{"id":206,"date":"2014-12-15T23:12:51","date_gmt":"2014-12-15T22:12:51","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=206"},"modified":"2016-03-06T12:41:09","modified_gmt":"2016-03-06T11:41:09","slug":"es-wird-regiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=206","title":{"rendered":"Es wird regiert"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Psalm 24:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn \u00fcber den Meeren gegr\u00fcndet und \u00fcber den Wassern bereitet.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer darf auf des HERRN Berg gehen,und wer darf stehen an seiner heiligen St\u00e4tte? Wer unschuldige H\u00e4nde hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schw\u00f6rt: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs. <\/em><\/p>\n<p><em>Machet die Tore weit und die T\u00fcren in der Welt hoch, dass der K\u00f6nig der Ehre einziehe! Wer ist der K\u00f6nig der Ehre? Es ist der HERR, stark und m\u00e4chtig, der HERR, m\u00e4chtig im Streit. Machet die Tore weit und die T\u00fcren in der Welt hoch, dass der K\u00f6nig der Ehre einziehe! Wer ist der K\u00f6nig der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der K\u00f6nig der Ehre. <\/em><\/p>\n<p>Liebe AEU-Mitglieder, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend vor der Nacht, in der er friedlich im Schlaf verstarb, arbeitete er noch an seinem Schreibtisch. Da erhielt er einen Telefonanruf von einem alten Freund.<\/p>\n<p>Sie unterhielten sich \u00fcber die Weltlage mit ihren be\u00e4ngstigenden Gefahren und N\u00f6ten. Er schloss endlich die Unterhaltung ab und munterte den besorgten Freund auf: \u201eNur ja die Ohren nicht h\u00e4ngen lassen! Denn \u2013 es wird regiert!\u201c<!--more--><\/p>\n<p>\u201eEs wird regiert.\u201c \u2013 so \u00fcberliefert es sein Freund und Sch\u00fcler Eberhard Busch \u2013 waren die letzten Worte des gro\u00dfen Schweizer Theologen Karl Barth, der im Advent vor 46 Jahren verstarb.<\/p>\n<p>\u201eEs wird regiert.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen, der den Gro\u00dfteil des bis dato gewaltt\u00e4tigsten Jahrhunderts der Menschheitsgeschichte mit zwei Weltkriegen und der Schreckensherrschaft unmenschlicher Terrorregime in Europa \u00fcberschaute und theologisch begleitete, ist dies ein bemerkenswerter Abschiedssatz.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch, dass er im Advent gesprochen wurde. Denn zum Advent, gerade zum 1.Advent, wird dieser Satz mehr denn sonst im Kirchenjahr unterstrichen. \u201eEs wird regiert.\u201c<\/p>\n<p><em>Machet die Tore weit und die T\u00fcren in der Welt hoch, dass der K\u00f6nig der Ehre einziehe!<\/em><\/p>\n<p>Oder, wie wir\u2019s im vertrauten Versma\u00df noch singen werden: \u201eMacht hoch die T\u00fcr, die Tor macht weit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs wird regiert.\u201c K\u00f6nnen wir das glauben, gar tr\u00f6stend zusprechen, wenn andere ihre Seelennot vor uns aussch\u00fctten? Oder steht uns der Zweifel auf die Stirn geschrieben angesichts eines solchen aus der Welt gefallenen, weil zu steilen Satzes?<\/p>\n<p>Wer so etwas behauptet, fehlen dem nicht wichtige Informationen zur Weltlage? Fehlt dem nicht eine geh\u00f6rige Portion Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen angesichts der allgegenw\u00e4rtigen Not? Fehlen dem nicht allzu menschliche Erfahrungen mit den Abgr\u00fcnden des Lebens, der Mitmenschen und, ja, auch der Abgr\u00fcndigkeit seines eigenen Wesens?<\/p>\n<p>Im Gegenteil. \u201eEs wird regiert.\u201c Dieser Satz hat all dies sehr wohl im Blick. Noch mehr: gerade im Angesicht dieses Satzes ist die ganze Heillosigkeit, der wir ausgesetzt sind und der wir uns selbst auch aussetzen, \u00fcberhaupt ernsthaft in den Blick zu nehmen \u2013 nur im Angesicht dieses Satzes, der zugleich Widerspruch, Seelentrost und Bu\u00dfruf in einem ist.<\/p>\n<p>Widerspruch ist er gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse. Die Herrscher dieser Welt, die auch unsere Seele beklemmen, sie werden nicht zum Ziel kommen.<\/p>\n<p>Die Not um uns, der wir mit unserer kleinen Kraft nicht Herr werden, ihr wird ein anderer Herr: <em>der HERR, stark und m\u00e4chtig, der HERR, m\u00e4chtig im Streit. <\/em>Einer, dem die Vollmacht gegeben ist, in die H\u00f6lle hinab zu steigen und doch am dritten Tage als Auferstandener von dort zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Also: \u201eEs wird regiert.