{"id":216,"date":"2015-03-13T15:21:05","date_gmt":"2015-03-13T14:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=216"},"modified":"2017-10-18T08:16:32","modified_gmt":"2017-10-18T07:16:32","slug":"what-would-jesus-do","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=216","title":{"rendered":"What would Jesus do?"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWhat would Jesus do?\u201c ist sicherlich nicht eine der ersten Fragen, die man sich im Berufsalltag stellt. Was w\u00fcrde wohl passieren, wenn Sie in Ihrem Team, bei Ihren F\u00fchrungskr\u00e4ften diese Frage als einen Orientierungspunkt f\u00fcr die Personalf\u00fchrung ausgeben w\u00fcrden, diese Vorgabe vielleicht sogar bei der j\u00e4hrlichen Zielvereinbarung festschreiben lie\u00dfen? Welche Phantasien entfacht dieser Gedanke bei Ihnen, neben der offensichtlichen Erkenntnis, damit wahrscheinlich gegen die Antidiskriminierungsrichtlinie zu versto\u00dfen? Wie w\u00fcrden Ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte, Ihre Mitarbeiter reagieren? Was m\u00fcssten Sie sich anh\u00f6ren &#8211; oder welche Spr\u00fcche w\u00fcrden wohl hinter vorgehaltener Hand geklopft werden?<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr diejenigen, die ein Ma\u00df an christlicher Sozialisation erlebt haben, mag diese Frage zumindest nicht v\u00f6llig abseitig erscheinen. Denn sie folgt einer Wahrnehmung Jesu, die zum Kern christlicher Lebenspraxis z\u00e4hlt. An Jesus Christus gilt es sich zu orientieren, an seinem Zeugnis und seinem Tun, an seinem Vorbild:<\/p>\n<p><em>Lasset uns mit Jesus ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch schon himmlisch sein, glauben recht und leben rein, in der Lieb den Glauben weisen. Treuer Jesus, bleib bei mir, gehe vor, ich folge dir. (EG 384,1)<\/em><\/p>\n<p><em>La\u00df uns in deinem Namen, Herrn, die n\u00f6tigen Schritt tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln. (EG 634,1)<\/em><\/p>\n<p>Zwei Beispiele aus unserem Gesangbuch, eines aus der Mitte des 17.Jahrhunderts und eines aus der Mitte des 20.Jahrhunderts, die illustrieren, wie selbstverst\u00e4ndlich diese Jesusfr\u00f6mmigkeit zur christlichen Existenz geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Kein Wunder, denn diese Jesusfr\u00f6mmigkeit ist gut biblisch. Sie folgt dem Ruf Jesu in die Nachfolge, etwa ausgedr\u00fcckt in dem Wort aus dem Johannesevangelium: <em>Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)<\/em><\/p>\n<p>Sie folgt der Logik der Taufe als dem Ritus, der den \u00dcbergang in ein neues Leben in Christus markiert, so wie es Paulus im R\u00f6merbrief pr\u00e4gnant umrei\u00dft: <em>Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln? (R\u00f6m 6,3f.)<\/em><\/p>\n<p>Immer wieder finden sich in der Kirchengeschichte Kronzeugen dieser Jesusfr\u00f6mmigkeit. Viele Heiligenlegenden etwa sind nach dem Vorbild von Jesusgeschichten erz\u00e4hlt und dienen damit als Kontextualisierungen des Lebens Jesu in die jeweilige Zeit \u2013 oder, um unser Thema aufzugreifen, als illustre, zeitgem\u00e4\u00dfe Antworten auf die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c.<\/p>\n<p>Und immer wieder haben sich auch christliche Autoren bem\u00fcht, diese Jesusfr\u00f6mmigkeit zu beschreiben. Das wohl wirkungsgeschichtlich bedeutendste dieser Werke stammt von Thomas von Kempen, einem Augustiner-Chorherr aus dem 15.Jahrhundert, dessen Werk \u201eNachfolge Christi\u201c lange Zeit das meistverbreitete Buch nach der Bibel war und auch heute noch lesenswert ist. Sein vierteiliges Werkes setzt ein mit den programmatischen Worten: <em>Wer die Lehre Christi in ihrer F\u00fclle kennenlernen will\u00a0\/ der mu\u00df mit allem Ernst darauf dringen\u00a0\/ da\u00df sein ganzes Leben gleichsam ein zweites Leben Jesu werde.