines Amtes verfasst, und er erstellt Predigtauslegungen, die dann im Jahr 1522 nach seiner R\u00fcckkehr nach Wittenberg als so genannte Weihnachtspostille ver\u00f6ffentlicht werden. All diese Werke atmen den neuen Geist der Reformation. Hierin sch\u00f6pft Luther wohl die Freiheit seines Berufs im Angesicht widriger, h\u00f6chst unfreier Umst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Luther legt in der benannten Weihnachtspostille auch den Abschnitt aus dem Johannesevangelium aus, den wir so eben geh\u00f6rt haben. Zu seiner Zeit war dieser Abschnitt am 27.Dezember, dem Tag des Apostels Johannes, vorgesehen zu predigen. Und diese Auslegung nun ist die wohl stringenteste Zusammenfassung seiner Lehre vom Beruf eines Christenmenschen.<\/p>\n<p>Erstaunlich ist dies schon, denn es g\u00e4be andere Stellen in der Bibel, die man vielleicht eher mit einer Lehre vom Beruf verbinden w\u00fcrde, Stellen, die man schnell findet, wenn man nachschaut, wo die Rede von Berufung ist.<\/p>\n<p>(Eine dieser Stellen aus dem 1.Korintherbrief haben wir vorhin ja geh\u00f6rt.) Und doch passt diese Stelle bei n\u00e4herem Hinsehen, denn die Szene, die da in den Blick kommt, schlie\u00dft an an die Berufung des Petrus, die einen doppelten Auftrag mit sich bringt: Petrus m\u00f6ge nach Jesu Tod die Leitung seiner Gemeinschaft \u00fcbernehmen \u2013 und er m\u00f6ge als sein J\u00fcnger bereit sein, Jesus bis in den Tod zu folgen.<\/p>\n<p>Die meisten von uns wissen wahrscheinlich, wie sie diese Berufungsgeschichte mit Blick auf das einordnen sollen, was vorher geschehen war. Petrus, der noch auf der Wanderschaft mit Jesus vollmundig verk\u00fcndet hatte, dass er bereit w\u00e4re, f\u00fcr ihn, den Messias, sein Leben zu lassen, scheitert in dem Moment kl\u00e4glich, als dies m\u00f6glicherweise gefordert gewesen w\u00e4re. In der Nacht, in der Jesus verhaftet wird, leugnet Petrus dreimal, zu Jesus zu geh\u00f6ren. Dreimal nun fragt Jesus daher Petrus: \u201eHast du mich lieb?\u201c \u2013 und dreimal beauftragt er ihn, so, als ob die dreimalige Leugnung erst durch ein dreimaliges Nachfragen wieder gut gemacht w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich hier nicht weiter aufhalten, nicht weil es dazu nicht mehr zu sagen g\u00e4be \u2013 ganz im Gegenteil, sondern weil ich unseren Blick auf die Folgeszene richten m\u00f6chte, die ja bei Luther im Fokus steht. Petrus also ist erneut berufen von Jesus. Und was f\u00e4ngt er damit an? Er fragt nach, was denn eines anderen Auftrag sei: \u201eHerr, was wird aber mit diesem?\u201c Diese Frage des Petrus ist der Ausgangspunkt f\u00fcr Luthers Nachsinnen \u00fcber den Beruf des Christen\/der Christin \u2013 zu seiner Zeit.<\/p>\n<p><strong>\u201eEs ist ein sehr allgemeiner Irrtum, dass wir die Werke der Heiligen hochachten und wie sie gelebt haben; hernach wollen wir meinen, es [das Leben der Heiligen] k\u00f6stlich [nachahmenswert] gewesen. Das bef\u00f6rdern und betreiben die unn\u00fctzen Schw\u00e4tzer, die das Leben der lieben Heiligen predigen und dem Volk zum Exempel [Vorbild] nicht richtig vortragen. Dagegen handelt und redet hier [in Joh 21,19-24] Christus. Petrus ist ein Beispiel solcher unbesonnenen Verdreher; als ihm Christus befohlen hat [Joh 21,19b], er sollte f\u00fcr sich selbst ihm nachfolgen, da wendet sich Petrus um und blickt auf einen anderen, k\u00fcmmert sich darum, wo der hingehe, den Jesus lieb hat [Joh 21,20]. So machen es auch diese Menschen, die das liegen lassen, was ihnen befohlen [aufgetragen] ist und sehen auf Wandel [Leben] und Werk der anderen, die Gott lieb hat, das sind seine Heiligen. Darum r\u00fcckt ihn Christus zurecht und spricht [vgl. Joh 21,22]: \u201eWas geht es dich an, wo der [andere] hingeht? Folge du mir, la\u00df mich mit ihm machen. Wie, wenn ich ihn so wollte