{"id":28,"date":"2013-03-03T20:39:15","date_gmt":"2013-03-03T20:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=28"},"modified":"2013-03-03T20:43:15","modified_gmt":"2013-03-03T20:43:15","slug":"28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=28","title":{"rendered":"Nachhaltiges Lob"},"content":{"rendered":"<p><b>Psalm 8<\/b><\/p>\n<p><i>HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!<\/i><\/p>\n<p><i>Aus dem Munde der jungen Kinder und S\u00e4uglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen.<\/i><\/p>\n<p><i>Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?<\/i><\/p>\n<p><i>Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekr\u00f6nt.<\/i><\/p>\n<p><i>Du hast ihn zum Herrn gemacht \u00fcber deiner H\u00e4nde Werk, alles hast du unter seine F\u00fc\u00dfe getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die V\u00f6gel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.<\/i><\/p>\n<p><i>HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe AEU-Mitglieder, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>\u201eAm Anfang waren Himmel und Erde. Den ganzen Rest haben wir gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bleibt da ein Pfarrer stehen, wenn auf einem Plakat solch ein Spruch prangt. Immerhin zitiert ja die Kampagne der Handwerkskammer den Anfang des Buches der B\u00fccher und den Anfang der Sch\u00f6pfung der Welt, wie es dieses Buch erz\u00e4hlt \u2013 nat\u00fcrlich mit einer etwas eigenwilligen Interpretation und auch Zitierweise. Denn am Anfang waren nicht einfach Himmel und Erde, sondern da hei\u00dft es: <i>Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.<\/i> Ross und Reiter werden beim Namen genannt.<!--more--><\/p>\n<p>Das macht schon einen gewaltigen Unterschied, der auch in den Nachhaltigkeitsdebatten, die wir so f\u00fchren, eine Rolle spielt: Ob wir von \u201eder Natur\u201c sprechen oder \u201eder Sch\u00f6pfung\u201c, ob wir uns hineingeworfen erleben in \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge, die wir beeinflussen und doch nicht wirklich begreifen, oder ob wir einen Sch\u00f6pferwillen hinter allem sehen und suchen, nicht nur \u201eganz am Anfang, wo Himmel und Erde waren\u201c, sondern auch im Hier und Jetzt, in unserem Leben \u2013 und ob wir dann auch nach diesem Sch\u00f6pferwillen fragen in allem, was wir tun.<\/p>\n<p>Diese mangelnde Unterscheidung, die daraus resultiert, das sich aus Versatzst\u00fccken der\u00a0 biblischen Tradition bedient wird, ohne dabei den beim Namen zu nennen, um den es in dieser Tradition geht, die birgt nicht nur eine bedenkliche inhaltliche Schieflage im Verh\u00e4ltnis zu den Gesch\u00f6pfen um uns.<\/p>\n<p>Sie birgt auch eine fragw\u00fcrdige Schieflage in unserem Verh\u00e4ltnis zu uns als Menschen. Auch das wurde mir deutlich durch einen weiteren Kampagnenspruch der Handwerkskammer, der da hei\u00dft:<\/p>\n<p>\u201eWir setzen auf nachwachsende Ressourcen: Azubis.\u201c<\/p>\n<p>Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, von Mitarbeitern als menschliche Ressourcen zu sprechen. Und wir nehmen es als selbstverst\u00e4ndlich hin, dass diese nachwachsen, um die anfallende Arbeit zu erledigen. Nat\u00fcrlich sagen wir das oft netter und w\u00fcrdevoller.\u00a0 Aber \u2013 und da strahlt der Kampagnenspruch in seiner Knappheit auch eine aufrichtige Ehrlichkeit aus \u2013 am Ende ist es dann doch so gemeint.<\/p>\n<p>Um eine andere Rede und damit auch eine andere Wahrnehmung vom Menschen im Unternehmen einzuf\u00fchren, behilft sich die Unternehmerdenkschrift der Evangelischen Kirche mit der kantschen Unterscheidung von W\u00fcrde und Wert. Menschen seien nicht reines Mittel zum Zweck, sondern als Gesch\u00f6pfe Gottes \u201eZweck an sich\u201c. Diese Unterscheidung zwischen W\u00fcrde und Wert \u2013 man k\u00f6nnte sie auch als Unterscheidung zwischen Person und Funktion bezeichnen \u2013 beschreibt ein Spannungsverh\u00e4ltnis, das jeder, der arbeitet, kennt.