<\/em><\/p>\n<p>Hier kn\u00fcpft auch das Buch an, das ich Ihnen heute quasi als literarische Vorlage f\u00fcr unsere Diskussion in Grundz\u00fcgen vorstellen m\u00f6chte und daran ein paar Beobachtungen ankn\u00fcpfen, wie sich dort die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c entfaltet.<\/p>\n<p>\u00dcber 100 Jahre ist es her, dass der kongregationalistische Pfarrer Charles M.Sheldon \u201eIn His Steps\u201c ver\u00f6ffentlichte. Nun mag man sich fragen: Was hat dieser Roman uns heute noch zu sagen? Seine wirkungsgeschichtlich bedeutendste Zeit ist schon l\u00e4nger vorbei. Bis Mitte der 1930er Jahre wurde es in immerhin 21 Sprachen \u00fcbersetzte. Und es wird bis heute noch publiziert, was man sicher nicht von den meisten B\u00fcchern vom Ende des 19.Jahrhunderts sagen kann.<\/p>\n<p>Die entscheidende Spur, die das Buch legt, wurde in der 1990ern wieder aufgegriffen \u2013 in der Jugendarbeit. \u201eWhat would Jesus do?\u201c \u2013 die entscheidende Frage, die sich die Protagonisten in dem Buch stellen, wurde zum Thema gemacht in Jugend- und Konfirmandengruppen.<\/p>\n<p>Auch ich habe meinem Konfirmandenkurs f\u00fcr eine Woche immer eine kleine Hausaufgabe mitgegeben: \u201eNehmt die Frage \u201eWas w\u00fcrde Jesus tun?\u201c mit und stellt sie euch mindestens einmal am Tag in einer Situation und f\u00fchrt dar\u00fcber Tagebuch.\u201c Oft, das habe ich noch in Erinnerung, ging es dann um Streit, Konflikte \u2013 und um die Frage, wie man dabei Frieden stiften k\u00f6nnte. Oder es ging um St\u00f6rungen und Verst\u00f6rungen, Irritationen \u2013 und dann nat\u00fcrlich um die Frage, wie solche Verst\u00f6rungen wieder behoben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine St\u00f6rung, die zu einer Verst\u00f6rung wird, ist auch der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Geschichte, die sich in Charles M. Sheldons Buch entfaltet. Henry Maxwell, der Pfarrer einer gut situierten, b\u00fcrgerlichen Gemeinde, wird bei der Predigtvorbereitung von einem Penner (so denkt er es selbst) gest\u00f6rt. Dieser Mann hat erst seinen Job verloren und sucht Hilfe beim Pastor. Der ist genervt statt hilfsbereit. Immerhin wurde er aus seinen hochtrabenden Gedanken gerissen. Er schickt den Mann weiter mit dem Wunsch, irgendwo doch eine Arbeit zu finden. Doch der l\u00e4sst sich nicht so einfach absch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Am Sonntag taucht er im Gottesdienst auf und erhebt nach der Predigt das Wort vor der Gemeinde. Er beschreibt sein Leben, ohne anzuklagen: Als Drucker hat er vor zehn Monaten seine Arbeit verloren. Maschinen erledigen jetzt seinen Job. Vor vier Monaten verstarb seine Frau. Seitdem ist er unterwegs, auf der Suche nach Arbeit. Seine Tochter hat er bei Freunden zur\u00fcckgelassen. Gefunden hat er bisher nichts Dauerhaftes. Aber er hat einige Beobachtungen gemacht, Beobachtungen, die zu Fragen f\u00fchren, die er nun mit der Gemeinde teilt:<\/p>\n<p>\u201eEuer Pastor hat euch heute gesagt, dass ein J\u00fcnger von Jesus ihm folgt&#8230; Aber was meint ihr Christen damit? Ich war drei Tage in eurer Stadt auf der Suche nach einem Job; in dieser ganzen Zeit hat mir niemand ein freundliches Wort geschenkt au\u00dfer euer Pastor&#8230; Ich nehme an, ihr habt euch von mir ferngehalten, weil euch professionelle Bettler schon oft genug angegangen haben. Ich mache euch keine Vorw\u00fcrfe, stelle nur fest. Ich wei\u00df, ihr k\u00f6nnt nicht jedem einen Job geben, aber ich frage mich schon&#8230; Was meint ihr, wenn ihr singt: \u201eIch gehe mit Jesus, bis zum Ende?