bleiben lassen? Wolltest du deswegen auch bleiben? Meinst du, ich wolle eben das von dir haben, was ich von ihm habe? Nein, so nicht! Achte du auf das Deine und was ich dir sage, jener wird das Seine auch mit Recht finden. Ich will mancherlei Diener haben, es sollen aber nicht alle dasselbe Werk [zu tun] haben\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Wogegen Luther anpredigt, ist eine Verengung des Berufsverst\u00e4ndnisses zu seiner Zeit, die mit einer bewertenden Unterscheidung zwischen Heiligem und Weltlichem verbunden war. Wer sich im heiligen Bereich aufhielt, der konnte sich als berufen erachten, der weltliche Bereich hingegen galt als minderwertig, als gottfern. Im heiligen Bereich, da hielten sich die von der Kirche anerkannten Heiligen ebenso auf wie die Bisch\u00f6fe, Priester, Nonnen und M\u00f6nche.<\/p>\n<p>Der Rest konnte an diesem heiligen Bereich im Rahmen heiliger Akte teilhaben: der gottesdienstlichen Partizipation an Sakramenten, der Wallfahrerei, dem Fasten, dem Stiften an Kirchen und Kl\u00f6ster, der Nachahmung Heiliger und Feier von Heiligenfesten, dem Erwerb von Heilsg\u00fctern im Rahmen des Ablasshandels.<\/p>\n<p>Diese falsche Logik des Berufs griff Luther an, denn die Konsequenz dieser Logik war in doppelter Weise verquer. Sie implizierte zweierlei: dass es einen \u2013 und zwar gro\u00dfen \u2013 Bereich g\u00e4be, der quasi als gottlos zu denken sei, n\u00e4mlich der Alltag der Menschen \u2013 und dass Gott elit\u00e4re, exklusive, n\u00e4mlich heilige Leistungen erwarte, um sich seiner zu erbarmen und als gegenw\u00e4rtig zu erweisen.<\/p>\n<p>Welche Ausw\u00fcchse dies annahm, konnte Luther an seinen Zeitgenossen beobachten. Schlicht und ergreifend gesagt: dieses Evangelium schuf keinen Trost, sondern Verzweiflung und Irrsinn.<\/p>\n<p>Irrsinn etwa, den Luther so beschrieb: <strong>Sieh, man findet so viele Leute, die allerlei tun, nur nicht was ihnen befohlen [aufgetragen] ist. Mancher h\u00f6rt, dass etliche Heilige auf Wallfahrt gegangen sind, dessentwegen sie gelobt werden; so macht sich nun der t\u00f6richte Mensch auf, l\u00e4sst Weib und Kind, die ihm von Gott befohlen [anvertraut] sind, sitzen, zieht zu S. Jakob [nach Santiago de Compostela] oder hierhin und dahin, sieht [aber] nicht darauf, wie sein Beruf und Befehl [Auftrag] ein ganz anderer ist als des Heiligen, dem er nachfolgt.<\/strong><\/p>\n<p>Diesen Irrsinn beobachtet er eben bei Petrus, der, nachdem er seinen Ruf, seinen Beruf erhalten hat, statt sich an die Arbeit zu machen, nachfragt, was denn bittesch\u00f6n der Weg eines anderen sei. Und gegen diesen Irrsinn predigt Luther wie folgt an: <strong>Darum lasst uns die Worte Christi gut auffassen [Joh 21,22]: Folge du mir \u2013 du, du \u2013, la\u00df andere sich um ihre Sache k\u00fcmmern, k\u00fcmmere du dich um deine, die anderen werden mir wohl nachfolgen.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eFolge du mir nach, du, du.\u201c Eindringlich formuliert es Luther. Nachfolge, Berufung, das ist eine zun\u00e4chst individuelle Sache zwischen einem und einer jeden von uns und unserem gemeinsamen Herrn. Jede und jeder von uns geht ihren, geht seinen Weg auf dieser Welt \u2013 und keines anderen Weg ist identisch. Es w\u00e4re also, um Luthers Logik zu folgen, geradezu gottesl\u00e4sterlich, exakt in die Fu\u00dfstapfen eines anderen treten zu wollen. Gottesl\u00e4sterlich, weil man seine eigene Gesch\u00f6pflichkeit leugnet, indem man sich selbst zum Klon eines anderen degradiert.<\/p>\n<p>Da ist es auch egal, ob man dies tut, indem man einer spezifischen Moral folgt, einen Erfolgsmenschen zu imitieren versucht oder eine nach Schema F vorgegebene Karriere pr\u00e4zise und ohne nach links und rechts zu schauen vorantreibt. Derartiges Scheuklappendenken wirkt nicht nur zwanghaft und selbstzerst\u00f6rerisch. Es gibt Gottes Ruf keinen Raum, dessen sch\u00f6pferisches Wirken an einem doch alle Morgen neu ist. Es leugnet die Taufe, die am Anfang des je eigenen Weges in der Nachfolge Jesu steht.