{"id":282,"date":"2016-08-18T17:38:03","date_gmt":"2016-08-18T16:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=282"},"modified":"2016-08-18T19:26:04","modified_gmt":"2016-08-18T18:26:04","slug":"ueber-anfechtung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=282","title":{"rendered":"\u00dcber Anfechtung"},"content":{"rendered":"<p>Geliebte Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>\u201eGlaube, Freiheit, Verantwortung \u2013 Umbruch und Perspektiven\u201c \u2013 unter diesem Motto sa\u00dfen wir gestern und heute beieinander. F\u00fcnf gro\u00dfe Worte, f\u00fcnf Worte, aus denen man ganze Bibliotheken zusammenstellen k\u00f6nnte. Was wurde nicht schon zu diesen Worten gedacht, geschrieben, gepredigt? Ganze Welten sind das, die sich hier auftun. Und dann kamen gestern gleich noch mehr gro\u00dfe Worte dazu: Frieden, Sicherheit, Wohlstand, Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Demographie. So viele gro\u00dfe Worte. Und jedes dieser Worte beschreibt Aufgabenb\u00fcndel, die von ganzen Heerscharen bearbeitet werden oder zu bearbeiten w\u00e4ren. Heerscharen, die dem AEU nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Und doch sind sie da, diese gro\u00dfen, Ehrfurcht gebietenden Worte.<!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht.\u201c <\/em>Dieses Wort nun haben wir gestern auch vernommen, ein Wort, das Martin Luther in der von uns gelesenen Schrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c zitiert. Ich erinnere mich, dass es um dieses Wort eine etwas ausf\u00fchrlichere Diskussion gab. Denn Luthers Deutung erschien in seiner Rigorosit\u00e4t zu scharf, zu pointiert, zu over the top. \u201eSo m\u00fcssen wir nun gewi\u00df sein, dass die Seele kann alle Dinge entbehren au\u00dfer dem Wort Gottes.\u201c So schreibt er\u2019s einfach mal, dieser Luther.<\/p>\n<p>Blickt man in den Kontext dieses Wortes, welcher das Evangelium des vergangenen Sonntags und damit der heute zu Ende gehenden Woche ist, so wird vielleicht deutlicher, dass diese Rigorosit\u00e4t der Worte Luthers durchaus nachvollziehbar ist. Denn der Kontext beschreibt eine Entscheidungssituation in einer bestimmten Geschichte. Jesus wird zu einer Entscheidung provoziert. Macht er\u2019s oder l\u00e4sst er\u2019s.<\/p>\n<p><em>\u201eBist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach vierzig Tagen und vierzig N\u00e4chten Dauerfasten ein durchaus verlockender Vorschlag. Zwei Fliegen k\u00f6nnte man da mit einer Klappe schlagen. Satt werden und sich zugleich als Sohn Gottes erweisen. Allein, er tut\u2019s nicht. <em>\u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Warum eigentlich? fragt man sich da. Und wird vielleicht etwas schlauer, wenn man noch einen kleinen Schritt weiter geht. Denn auch Jesus zitiert hier, und zwar aus dem 5.Buch Mose.<\/p>\n<p>Und da lautet der Kontext wie folgt: <em>\u201eUnd gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott geleitet hat diese vierzig Jahre in der W\u00fcste, auf dass er dich dem\u00fctigte und versuchte, damit kundw\u00fcrde, was in deinem Herzen w\u00e4re, ob du seine Gebote halten w\u00fcrdest oder nicht. <\/em><\/p>\n<p><em>Er dem\u00fctigte dich und lie\u00df dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine V\u00e4ter nie gekannt hatten, auf das er dir kundt\u00e4te, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>An eine \u00dcbung wird hier erinnert. Gott \u00fcbt mit Israel gewiss sein. Bleiben sie gewiss im Glauben, dass Gottes Wort zum Ziel kommt mit ihnen \u2013 oder nicht? Immerhin sind sie aus \u00c4gypten ausgezogen, weil Gott ihnen kundtat, dass er sie ins Gelobte Land f\u00fchren w\u00fcrde. K\u00f6nnen sie dieser Zusage noch glauben nach dem Umbruch des Aufbruchs und in der Perspektivlosigkeit der W\u00fcste?