&#8230;Mir erscheint es so: Die Welt ist voller Probleme, die vielleicht nicht existieren w\u00fcrden, wenn alle Menschen, die solche Lieder voller Inbrunst singen, voller Inbrunst auch danach handeln w\u00fcrden. Ich vermute jedoch, ich verstehe hier etwas nicht ganz richtig. Aber hei\u00dft nicht: Jesus nachfolgen sich die Frage zu stellen: Was w\u00fcrde Jesus tun?\u201c<\/p>\n<p>Diese Worte sind sicherlich harter Tobak. Und sie m\u00f6gen uns in ihrer Wortwahl auch fremd sein. \u201eJesus nachfolgen\u201c \u2013 das ist nicht unbedingt die Art und Weise, wie wir zum Ausdruck bringen, was es hei\u00dft, ein Christ zu sein. Aber die Anfragen, so denke ich, bleiben.<\/p>\n<p>Die Geschichte geht weiter, dramatisch. Nach seiner kurzen Rede bricht der Mann zusammen, am Altar, und stirbt. Und dieser Tod ver\u00e4ndert diese wohl situierte b\u00fcrgerliche Gemeinde f\u00fcr immer. Am n\u00e4chsten Sonntag l\u00e4dt der Pfarrer nach seinem Gottesdienst all jene ein, die sich diese Frage des verstorbenen Mannes stellen wollen. F\u00fcr ein Jahr verpflichten sie sich, diese Frage in ihren Alltag mitzunehmen.<\/p>\n<p>Und dieses Jahr hat es in sich: Der Herausgeber einer \u00f6rtlichen Tageszeitung beschlie\u00dft, am Sonntag keine Zeitung mehr zu drucken. W\u00fcrde das etwa Jesus tun? Oder ist der Sonntag nicht f\u00fcr etwas anderes da? Nat\u00fcrlich st\u00f6\u00dft er auf Widerstand. Abonnenten k\u00fcndigen und auch Anzeigenkunden. Betriebswirtschaftlich sind seine Entscheidungen eine Katastrophe. Und doch bleibt er in seinem Weg unbeirrt.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Eisenbahngesellschaft entdeckt, dass Lieferlisten gef\u00e4lscht und damit systematisch Steuern hinterzogen werden. Nach intensivem innerem Ringen deckt er den Betrug auf und k\u00fcndigt \u2013 wohl wissend, was dies f\u00fcr ihn und seine Familie bedeutet.<\/p>\n<p>Eine reiche Erbin \u00fcberlegt, was sie mit ihrem Geld anf\u00e4ngt. Im Laufe der Geschichte begegnet ihr in ein M\u00e4dchen, das von Alkohol und Missbrauch gezeichnet ist. Nachdem sie diese in ihrem Haus aufnimmt und diese dann doch einen gewaltsamen Tod stirbt, beschlie\u00dft sie, Unterk\u00fcnfte f\u00fcr solche vom Leben gezeichneten Menschen mit ihrem Geld zu finanzieren. Bei all dem handelt sie gegen den erkl\u00e4rten Willen ihrer Gro\u00dfmutter, da sie sehr deutlich gegen die ungeschriebenen Gesetze der Upper Class verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>All dies klingt dramatisch \u2013 und es ist auch das gute Recht eines Romans, eine gute Dramaturgie walten zu lassen. Entscheidend ist: Die Frage \u201eWas w\u00fcrde Jesus tun?\u201c hinterl\u00e4sst Spuren im Leben der einzelnen Menschen. Noch mehr: Diese Spuren greifen ineinander.<\/p>\n<p>Einen Teil des Geldes investiert die reiche Erbin in die Tageszeitung des Herausgebers, damit dieser sie so umgestalten kann, dass sie dem Anspruch der Frage \u201eWas w\u00fcrde Jesus tun?\u201c entspricht. Investorin aus \u00dcberzeugung also.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Eisenbahngesellschaft l\u00e4dt seinen Pastor ein, einmal die Woche in der Kaffeepause zu seinen Mitarbeitern zu sprechen \u2013 eine Aufgabe, die dieser am Anfang nur sehr z\u00f6gerlich annimmt, da er gar nicht wei\u00df, was er solch einem Arbeitervolk erz\u00e4hlen kann. Aber diese w\u00f6chentlichen Zusammenk\u00fcnfte bleiben, auch nachdem der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer seinen Hut genommen hat.<\/p>\n<p>Und die Dynamik der Frage \u201eWas w\u00fcrde Jesus tun?\u201c ergreift diese Gemeinde immer mehr. Bei den Kommunalwahlen stellen sie eine eigene Liste auf. Menschen, die sich sonst nie f\u00fcr Politik interessiert haben, weil sie es f\u00fcr ein schmutziges Gesch\u00e4ft hielten, sehen nun eine Aufgabe darin, ihr Gemeinwesen mitzugestalten.