{"id":288,"date":"2016-12-27T17:52:50","date_gmt":"2016-12-27T16:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=288"},"modified":"2016-12-27T17:55:49","modified_gmt":"2016-12-27T16:55:49","slug":"was-dir-anvertraut-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=288","title":{"rendered":"Was Dir anvertraut ist"},"content":{"rendered":"<p><em>Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du wei\u00dft ja, von wem du gelernt hast<\/em> <em>und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (<\/em><em>2.Timotheus 3,14f.)<\/em><\/p>\n<p>Liebe AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>wenn ich dieses Jahr im AEU vor dem Hintergrund dieser Worte aus dem 2.Brief des Paulus an seinen Sch\u00fcler Timotheus Revue passieren lasse, dann f\u00e4llt mir so manches Gespr\u00e4ch ein, das ich mit Mitgliedern unseres Arbeitskreises gef\u00fchrt habe. So manches Gespr\u00e4ch, in dem mir Mitglieder erz\u00e4hlt haben, was ihnen <em>anvertraut ist und von wem sie es gelernt haben. <\/em>Die Eltern, die Gro\u00dfeltern, der Tauf- oder Jugendpfarrer. Irgendwo in der eigenen Biographie finden sich f\u00fcr den eigenen Glauben pr\u00e4gende Gestalten.<\/p>\n<p>Kein Wunder, denn Glaube lebt schon immer vom Zeugnis, er wird vom Zeugnis anderer geweckt. Das m\u00f6gen einpr\u00e4gsame S\u00e4tze oder eine best\u00e4ndige Haltung sein, die einem ganz nahe bringen, was es hei\u00dft, ein Christ, eine Christin zu sein, diesen Namen zu tragen, der auf den verweist, auf den wir hoffen im Leben wie im Sterben.<!--more--><\/p>\n<p>Das erlebe ich auch zunehmend als den besonderen Schatz, den wir hier im Miteinander im AEU haben: dass wir uns untereinander austauschen, einander Zeugnis geben k\u00f6nnen, wie es uns geht als Christinnen und Christen in der Welt, gerade auch in der Welt der Wirtschaft. Es ist nun einmal eindr\u00fccklich, wenn ein Unternehmer von seinen Anfechtungen zu erz\u00e4hlen beginnt, von Situationen, in denen er Zuflucht suchte im Gebet, von Erfahrungen, die er r\u00fcckblickend nur als Segen begreifen kann. Da wird das, was wir Glauben nennen, Fleisch und Blut, ganz greifbar, ganz nahe.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist dieses Zeugnis, weil es menschliches Zeugnis ist, immer auch gebrochen. Nat\u00fcrlich erkennt man mit zunehmendem Alter auch an der Gro\u00dfmutter, welche Vorbild im Glauben war, menschliche Schattenseiten. Nat\u00fcrlich ist auch der bewunderte Pfarrer nicht immer der ideale Seelsorger. Nat\u00fcrlich macht auch ein christlicher Unternehmer, so bewegend und wahrhaftig sein Zeugnis ist, auch allzu menschliche Fehler. In diesem Zeugnis sein geht es ja auch gar nicht um moralische Vollkommenheit, um die ideale Verk\u00f6rperung irgendwelcher christlicher Werte, denen wir dann als Bewunderer nachzueifern h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Zeuge sein, das wird ja auch in den Worten des Paulus an seinen Sch\u00fcler Timotheus deutlich, hei\u00dft ja nicht, auf sich selbst verweisen als die Idealbesetzung in der Rolle einer christlichen Existenz. Zeuge sein hei\u00dft auf den verweisen, auf den wir alle hoffen d\u00fcrfen und um Gottes willen auch hoffen m\u00f6gen als den, der zu uns kommt, um uns von unserem Irrglauben an uns selbst zu erretten. Denn als solche sind wir in der Welt unterwegs \u2013 als die, die dieser Rettung bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie gerne Sie sich genau an dies erinnern lassen. Ich f\u00fcr meinen Teil vergesse das gerne. Lieber retten als gerettet werden. Umso mehr bewegen mich Menschen, die von den Momenten zu erz\u00e4hlen wissen, in denen Sie mit ihrem Latein am Ende waren. Und wenn ich so Revue passieren lasse, welche Abende hier in dieser Runde mir am bewegendsten in Erinnerung geblieben sind, dann doch die, wo Menschen von solchen Momenten zu erz\u00e4hlen wussten, von ihren Anfechtungen, von ihrer Not, von ihren Zweifeln, von den Momenten, in denen sie sich nicht selbst zu retten wussten, sondern der Rettung bedurften.<\/p>\n<p><em>Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist\u2026<\/em><\/p>\n<p>Ich h\u00f6re diese Worte des Paulus an seinen Sch\u00fcler Timotheus so, dass dieses Lernen, von dem er da spricht, kein Pauken irgendwelcher christlicher Formeln oder sinnentleertes Rezitieren biblischer Verse ist. Es ist vielmehr ein Ein\u00fcben in eine christliche Existenz, indem wir in unserem Alltag die Tragf\u00e4higkeit dessen erproben, was uns im H\u00f6ren auf die Schrift, im Gebet und im geschwisterlichen Austausch immer wieder anvertraut wird. So machen wir es ja hier miteinander: wir tauschen uns geschwisterlich aus, wir h\u00f6ren auf die Schrift und wir beten miteinander \u2013 und nehmen hoffentlich davon einiges mit in den eigenen Alltag.<\/p>\n<p>So wird das, was uns anvertraut ist, immer ein bisschen mehr \u2013 und es mag sein, dass Einsichten, die uns vor drei Jahren getragen haben, heute einer Revision bed\u00fcrfen, weil sie im Licht unseres Alltags, im Licht eines Wortes aus der Schrift, das uns nicht losl\u00e4sst, im Licht einer Begegnung, die uns ins Nachdenken gebracht hat, neu zu bewerten w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Umso mehr freue ich mich auf das kommende Jahr, wenn wir Personen zu uns einladen, die uns aus ihrer Warte berichten, was es hei\u00dft, in ihrem jeweiligen Aufgabenfeld berufen zu sein. Wir folgen damit den Spuren von Martin Luther, der, so viel m\u00f6chte ich heute dazu schon sagen, das Berufen-sein sehr konkret gedacht hat, n\u00e4mlich von dem sehr konkreten Verantwortungskontext, in den jemand gestellt ist und dessen Herausforderungen er sich beileibe nicht ausgesucht hat, die ihn aber umso mehr fordern. In solchen Verantwortungskontexten steht die Tragf\u00e4higkeit dessen zur Probe, was uns anvertraut ist. Man k\u00f6nnte es auch schlichter sagen: Hier steht unser Glaube auf der Probe, unser Gottvertrauen.<\/p>\n<p>Daher lohnt es sich auch f\u00fcr uns, diese Worte des Paulus in unser kommendes Jahr mitzunehmen und zu bedenken, was sie f\u00fcr uns, in dem je eigenen Verantwortungskontext, in dem sich jede und jeder sehr konkret bewegt, bedeuten k\u00f6nnten: <em>Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du wei\u00dft ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.<\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du wei\u00dft ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. (2.Timotheus 3,14f.) 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