<\/p>\n<p>Und ist Jesus gewiss im Glauben, dass in der W\u00fcste gilt, was ihm vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte vorher vom Himmel als Gottes Wort zugesprochen ward? <em>\u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.\u201c<\/em> Gilt Gottes Wohlgefallen auch jetzt?<\/p>\n<p>\u201eSo m\u00fcssen wir nun gewi\u00df sein, dass die Seele kann alle Dinge entbehren au\u00dfer dem Wort Gottes.\u201c Die Geschichten der Heiligen Schrift erinnern uns daran, dass diese Gewissheit durchaus der Ein\u00fcbung bedarf. Wohlgemerkt, f\u00fcr diese Ein\u00fcbung brauchen wir selbst nicht zu sorgen. Es war Gottes Geist, der Jesus in die W\u00fcste f\u00fchrte. Es war Gott selbst, der das Volk in der W\u00fcste hungern lie\u00df.<\/p>\n<p>Luther sprach, was das anging, von Anfechtung. Ich vermute, Sie haben eine Vorstellung davon, was dies hei\u00dft. Und ich hoffe, dazu z\u00e4hlt, das eigene Angefochtensein als Ein\u00fcbung in die Gewissheit zu begreifen, in der allein unsere Seele wahrhaft zuhause bei Gott ist.<\/p>\n<p>In der Anfechtung wird uns vor Augen gef\u00fchrt, wie verloren unsere Seele w\u00e4re, m\u00fcssten wir uns leibhaftig auf uns verlassen in der W\u00fcstenei unserer Existenz. Das brauchen wir nicht. Denn Gott hat uns immer schon sein Wort mitgegeben \u2013 und dieses Wort erf\u00fcllt sich. Das Volk wird gespeist und erreicht das Gelobte Land. Zu Jesus treten Engel und dienen ihm. Gut ist es also, wenn wir in der Anfechtung des Wortes Gottes eingedenk bleiben.<\/p>\n<p>Und gut ist es, wenn wir auf diese Weise \u00fcber unsere Anfechtung auskunftsf\u00e4hig werden. Wie attraktiv das ist, wenn Christen in der Wirtschaft \u00fcber ihre Anfechtung auskunftsf\u00e4hig sind, das haben wir vorhin geh\u00f6rt. Man kann sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Gott durch unsere Anfechtungen seine Kirche erbaut. Ich denke, Martin Luther w\u00fcrde hier nicht widersprechen.<\/p>\n<p>Gott erbaut so seine Kirche, damit wir uns nicht verlieren in den gro\u00dfen Worten unserer Weltzeit. Sie m\u00f6gen Umbr\u00fcche und Perspektiven, Ergebnisse beschreiben.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen Herausforderung sein. Sie k\u00f6nnen zur Anfechtung werden. Sie k\u00f6nnen aber allesamt nicht das, was das Wort Gottes kann. Gottes Wort allein erf\u00fcllt sich gewiss. Es bereitet eine neue Welt und gibt ihr die rechte Ordnung, in der wir Menschen miteinander gut leben k\u00f6nnen \u2013 vom Anfang aller Zeiten bis jenseits des Todes, \u00fcber den hinaus wir nicht sehen, sondern nur glauben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gottes Wort, so k\u00f6nnte man es auch sagen, ist das innovative Wort schlechthin. M\u00f6gen wir uns dessen gewiss sein \u2013 zu allen Zeit und an allen Orten, wohin wir von hier auch gehen. Amen.<\/p>\n<p>(Abschlussandacht auf der AEU R\u00fcstzeit 2016)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebte Schwestern und Br\u00fcder, \u201eGlaube, Freiheit, Verantwortung \u2013 Umbruch und Perspektiven\u201c \u2013 unter diesem Motto sa\u00dfen wir gestern und heute beieinander. F\u00fcnf gro\u00dfe Worte, f\u00fcnf Worte, aus denen man ganze Bibliotheken zusammenstellen k\u00f6nnte. Was wurde nicht schon zu diesen Worten gedacht, geschrieben, gepredigt? Ganze Welten sind das, die sich hier auftun. 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