<\/p>\n<p>Ich muss hier leider einen Punkt setzen, was die Nacherz\u00e4hlung von Charles Sheldon\u2019s Buch angeht. Bei weitem ist hier noch nicht alles erz\u00e4hlt. Ich hoffe jedoch, dass diese wenigen Abs\u00e4tze reichen, um Ihnen einen Eindruck von der Idee zu verschaffen, die dieses Buch entfaltet. Denn ich m\u00f6chte daran einige \u00dcberlegungen anschlie\u00dfen, die sich f\u00fcr mich aus der Lekt\u00fcre des Buches ergeben haben und zum Weiterdenken anregen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nat\u00fcrlich die Frage: Was passiert hier eigentlich? Ich w\u00fcrde es so formulieren: Eine Kirchengemeinde wird zur Entdeckungs-gemeinschaft. Sie entdeckt gemeinsam, was es hei\u00dft, mit der Frage \u201eWas w\u00fcrde Jesus tun?\u201c ernst zu machen. Und sie sammelt dabei ihre Erfahrungen. Diese Erfahrungen greifen erstaunlicherweise ineinander \u2013 sie f\u00fchren zu einer gemeinsamen Wahrnehmung und zu einem gemeinsamen Urteil. Und dieses Urteil entfaltet dadurch nicht nur pers\u00f6nliche, sondern auch politische Relevanz. Es ver\u00e4ndert die gemeinsame Welt, in der die Gemeinde lebt. Aber diese Ver\u00e4nderung l\u00e4sst sich nicht antizipieren. Sie entfaltet sich vielmehr im Miteinander der verschiedenen Lebensstr\u00e4nge, die ineinander greifen. Dabei ist entscheidend, dass die Menschen anfangen, mit Ernst sich diese eine Frage zu stellen und vor den Antworten auf diese Frage nicht zur\u00fcckzuscheuen.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt mich zu meiner zweiten Frage: Warum ist das \u00fcberhaupt m\u00f6glich? In der Frage: \u201eWhat would Jesus do?\u201c steckt eine besondere, eine sch\u00f6pferische Kraft. Und diese Kraft liegt darin begr\u00fcndet, dass sich mit dieser Frage neue Assoziationsr\u00e4ume er\u00f6ffnen. Was vorher nicht sein durfte oder m\u00f6glich schien, erscheint auf einmal denkbar und machbar. Die sch\u00f6pferische Kraft dieses Assoziationsfeldes liegt darin begr\u00fcndet, dass sich Menschen mit dieser Frage in eine andere Geschichte begeben, der sie Glauben schenken und ihr Relevanz f\u00fcr ihr Leben zubilligen: der Geschichte Jesu. Ja, sie billigen ihr im Laufe der Zeit mehr Glauben und Relevanz zu als anderen Geschichten, anderen skripts, die ihr Leben bis dato pr\u00e4gen. Der Geschichte etwa, wie man sich als reiche Erbin zu benehmen h\u00e4tte, der Geschichte, wie man eine erfolgreiche Zeitung zu machen hat, der Geschichte, dass ein Ma\u00df an Schlitzohrigkeit zu einem erfolgreichen Gesch\u00e4ft geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Bisher standen diese Geschichten alternativlos und deswegen auch unreflektiert f\u00fcr sich. Man hat gar nicht dar\u00fcber nachgedacht \u2013 oder nachzudenken gewagt, dass es auch anders ginge. Die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c stellt neben diese Geschichten nun andere Geschichten, biblische Geschichten, Jesus-Geschichten. Was alternativlos erschien, wird nun nicht mehr als alternativlos gesehen. Man kann es auch anders machen, wenn man sich denn traut, diesen anderen Geschichten mehr Glauben zu schenken, ihren Wahrheitsgehalt im eigenen Leben zu erproben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch eine Beobachtung: Die Menschen, die sich die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c ernsthaft stellen, begegnen Widerst\u00e4nden, inneren wie \u00e4u\u00dferen \u2013 und sie zahlen immer einen Preis. Immer wieder neu stellen sie sich Fragen wie: Was bin ich bereit zu ertragen, loszulassen, zu wagen, ohne Netz und doppelten Boden? Aber \u2013 und das mag vielleicht etwas