{"id":256,"date":"2015-12-20T08:35:29","date_gmt":"2015-12-20T07:35:29","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=256"},"modified":"2016-03-06T12:39:32","modified_gmt":"2016-03-06T11:39:32","slug":"gerade-mal-ein-gebet-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=256","title":{"rendered":"Gerade mal ein Gebet weg"},"content":{"rendered":"<p><em>Philipper 4.4-7: Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! La\u00dft alle eure Menschen eure Zartheit erfahren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und F\u00fcrbitte mit Dank vor Gott kommen. Und Gottes Friede, der weiter reicht als alle Vernunft, halte die Wacht \u00fcber eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>\u201e<em>Sorgt euch um nichts!<\/em>\u201c So schreibt\u2019s der Apostel Paulus seiner Gemeinde in Philippi. \u201eMach dir mal keine Sorgen!\u201c So sagt man\u2019s ja manchmal \u2013 beruhigend, bes\u00e4nftigend, vielleicht auch, weil man nicht bel\u00e4stigt werden m\u00f6chte. Eines anderen Sorgen, seien wir ehrlich, k\u00f6nnen auch richtig nerven, gerade wenn man selbst mit eigenen Sorgen genug zu tun hat.<!--more--><\/p>\n<p>\u201e<em>Sorgt euch um nichts!<\/em>\u201c Wie klingen diese Worte heute, kurz vor Weihnachten, nach einem vermutlich intensiven Arbeitsjahr in Ihren Ohren? Nach erfolgreichen und weniger erfolgreichen Tagen? Nach all dem, was dieses Jahr so auf uns zugekommen ist?<\/p>\n<p>Nach \u201eWir schaffen das.\u201c und der Rede von Obergrenzen, nach Bildern von kenternden Nu\u00dfschalen voller Menschen, Massenwanderungen auf Autobahnen, Willkommensszenen auf deutschen Bahnh\u00f6fen und bewaffneten Hundertschaften hinter Maschendrahtz\u00e4unen? Nach Szenen des Gemetzels in der Stadt der Liebe, dort, wo die Menschen zum Feiern und Party machen, zu Sport und Spiel zusammen kommen und stattdessen Terror erleben? Nach Nachrichten, das deutsche Ingenieurskunst und IT-Know-how im Dienste der Trickserei gestanden und dabei \u2013 wer wei\u00df, wie gro\u00dfe? \u2013 Kratzer im Lack der Marke \u201eMade in Germany\u201c hinterlassen haben?<\/p>\n<p>\u201e<em>Sorgt euch um nichts!<\/em>\u201c Wirklich? Ja, wirklich. Der Apostel meint das allen Ernstes. Wir d\u00fcrfen es ihm abnehmen. Denn diese Zeilen wurden nicht geschrieben bei einem Glas Rotwein im Kreise der Familie bei wohligem Kerzenschein in friedlicher Atmosph\u00e4re. Diese Zeilen kommen aus dem Knast \u2013 und auch damals waren Kn\u00e4ste nicht vergn\u00fcgungssteuerpflichtig.<\/p>\n<p>Gute Zeiten hatte Paulus gewiss nicht hinter sich \u2013 geschm\u00e4ht, verfolgt, eingekerkert. Und auch die Gemeinde, an die er schrieb, war offensichtlich in der Krise. Tiefe Konflikte, Streitigkeiten geh\u00f6rten zum Alltag. Das klingt aus den Zeilen des Paulus. Genug Grund zur Sorge also.<\/p>\n<p>\u201e<em>Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! &#8230; Sorgt euch um nichts!<\/em>\u201c Mal ehrlich, wer denkt da nicht: dieser Kerl kann doch nicht ganz von dieser Welt sein? Ist er aber gewesen. Vielleicht noch mehr, als wir es sind, wenn wir uns in den offensichtlichen Sorgen verlieren \u2013 und das dabei \u00fcbersehen, was Paulus sieht und voraussetzt, wenn er solche Zeilen zum Besten gibt.<\/p>\n<p>Was setzt er voraus? \u201eDer Herr ist nahe.\u201c Das setzt er voraus. Der Herr ist uns nahe, n\u00e4her als alles andere. Wenn unsere Sorgen uns so in unsere Glieder fahren, dass wir meinen, nur noch daraus zu bestehen, dann ist dieser Herr uns noch n\u00e4her. Immer noch n\u00e4her.