\u201c \u2013 selbst in der H\u00f6lle.<\/p>\n<p>Ein Trost m\u00f6ge das \u2013 hoffentlich \u2013 sein f\u00fcr all jene, denen die H\u00f6lle auf Erden nicht fremd ist, denen vielmehr ihre Sinne im Reich des Todes verdunkelt wurden. Die von den Schlachtfeldern des Lebens den Geruch der Verwesung in der Nase, das Geschrei der Gequ\u00e4lten in den Ohren und das Blut der unter die R\u00e4der Gekommenen an den H\u00e4nden haben. Ausgebrannte Menschen.<\/p>\n<p>\u201eEs wird regiert!\u201c Wider die Erfahrung dieser Menschen, wider ihre Vernunft wird dies gesagt. Ein Friede Gottes wird behauptet, der h\u00f6her ist als all unsre menschliche Vernunft. Ich glaube: er muss behauptet werden.<\/p>\n<p>Denn unsre menschliche Vernunft ist zu ambivalent, zu janusgesichtig, zu wankelm\u00fctig, um ihr Wissen und K\u00f6nnen nur in den Dienst dieses Friedens stellen zu wollen. Von anderem wird sie ebenso getrieben, diese menschliche Vernunft \u2013 von Angst und Gier, von Neid und Ignoranz, von Selbstherrlichkeit und Ma\u00dflosigkeit.<\/p>\n<p>Ambivalent wie die Menge, denen der HERR der Heerscharen auf Erden begegnet, als er vom Himmel herabsteigt. <em>\u201eHosianna dem Sohn Davids!\u201c<\/em> rufen sie den einen Tag, um am anderen Tag, ohne mit der Wimper zu zucken, <em>\u201eKreuziget ihn!\u201c<\/em> zu rufen.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass der Einzug in Jerusalem das Evangelium des 1.Advent ist.<\/p>\n<p>Wir kennen das:<\/p>\n<p>Wer heute hoch geschrieben wird, kann morgen schon einen tiefen Fall erleben. Wer sich heute noch auf der Karriereschiene befindet, kann morgen schon auf dem Abstellgleis landen. Wer heute noch unser B\u00fcndnispartner ist, k\u00f6nnte der Feind von morgen sein.<\/p>\n<p>Auf die Ambivalenz des menschlichen Herzens ist kein Verlass. Der HERR am Kreuz zeugt von dieser Ambivalenz.<\/p>\n<p>Daher ist er solch ein \u00c4rgernis den einen, die dieser menschlichen Ambivalenz nicht ins Gesicht blicken wollen. Er ist Torheit den anderen, die sich kl\u00fcger w\u00e4hnen, weil sie eine angeblich realistischere Einsch\u00e4tzung der weltlichen Lage besitzen \u2013 und ihre Sch\u00e4fchen noch schnell ins Trockene bringen.<\/p>\n<p>Den Seligen jedoch ist dieser Gekreuzigte Trost und Gotteskraft \u2013 weil sie in ihm den HERRN der Heerscharen erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen St\u00e4tte?<\/em><\/p>\n<p><em>Wer unschuldige H\u00e4nde hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schw\u00f6rt: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles.Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.<\/em><\/p>\n<p>Wer sind wir in all dem aber? Die \u00c4rgerlichen, die Kl\u00fcgeren, die Seligen? Sind wir das Geschlecht, das nach dem Gott seines Heiles fragt? K\u00f6nnen wir glauben, dass \u201eregiert wird\u201c?<\/p>\n<p>Wenn nicht, dann GottseiDank.<\/p>\n<p>GottseiDank, dass Advent ist, wo wir uns auf die Ankunft des HERRN der Heerscharen einstimmen.<\/p>\n<p>GottseiDank, dass wir Psalmen h\u00f6ren und singen wie diesen, die uns einladen, das Antlitz unseres Gottes zu suchen.<\/p>\n<p>GottseiDank, dass unser wankelm\u00fctiges Herz nicht alleingelassen wird, sondern wieder neu lernen darf, dass regiert wird \u2013 durch Worte, in denen diese wahre Wirklichkeit f\u00fcr unser Herz auf immer und ewig aufgehoben ist.<\/p>\n<p>Es wird regiert \u2013 von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psalm 24: Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn \u00fcber den Meeren gegr\u00fcndet und \u00fcber den Wassern bereitet. Wer darf auf des HERRN Berg gehen,und wer darf stehen an seiner heiligen St\u00e4tte? Wer unschuldige H\u00e4nde hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht &hellip; <a href=\"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=206\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Es wird regiert<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206"}],"collection":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=206"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":214,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions\/214"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}