<\/p>\n<p>Der je eigene Weg: das klingt nun nach dem Hohelied des Individualismus und der Selbstverwirklichung. Das ist aber damit nicht gemeint. Noch einmal Luther:<\/p>\n<p><strong>Gottes Augen sehen nicht auf die Werke, sondern auf Gehorsam in den Werken; darum will er auch, dass wir auf seinen Befehl und Ruf [! Stammwort zu Beruf] sehen sollen, davon sagt Paulus 1Kor 7,20: \u201eEin jeder bleibe in dem Beruf [in Luthers Bibel\u00fcbersetzung seit 1522: Ruf], darin er berufen ist\u201c. Und S. Petrus 1Pt 4,10: \u201eIhr sollt sein wie die treuen, guten Verwalter\u201c oder \u201eAmtsleute der mancherlei Gnaden\u201c, so dass \u201eein jeder dem anderen diene\u201c und es f\u00f6rderlich [n\u00fctzlich] sei, was \u201eer empfangen hat\u201c. Sieh, S. Peter sagt, dass die Gnaden und Gaben Gottes nicht einerlei, sondern mancherlei sei. Und ein jeder soll seine wahrnehmen, sie aus\u00fcben und damit den anderen n\u00fctzlich sein. <\/strong><\/p>\n<p>Das Schl\u00fcsselwort in dieser Passage ist das Wort \u201eGehorsam\u201c. Es ist der Gegenbegriff zum \u201eRuf\u201c Gottes \u2013 und im Prinzip das Synonym f\u00fcr \u201eBeruf\u201c. Gottes Ruf entspricht das menschliche Berufen-Sein. Meinen eigenen Weg w\u00e4hle ich nicht autonom, sondern folge ihm Gottes Ruf gehorchend. Dies mag uns nun im Widerspruch zur \u201eFreiheit im Beruf\u201c stehen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber, dass hier wohl anders von Freiheit zu sprechen und zu denken ist. Ich werde frei, weil mein Gottvertrauen w\u00e4chst, wenn ich Gottes Ruf tats\u00e4chlich folge und ihm nicht einfach ausweiche wie der Petrus, der nach dem Weg eines anderen fragt. Die Freiheit, die bei diesem Gehorsam, bei diesem Folgen w\u00e4chst, ist dann nicht notwendigerweise eine eigene Handlungs- oder Gestaltungsfreiheit, sondern eine Freiheit, die mich mehr glauben l\u00e4sst, dass ich in Gottes Hand geborgen bin, egal, was ich tue, und egal auch, was mir widerf\u00e4hrt. Es ist die Freiheit, die sich beobachten l\u00e4sst an den M\u00e4rtyrern der Kirche, jenen, die litten und doch frei bekannten.<\/p>\n<p>Und es ist die Freiheit, die eben \u00fcberall und in jeder Aufgabe, in jeder Lebenssituation m\u00f6glich ist. Noch einmal Luther: <strong>Daher kommt\u2019s, dass eine fromme [rechtschaffene] Magd, wenn sie nach ihrem Befehl [Auftrag] hingeht und nach ihrem [Beruf] den Hof kehrt oder Mist hinaus bringt, oder ein Knecht, der in gleicher Meinung [Einstellung] pfl\u00fcgt und [den Pferdewagen] f\u00e4hrt, auf der richtigen Stra\u00dfe stracks auf den Himmel zu gehen [im Einklang mit Gott leben], w\u00e4hrend ein anderer, der nach Santiago wallfahrtet oder zu Kirche geht, aber sein Amt und Werk liegen l\u00e4sst, stracks zur H\u00f6lle geht [in die Gottesferne ger\u00e4t]. <\/strong><\/p>\n<p>Es ist daher auch eine Freiheit, die nichts Besonderes n\u00f6tig hat, keine besondere gesellschaftliche Position, keine besondere Machtf\u00fclle, keine besondere religi\u00f6se Praxis oder moralische Haltung. Es ist eine allt\u00e4gliche M\u00f6glichkeit als \u201eGottesdienst im Alltag der Welt\u201c \u2013 und zwar f\u00fcr jeden und jede, Unternehmenslenker und Arbeitsloser, Bundeskanzlerin und Gef\u00e4ngnisinsasse, Fu\u00dfballstar und Kreisklassenkicker.