<\/p>\n<p>Denn dieser Herr, von dem Paulus, spricht, ist einer, der nicht von oben herab ist, sondern mittendrin, nicht souver\u00e4n, sondern angreifbar, nicht cool und l\u00e4ssig, sondern zart und z\u00e4rtlich. Nah und nahbar.<\/p>\n<p><em>Er, der in g\u00f6ttlichem Dasein lebte, &#8230; hat sich dessen entbl\u00f6\u00dft, um in ein Sklavendasein einzutreten, so wie es die Menschen leben, ihnen gleich.<\/em><\/p>\n<p>So schreibt er es, dieser Paulus. Ein Gott, uns gleich \u2013 und damit so nahe, so nahe, dass uns unsere ganze Realit\u00e4t, auch unsere harsche Realit\u00e4t, einholen kann und wir dabei nicht in Angst und Sorge umkommen m\u00fcssen, uns in den Abgr\u00fcnden unserer Existenz nicht verlieren, uns als Sklaven unserer eigenen Moral nicht pflichtbewusst aufarbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das ist Weihnachten. Gott ist uns so wunderbar nahe und l\u00f6st in seiner Zartheit unseren ganzen menschlichen Krampf, diesen Krampf, durch den wir tagt\u00e4glich versuchen, in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher W\u00fcrde und Anstand irgendwie alles, was in uns so brodelt, zusammenzuhalten und dabei ein m\u00f6glichst gutes Bild anzugeben. Er l\u00f6st diesen Krampf. Er schenkt uns Frieden und macht uns zart. Das ist Weihnachten.<\/p>\n<p>Die Sehnsucht nach diesem Handeln Gottes an uns bringen wir ja auch irgendwie zur Sprache, wenn wir uns \u201ebesinnliche\u201c oder \u201eerholsame\u201c oder \u201eentspannte Feiertage\u201c w\u00fcnschen, wenn wir uns gegenseitig \u201eFrohe\u201c oder \u201eFriedvolle Weihnachten\u201c zusprechen.<\/p>\n<p>Wir sp\u00fcren diese Sehnsucht vielleicht auch f\u00fcr diesen Moment im Gottesdienst, wenn wir \u201eStille Nacht, heilige Nacht\u201c oder \u201eO du Fr\u00f6hliche\u201c singen, wenn wir die Englein und Hirten im Krippenspiel erleben.<\/p>\n<p>Diese Sehnsucht sitzt meist auch am Tisch und unter dem Baum am Heiligen Abend und kann doch zum Krampf werden, wenn unser Familienfriede nicht so h\u00e4lt, wie unsere Sehnsucht nach dem wahren Weihnachtsfrieden es von uns und den anderen erwartet. Und sie schwingt mit bei den Geschenken, wobei wir zumindest ahnen, dass dieser Friede nichts ist, was wir mit Mastercard bezahlen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die ganze Wohligkeit, Ergriffenheit, auch der Kitsch von Weihnachten dr\u00fcckt diese Sehnsucht aus nach diesem Frieden. Daher ist es so gut, dass wir Weihnachten als Fest begehen, um zumindest diese Sehnsucht in uns wieder zu entdecken, die \u00fcber das Jahr hinweg durch unseren Alltagskrampf zu versch\u00fctten droht.<\/p>\n<p>Gerade damit wir den Friede Gottes, zur Weihnacht in die Welt gekommen, auch in unseren Alltag hineinlassen und nicht unseren Sorgen das Feld \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><em>Freut euch im Herrn allezeit! <\/em>schreibt Paulus ja \u2013 nicht nur zur Weihnacht, <em>allezeit<\/em>. Und er gibt uns einen schlichten Hinweis, wie wir uns allt\u00e4glich darin \u00fcben, mit Gottes N\u00e4he zu rechnen, seinen Frieden jeden Tag unseres Lebens zu erwarten: <em>Sorget euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und F\u00fcrbitte mit Dank vor Gott kommen.<\/em><\/p>\n<p>So einfach ist es: <em>Der Herr ist nahe. <\/em>Gerade mal ein Gebet weg. Jeden Tag. Wirklich jeden Tag. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipper 4.4-7: Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen: Freut euch! La\u00dft alle eure Menschen eure Zartheit erfahren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern worum ihr zu bitten habt, das lasst in Gebet und F\u00fcrbitte mit Dank vor Gott kommen. 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