idealtypisch dargestellt sein \u2013 diese Fragen verlieren an Bedeutung, weil dem, was man verliert, etwas gegen\u00fcbersteht, das man als gr\u00f6\u00dferen Gewinn zu begreifen versteht. Das eigene Wertesystem, so w\u00fcrde man heute sagen, verschiebt sich. Mit anderen Worten: Die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c ist alles andere als harmlos. Aber sie scheint sich zu lohnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt Sheldon eine mehr als stringente Geschichte. Die Protagonisten erfahren eine relativ ungebrochene Entwicklung. Niemand scheitert an der Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c. Jeder hat Erfolgserlebnisse. Innerkirchliche Diskussionen gibt es nur am Rande. Diejenigen, die in der Gemeinde nicht mitmachen, tauchen praktisch nicht auf. Einmal wird erw\u00e4hnt, dass sich einige eine neue Gemeinde gesucht haben. All das muss man im Blick haben.<\/p>\n<p>Dennoch lohnt es sich, einmal zu fragen: Was k\u00f6nnte diese Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c in der betrieblichen Praxis provozieren? Nat\u00fcrlich kann jeder sich diese Frage zun\u00e4chst einmal in einer konkreten Situation stellen, vielleicht sogar, wie in dem Buch empfohlen, mit dieser Frage eine Zeit lang bewusst schwanger gehen. Die Frage w\u00fcrde sich dann etwa so stellen: \u201eWas w\u00fcrde Jesus mit diesem Mitarbeiter von mir eigentlich tun?\u201c Und wenn ich\u2019s wei\u00df: \u201eWas hindert mich daran, diesem Beispiel zu folgen?\u201c Was w\u00fcrde da passieren?<\/p>\n<p>Ich sehe dar\u00fcber hinaus auch strategisches Potential. Wenn die Frage \u201eWhat would Jesus do?\u201c neue Assoziationsr\u00e4ume er\u00f6ffnet, dann k\u00f6nnte sie Impulse setzen, wo es alternativlose Geschichten oder gar Denkverbote im Unternehmen gibt. Sie k\u00f6nnte wohltuend irritieren und dadurch einen sch\u00f6pferischen Prozess ansto\u00dfen, sie k\u00f6nnte Entdeckungen erm\u00f6glichen, die wohltuende Ver\u00e4nderungen ansto\u00dfen. Spannend wird dann sicherlich werden, wer bei solch einem Erkundungsprozess dabei ist \u2013 und wer eher in den Widerstand geht. Inwiefern hier ein freiwilliges Vorangehen mit denen m\u00f6glich ist, die mitziehen, d\u00fcrfte sicherlich einer der Schl\u00fcsselfragen im Prozess sein.<\/p>\n<p>\u201eWhat would Jesus do?\u201c Diese Frage k\u00f6nnte noch wesentlich grundlegender gefragt werden. Sie k\u00f6nnte auch Ausgangspunkt daf\u00fcr sein, die eigentlichen Fragen neu stellen lassen. \u201eWozu eigentlich sind wir als Unternehmen, als Organisation auf dieser Welt? Was ist der echte Mehr-Wert, den wir schaffen sollen f\u00fcr die Menschen in unserem Umfeld? Was ist die Aufgabe, die uns gestellt ist, das Thema, um das wir uns k\u00fcmmern sollen, der Auftrag, den wir wahrnehmen sollen? Und was fangen wir tats\u00e4chlich mit dem an, was uns anvertraut ist?\u201c<\/p>\n<p>Ich denke, solche Fragen k\u00f6nnen reizvoll im doppelten Wortsinn sein, da sie wortw\u00f6rtlich an die Substanz gehen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen dabei gro\u00dfe Widerst\u00e4nde aufwerfen, innere wie \u00e4u\u00dfere. Sie m\u00f6gen einiges kosten. Aber dennoch glaube ich: Sie zu stellen, lohnt sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWhat would Jesus do?\u201c ist sicherlich nicht eine der ersten Fragen, die man sich im Berufsalltag stellt. Was w\u00fcrde wohl passieren, wenn Sie in Ihrem Team, bei Ihren F\u00fchrungskr\u00e4ften diese Frage als einen Orientierungspunkt f\u00fcr die Personalf\u00fchrung ausgeben w\u00fcrden, diese Vorgabe vielleicht sogar bei der j\u00e4hrlichen Zielvereinbarung festschreiben lie\u00dfen? 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