{"id":295,"date":"2017-03-29T20:08:34","date_gmt":"2017-03-29T19:08:34","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=295"},"modified":"2017-03-29T20:11:03","modified_gmt":"2017-03-29T19:11:03","slug":"295","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=295","title":{"rendered":"Der \u00d6konom Gottes"},"content":{"rendered":"<p><em>Andacht zu <a href=\"https:\/\/www.die-bibel.de\/bibeln\/online-bibeln\/lutherbibel-2017\/bibeltext\/bibelstelle\/2.Korinther%209\">2.Korinther 9,6-11<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Liebe AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>\u201eDie Knappheit der G\u00fcter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestm\u00f6gliche Versorgung mit G\u00fctern zu gew\u00e4hrleisten. Je knapper ein Gut ist, desto h\u00f6her ist sein Preis.\u201c<\/p>\n<p>Was man so im Wirtschaftsduden unter dem Begriff \u201eKnappheit\u201c nachlesen kann, wird wohl in jeder VWL- oder BWL-Einf\u00fchrungs-Vorlesung so oder so \u00e4hnlich gelehrt. Es ist quasi ein ehernes Gesetz der \u00d6konomie. Weil die G\u00fcter knapp sind, darum wirtschaften, ja man k\u00f6nnte sogar sagen, machen die Menschen \u00fcberhaupt irgendetwas.<\/p>\n<p>Nur im Schlaraffenland, wenn \u00fcberhaupt, k\u00f6nnte man den ganzen Tag faul herumliegen \u2013 wobei bei diesem Verhalten nach einiger Zeit die eigene Gesundheit und damit auch das eigene Leben zum knappen Gut werden w\u00fcrde.<!--more--><\/p>\n<p>Im Angesicht des eigenen Todes, der jede und jeden von uns einmal ereilt, bleiben nun einmal f\u00fcr jeden von uns alle weltlichen G\u00fcter knapp, weil zeitlich begrenzt. Eine \u00d6konomie, die die Knappheit als ehernes Gesetz anerkennt, ist damit vor dem Hintergrund unserer Sterblichkeit eine realistische Wissenschaft.<\/p>\n<p>Umso mehr erstaunt da, dass der Apostel Paulus den Korinthern gegen\u00fcber ganz anders, ja gegenteilig argumentiert. Er will sie bewegen, zu geben, zu spenden. Der Apostel hat eine Mission, nein, er hat einen Auftrag: die neu gegr\u00fcndeten christlichen Gemeinden, deren Glieder bekehrte Heiden sind, m\u00f6gen die Urgemeinde in Jerusalem, deren Glieder Judenchristen sind, finanziell unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Es war wohl eine Art Deal, die dahinter stand: Paulus sollte mit seinem Team weiterhin unter den Heiden missionieren d\u00fcrfen; daf\u00fcr sollte er sich mit den neuen Gemeinden der Armen in der Jerusalemer Urgemeinde annehmen.<\/p>\n<p>W\u00e4re das nicht ein Lehrbeispiel gewesen, das Argument der Knappheit als \u00f6konomischen Handlungsgrund anzuf\u00fchren \u2013 so nach dem Motto: \u201eSchaut her, ich bringe euch die Heilsbotschaft, die unter euch knapp ist; daf\u00fcr will ich euer Geld f\u00fcr die Armen in Jerusalem?\u201c<\/p>\n<p>Paulus schreibt aber folgendes zu den Korinthern: \u201e<em>Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Gen\u00fcge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk;\u2026 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im ganzen Abschnitt wird nur ein einziges Mal von Knappheit gesprochen, ganz am Anfang, wo es hei\u00dft: <em>\u201cIch meine aber dies: Wer da k\u00e4rglich s\u00e4t, der wird auch k\u00e4rglich ernten\u201c <\/em>\u2013 was ja nun jeder Bauer wei\u00df \u2013 und dann geht es nur um Reichtum, um volle Gen\u00fcge, um Reich sein, ja um F\u00fclle in H\u00fclle und F\u00fclle.<\/p>\n<p>Ist das nun ein alternativer \u00f6konomischer Ansatz, den Paulus hier beschw\u00f6rt? Vielleicht hilft es uns, dem W\u00f6rtchen nachzugehen, das Paulus hier verwendet, um die F\u00fclle zu beschreiben. Es taucht n\u00e4mlich auch in anderen biblischen Kontexten auf \u2013 rund neunzigmal.<\/p>\n<p>Zum Beispiel in der Geschichte der Speisung der 5000. Da wird es auf die Brotreste verwendet, die \u00fcbrig bleiben, nachdem alle satt geworden sind.<\/p>\n<p>\u201e<em>Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Gen\u00fcge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gott kann das: so reich beschenken, dass man voll genug hat und noch reich genug bleibt, um damit etwas Gutes anzufangen.<\/p>\n<p>Gott kann das, weil Gott selbst \u00fcberreich ist an allem, wie Paulus nicht m\u00fcde wird zu beschreiben, immer wieder dieses W\u00f6rtchen verwendend: Gott ist \u00fcberreich an Wahrheit, am Gnade, an Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Und in Folge dessen, dass Gott all dies nicht f\u00fcr sich beh\u00e4lt \u2013 wie Paulus ja den 112.Psalm zitiert: <em>\u201eEr hat ausgestreut und den Armen gegeben;\u201c <\/em>\u2013 den Armen, n\u00e4mlich uns, die nur Knappheit kennen, weil unsere Tage knapp sind \u2013 weil Gott all dies nicht f\u00fcr sich beh\u00e4lt, sondern uns Armen austeilt, sind auch wir \u00fcberreich: an Trost, an Freude, an Liebe, an Ruhm. So argumentiert Paulus, der \u00d6konom Gottes.<\/p>\n<p>Und wo wird diese F\u00fclle, die Paulus behauptet, ansichtig? Im eigenen Geldbeutel, in der Anzahl der eigenen, wohl geratenen Kinder, in den Titeln, die einer tr\u00e4gt? Nun ja.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir noch einmal Paulus, diesmal ein Kapitel vorher: <em>\u201eIhr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Um euretwillen ist er arm geworden, obwohl er reich war, um euch durch seine Armut reich zu machen.\u201c<\/em> Wer Gottes F\u00fclle erkennen will, kann sie wahrnehmen in der Hingabe seines Sohnes. Dort, in der Armut, die er annimmt, weil sie nicht seine, sondern unsere ist, wird der Reichtum deutlich, den er uns schenkt. Sein Reichtum, der uns zugutekommt.<\/p>\n<p>In der \u00d6konomie Gottes, das ist f\u00fcr uns Knappheitsdenker so schwer zu begreifen, ist also bereits alles getan, dass unsere Armut schon in F\u00fclle verwandelt ist. Es ist schwer zu begreifen, aber es ist m\u00f6glich, aus dieser F\u00fclle zu leben. Das sagt Paulus. Das d\u00fcrfen wir glauben.<\/p>\n<p>Und damit Gott danken und loben, der eben \u201e<em>machen kann, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Gen\u00fcge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk.\u201c<\/em> Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht zu 2.Korinther 9,6-11 Liebe AEU-Gemeinde, \u201eDie Knappheit der G\u00fcter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestm\u00f6gliche Versorgung mit G\u00fctern zu gew\u00e4hrleisten. 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