{"id":266,"date":"2016-03-08T12:33:23","date_gmt":"2016-03-08T11:33:23","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=266"},"modified":"2016-03-08T12:33:56","modified_gmt":"2016-03-08T11:33:56","slug":"die-eltern-ehren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=266","title":{"rendered":"Die Eltern ehren"},"content":{"rendered":"<p><em>Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.<br \/>\n2.Mose 20,12<\/em><\/p>\n<p>Geliebte AEU-Mitglieder, geliebte G\u00e4ste,<\/p>\n<p>das 4.Gebot, das wir soeben h\u00f6rten und das heute die alttestamentliche Losung ist, sticht aus drei Gr\u00fcnden aus dem Dekalog hervor. Es ist zum einen das einzige der Zehn Gebote, das mit einer Verhei\u00dfung verbunden ist. Denn vollst\u00e4ndig lautet dieses Gebot: <em>Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir\u2019s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.<\/em><\/p>\n<p>Zum zweiten befindet es sich an der Nahtstelle zwischen der ersten und der zweiten Tafel der Gebote \u2013 der ersten Tafel, in der es um die Gottesliebe geht, der zweiten Tafel, in der es um die N\u00e4chstenliebe geht.<\/p>\n<p>Zum dritten ist das 4.Gebot jenes der Zehn Gebote, dessen Zuspruch und Anspruch sich am meisten wandelt \u00fcber einen gesamten Lebenslauf. <!--more-->Es bedeutet einem Kinde etwas anderes als einem fl\u00fcgge gewordenen jungen Menschen; es klingt anders in den Ohren einer jungen Familienmutter oder eines jungen Familienvaters, die sich zum ersten Mal zugleich als Subjekt und Objekt dieses Gebotes erleben, als in den Ohren von gestandenen Frauen und M\u00e4nnern, die mit einem Mal in Umkehr der Verantwortung sich um ihre schw\u00e4chelnden, ja, pflegebed\u00fcrftigen Eltern zu k\u00fcmmern haben.<\/p>\n<p>Und weil das 4.Gebot auf bemerkenswerte Weise unseren Lebenslauf hier auf Erden \u00fcberspannt, darum ist es wohl mit dieser gro\u00dfen Verhei\u00dfung verkn\u00fcpft: <em>auf dass dir\u2019s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.<\/em><\/p>\n<p>Was aber k\u00f6nnte es mit dieser Verhei\u00dfung auf sich haben? Und wie h\u00e4ngen die drei Beobachtungen, die ich eingangs erw\u00e4hnte, miteinander zusammen?<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir auf die Auslegung Luthers im Kleinen Katechismus:<\/p>\n<p><em>Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf da\u00df dir&#8217;s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.<\/em><\/p>\n<p>Was ist das?<\/p>\n<p>Wir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, da\u00df wir unsere Eltern (und Herren) nicht verachten noch erz\u00fcrnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.<\/p>\n<p>Zuerst m\u00fcssen wir wissen: Luther leitet die Auslegung jedes Gebotes mit der Formel \u201eDu sollst Gott f\u00fcrchten und lieben\u201c ein. Jedes Gebot leitet sich vom Ersten ab, von der Gottesfurcht und der Gottesliebe. Aber welche innere Logik greift hier, wenn diese Ableitung erfolgt?<\/p>\n<p>Die Eltern, sie sind die ersten Menschen, deren Autorit\u00e4t wir als Kinder erleben. Es ist eine Autorit\u00e4t, die im guten Sinne unser Leben ordnet, uns \u00fcberhaupt ins Leben einf\u00fchrt, uns lebensf\u00e4hig macht.<\/p>\n<p>Sie sind auch die ersten, die uns nahe sind, deren Liebe, aber auch deren Laster wir zu sp\u00fcren bekommen, die so tief pr\u00e4gend sind, dass sie uns formen, unsere Sicht auf andere Menschen, auf die Welt in der wir leben, auf uns selbst.