<\/p>\n<p>Wie aber sieht dieser Ruf aus, den wir als unseren Gottesdienst im Alltag in Gehorsam folgen m\u00f6gen? Hierzu schreibt Luther: <strong>Da kannst du sprechen: Wie aber, wenn ich nicht berufen bin, was soll ich denn tun? \u2013 Antwort: [3.1] Wie ist das m\u00f6glich, dass du nicht berufen seist? Du wirst jedenfalls in einem Stand [Lebensstand] sein; du bist jedenfalls ein Ehemann oder Ehefrau oder Kind oder Tochter oder Knecht oder Magd. Nimm f\u00fcr dich zum Beispiel den \u00fcberaus geringen Stand vor, du bist ein Ehemann. Meinst du, du h\u00e4ttest nicht genug in diesem Stand zu tun? Du hast doch zu sorgen f\u00fcr dein Weib, Kinder, Gesinde und G\u00fcter, so dass alles geschehe im Gehorsam Gottes und du niemandem Unrecht tust?<\/strong><\/p>\n<p>Der Ruf Gottes ist also kein wundersames Widerfahrnis, sondern berufen sind wir in den Strukturen und Beziehungen, in denen wir uns vorfinden, in denen wir in Verantwortung stehen \u2013 tats\u00e4chlich in dem Sinne, dass wir uns antwortend schlicht und ergreifend zu verhalten haben. Egal, ob in unseren Familien, in unserer Arbeit, in unserer Nachbarschaft \u2013 \u00fcberall kommt es darauf an, in den Blick zu bekommen, was von uns gefragt und gefordert ist.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich nun all die Strukturen und Beziehungen vor Augen f\u00fchren, in denen Sie gefordert sind, und wahrnehmen, wie reichlich diese Anforderungen sind, wenn Sie dann vielleicht sogar innerlich die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlagen, weil es doch so viel zu tun gibt, dann h\u00f6ren Sie noch einmal Luther:<\/p>\n<p><strong>Sieh an, wie nun niemand ohne Befehl und Beruf ist, so ist auch niemand ohne Werk [Aufgabe], wenn er recht handeln will. Es hat nun jeder darauf zu achten, dass er in seinem Stande bleibe, auf sich selbst sehe, seinen Befehl [Auftrag] wahrnehme und darin Gott diene und sein Gebot halte, dann wird er so viel zu tun erhalten, dass ihm stets die Zeit zu kurz, der Raum zu eng, die Kr\u00e4fte zu wenig sein werden.<\/strong><\/p>\n<p>Gott sorgt zweifellos f\u00fcr Vollbesch\u00e4ftigung unter uns, wenn man Gottes Ruf recht zu h\u00f6ren versteht. Aber nicht jeder hat alles zu tun. Gottes Ruf ist konkret. Niemand von uns hat den Auftrag, die Welt von ihrem Leid zu erl\u00f6sen. Das w\u00e4re \u2013 mit Blick auf Christus \u2013 auch blasphemisch. Aber jede und jeder von uns wei\u00df von der konkreten Not eines oder einer anderen, die zu lindern m\u00f6glich w\u00e4re, von konkreten Aufgaben, die man selbst zu erledigen hat, weil man daf\u00fcr einfach zust\u00e4ndig ist. In dieser \u201eFreiheit im Beruf\u201c gilt es zu handeln.<\/p>\n<p>Diese Freiheit ist und bleibt jedoch eine geschenkte, das hei\u00dft, eine uns nicht verf\u00fcgbare. Das wissen sie alle, die in diesem Gottesdienst schon von sich Geh\u00f6r gemacht haben. Sei es Petrus, der verlogene J\u00fcnger, sei es Zach\u00e4us, der diebische Z\u00f6llner, sei es Paulus, der Christenverfolger, der ja schreibt: \u201eIch danke unserem Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und f\u00fcr treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich fr\u00fcher ein L\u00e4sterer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren\u2026\u201c<\/p>\n<p>Das wissen wir, die wir uns sonnt\u00e4glich versammeln, um uns von neuem zur\u00fcsten und beschenken zu lassen, wie wir es gesungen haben: \u201eSprich du das Wort, das tr\u00f6stet und befreit und das mich f\u00fchrt in deinen gro\u00dfen Frieden.\u201c<\/p>\n<p>So m\u00f6gen wir auch heute uns zur\u00fcsten und beschenken lassen, m\u00f6gen schmecken und sehen, wie freundlich unser HERR ist, m\u00f6gen mit dem Segen Gottes aus diesem Haus ziehen, um unserem Beruf in Gehorsam und aller Freiheit der Kinder Gottes nachzugehen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>(gehalten in der Gnadenkirche Dachau am 2.7.17 im Rahmen der Sommerpredigtreihe &#8222;Freiheit&#8220;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte Gemeinde, \u201eFreiheit im Beruf\u201c \u2013 wer w\u00fcnscht sich das nicht? 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