<\/p>\n<p>Aber ist damit schon eingefangen, was der Beter des achten Psalms \u00fcber den Menschen zum Ausdruck bringt?<\/p>\n<p>Was zun\u00e4chst ins Auge f\u00e4llt, ist, dass auch der achte Psalm die Sch\u00f6pfungsgeschichte zitiert, die Werke Gottes benennt und auch den Sch\u00f6pfungsauftrag, den der Mensch empfangen hat f\u00fcr die Lebewesen auf der Erde.<\/p>\n<p>Auf diesen Sch\u00f6pfungsauftrag fokussiert sich die kirchliche Nachhaltigkeitsdiskussion, die Frage, was es hei\u00dft, verantwortungsvoll <i>die Erde sich untertan zu machen und \u00fcber die Fische im Meer und \u00fcber die V\u00f6gel unter dem Himmel und \u00fcber das Vieh und \u00fcber alles Getier, das auf Erden kriecht, zu herrschen.<\/i><\/p>\n<p>Diese besondere Verantwortung und Gr\u00f6\u00dfe des Menschen ist auch immer wieder in der christlichen Tradition festgehalten. Jedoch wurde dabei nicht vergessen, was heute auch in den christlichen Nachhaltigkeitsdiskussionen unter den Tisch zu fallen droht: Dass diese Gr\u00f6\u00dfe des Menschen eine geschenkte, eine verliehene ist. Um nur einen zu zitieren, der dies so sch\u00f6n wie kaum ein anderer auszudr\u00fccken wusste, den griechischen Griechenvater Gregor von Nyssa:<\/p>\n<p>\u201eDie Schrift sagt: \u201eAchte auf dich selbst!\u201c&#8230;Achte darauf, wie hoch \u00fcber die \u00fcbrige Sch\u00f6pfung dich der Sch\u00f6pfer ehrte! Nicht der Himmel wurde ein Bild Gottes, nicht Mond und nicht Sonne, nicht die Pracht der Sterne oder sonst etwas in der Welt Sichtbares. Du allein wurdest zum Abbild des alle Vernunft \u00fcbersteigenden Wesens, Gleichnis der unverg\u00e4nglichen Sch\u00f6nheit, Nachgestaltung der wahrhaftigen Gottheit, Gef\u00e4\u00df des seligen Lebens, Auspr\u00e4gung des wahren Lichtes, auf das schauend du wirst, was jenes ist, dessen Einstrahlung in dich du durch Zur\u00fcckstrahlen aus deiner eigenen Reinheit nachahmst.\u201c<\/p>\n<p>Die Nachhaltigkeit des menschlichen Auftrages liegt nicht in erster Linie darin, die Erde zu erhalten, sondern in seinem Reden und Tun Gottes sch\u00f6pferisches Tun zu reflektieren. Jeder Mensch ist berufen, ein Spiegel g\u00f6ttlichen Wirkens zu sein. Jeder Mensch, auch der Azubi an seinem Arbeitsplatz, der eben so viel mehr ist als eine nachwachsende Ressource. Haben wir das im Blick?<\/p>\n<p>Und haben wir im Blick, dass diese Art Nachhaltigkeit, die im Sch\u00f6pfungsauftrag des Menschen liegt, viel mehr ist als das, was wir von uns und anderen abverlangen, wenn wir M\u00fcll trennen und aufs Autofahren verzichten \u2013 und zugleich viel weniger?<\/p>\n<p>Es ist mehr, da es uns einordnet in eine viel gr\u00f6\u00dfere Geschichte, dessen Alpha und Omega, dessen A und O nicht wir sind. Nicht wir haben den Anfang gesetzt und wir werden auch nicht das Ende setzen.<\/p>\n<p>Und es ist deswegen auch viel weniger, weil es uns die Last von der Schulter nimmt, f\u00fcr das gro\u00dfe Ganze verantwortlich zu sein. Wir k\u00f6nnen das nicht.<\/p>\n<p><i>Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?<\/i><\/p>\n<p>Der Beter des achten Psalms wei\u00df um diese Art der Nachhaltigkeit, die zugleich mehr und weniger ist als wir gemeinhin als nachhaltig praktizieren.<\/p>\n<p>Er wei\u00df auch um die erstaunliche Nachhaltigkeit, mit der sich Gott dem Menschen zuwendet, jedem Menschen. Und er wei\u00df auch die rechte Antwort auf dieses nachhaltige Handeln Gottes. Sein Psalm ist ein einziger Lobpreis: <i>HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!<\/i><\/p>\n<p>So beginnt und endet der achte Psalm, als ob er uns sagen will: Das A und O menschlichen Tuns und damit das Nachhaltigste, was wir auf Erden tun k\u00f6nnen, ist, Gott zu loben.\u00a0 Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psalm 8 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und S\u00e4uglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen. 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