<\/p>\n<p>Ihre Autorit\u00e4t wirkt sich aus als Autorenschaft in unserem Leben, und das auch, wenn sie gar nicht da sind, nicht greifbar sind, nur Leerstelle bleiben. Das gilt oft, nicht immer, aber oft f\u00fcr die V\u00e4ter: V\u00e4ter, die im Krieg gefallen sind, die gegangen sind, die immer arbeiten waren.<\/p>\n<p>Durch ihre besondere und einmalige Macht pr\u00e4gen die Eltern daher auch unseren Blick auf den Vater im Himmel. Liebende Eltern erschlie\u00dfen uns die Liebe des Vaters im Himmel, gerechte Eltern seine Gerechtigkeit, z\u00fcrnende Eltern seinen Zorn. Sie tun dies jedoch in der Weise, in der es Menschen tun, mit ihren Gaben und Grenzen.<\/p>\n<p>Und so ist uns von Anfang unseres Lebens die Aufgabe gestellt, Gottesfurcht und Gottesliebe in Ableitung und Abgrenzung von dem entdecken zu lernen, was wir von unseren Eltern erfahren haben. Hier liegt die Schnittstelle, von der ich eingangs sprach, zu der 1.Tafel der Gebote. Das 4.Gebot hat eben Anteil an der Ein\u00fcbung der ersten drei Gebote, der Gebote zur Gottesfurcht und Gottesliebe.<\/p>\n<p>Es liegt aber auch ein besonderer Sinn darin, dass die 2.Tafel mit diesem Gebot eingeleitet wird, die Gebote der N\u00e4chstenliebe. Denn die Eltern sind unsere ersten N\u00e4chsten. An ihnen und mit ihnen lernen wir N\u00e4chstenliebe, d.h. die Liebe zu denen, die uns besonders nahe sind oder besonders nahe kommen, mit ihren guten wie mit ihren b\u00f6sen Seiten.<\/p>\n<p>Auch unsere Eltern sind wie alle Menschen nicht perfekt. Und daher fangen wir auch mit ihnen als unseren ersten N\u00e4chsten an, was es hei\u00dft, Menschen in ihrer Unvollkommenheit zu lieben. Vater und Mutter ehren hei\u00dft genau dies, beide in der uns so offensichtlichen Unvollkommenheit, mit ihren wunderbaren wie f\u00fcrchterlichen Seiten, als unsere ersten N\u00e4chsten lieben zu lernen. Und dieses Lieben lernen h\u00f6rt unser Leben lang nicht auf. Es ver\u00e4ndert sich, es gewinnt an neuen Facetten, es hat leichte und es hat schwere Zeiten.<\/p>\n<p>Und wenn wir uns darin ein\u00fcben und von den Worten dieses Gebotes anleiten lassen, dann liegt eine gro\u00dfe Verhei\u00dfung f\u00fcr unser Leben darauf. Eben, weil in die Beziehung unserer Eltern von Anbeginn das Beziehungsgeflecht eingewoben ist, in dem wir uns unser ganzes Leben hindurch bewegen \u2013 die Beziehung mit Gott und die Beziehungen mit den vielen Menschen, die eine Rolle spielen f\u00fcr uns und f\u00fcr die wir eine Rolle spielen und die uns darin nahe kommen.<\/p>\n<p>An dem Ehrenk\u00f6nnen der Eltern h\u00e4ngt es, ob und wie wir uns auch in diesem Beziehungsgeflecht bewegen \u2013 mit Ehrfurcht, Liebe und Respekt oder in innerem Widerstand, Ablehnung oder Selbst\u00fcberhebung.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Am Ehrenk\u00f6nnen der Eltern h\u00e4ngt, ob wir die Beziehungsf\u00e4higkeit, f\u00fcr die wir von Gott geschaffen sind, leben und erleben oder uns in Beziehungslosigkeit verlieren. Denn als Mann und Frau, als Zwei, als Beziehung ist der Mensch geschaffen. So lehrt es uns der Sch\u00f6pfungsbericht der Genesis. Das Wesen des Menschen, seine Gottebenbildlichkeit liegt in seiner Beziehungsf\u00e4higkeit. So sind es auch immer zwei, die einen Menschen ins Leben einf\u00fchren. M\u00f6gen wir diese beiden, die uns ins Leben eingef\u00fchrt haben, in Ehren halten.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. 2.Mose 20,12 Geliebte AEU-Mitglieder, geliebte G\u00e4ste, das 4.Gebot, das wir soeben h\u00f6rten und das heute die alttestamentliche Losung ist, sticht aus drei Gr\u00fcnden aus dem Dekalog hervor. Es ist zum einen das einzige der Zehn Gebote, das mit einer Verhei\u00dfung verbunden ist. 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