{"id":157,"date":"2013-12-14T21:13:31","date_gmt":"2013-12-14T20:13:31","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=157"},"modified":"2013-12-14T21:15:38","modified_gmt":"2013-12-14T20:15:38","slug":"von-stimmungstotern-und-siegelbrechern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=157","title":{"rendered":"Von Stimmungst\u00f6tern und Siegelbrechern"},"content":{"rendered":"<p><i>Offenbarung 3,1-6:<\/i><\/p>\n<p><i>Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.<\/i><\/p>\n<p><i>Werde wach und st\u00e4rke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. So denke nun daran, wie du empfangen und geh\u00f6rt hast, und halte es fest und tue Bu\u00dfe! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich \u00fcber dich kommen werde.<\/i><\/p>\n<p><i>Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in wei\u00dfen Kleidern, denn sie sind&#8217;s wert. Wer \u00fcberwindet, der soll mit wei\u00dfen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt!<\/i><\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>diese Worte aus der Offenbarung \u2013 sie stimmen keine adventlichen T\u00f6ne an. So mag es zumindest in unseren Ohren klingen, die an \u201eDschingle Bells\u201c und \u201eWir sagen euch an den lieben Advent\u201c gew\u00f6hnt sind.<!--more--><\/p>\n<p>Nein, es sind keine leicht verdaulichen H\u00e4ppchen, die uns hier serviert werden. Und doch sind diese Worte am 3.Advent zu predigen.<\/p>\n<p>Woran uns diese Worte erinnern ist der urspr\u00fcngliche Sinn und Zweck der Wochen vor Weihnachten. Advent \u2013 das ist im Kirchenkalender (noch) keine Festzeit. Es ist Bu\u00dfzeit. Vergleichbar der Fastenzeit vor Ostern sollen wir uns im Advent auf das Weihnachtsfest vorbereiten.<\/p>\n<p>Vorbereitung \u2013 die sieht bei uns in der Regel so aus: Christkindlmarkt, Weihnachtsshopping, Weihnachtsfeier. Das Jahr ausklingen lassen, in Stimmung kommen.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass irgendeiner von uns sich gerade in dieser Zeit Sachen sagen lassen will wie \u201e<i>Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.<\/i>\u201c oder \u201e<i>Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb<\/i>.&#8220; Das sind echte Stimmungst\u00f6ter. Warum also diese Konfrontation?<\/p>\n<p>Hier muss man kurz ausholen, den Blick auf das gesamte Buch der Offenbarung werfen. Zu Recht hei\u00dft es das Buch mit den sieben Siegeln. Nicht nur, weil dieses Buch vielen so verschlossen vorkommt, sondern auch, weil die sieben Siegel dort eine zentrale Rolle spielen. Diese sieben Siegel gilt es zu \u00f6ffnen, damit die Geschichte der Welt zu einem guten Ende gef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<p>Und wer sich ein bisschen auskennt, der wei\u00df: Die \u00d6ffnung dieser Siegel bringt zun\u00e4chst kein Heil, sondern im Gegenteil all das Unheil mit sich, was die Menschheit von Anbeginn bis zu ihrem Ende erlebt: Hunger, Krankheiten, Kriege, Umweltkatastrophen. Es ist das Unheil der Welt, die sich selbst \u00fcberlassen bleibt. Diese Welt muss sich endg\u00fcltig austoben.<\/p>\n<p>Doch das geballte W\u00fcten dieser Welt ist so unertr\u00e4glich, dass es niemand wagt, dieses W\u00fcten zu entfesseln. Denn niemand hat die Vollmacht, dieses W\u00fcten in seiner G\u00e4nze auszuhalten, zu ertragen, zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><i>Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. Und ich weinte sehr, weil niemand f\u00fcr w\u00fcrdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen.<\/i><\/p>\n<p>So schreibt es der Seher Johannes \u2013 und bringt damit zum Ausdruck, was auch wir t\u00e4glich zu empfinden h\u00e4tten, wenn wir das geballte W\u00fcten dieser Welt und die daraus folgende Not an uns wirklich heranlassen k\u00f6nnten: Etwa Armutsfl\u00fcchtlinge, die im Mittelmeer verenden,\u00a0 oder Kindersoldaten, die Minen sch\u00fctzen und zugleich Vergewaltiger und Vergewaltigte sind,\u00a0 oder Familien, die in den verstrahlten Sperrgebieten Japans und der Ukraine leben.<\/p>\n<p>All diese Menschen sind Stimmungst\u00f6ter in unserer Adventszeit. Da kann es einem wahrhaft zum Heulen zumute werden, wenn man sich nicht innerlich abwendet.<\/p>\n<p>Am besten, es g\u00e4be eine L\u00f6sung f\u00fcr all dieses Elend. Ja, man m\u00fcsste anpacken und losmachen.<\/p>\n<p>Ich finde es nach wie vor bemerkenswert, dass die Wirtschafts- und Arbeitswelt, so wie wir sie heute kennen, wohl aus genau diesem Impuls entstanden ist. Zumindest beschreibt dies Professor Michael H\u00fcther in seinem lesenswerten Artikel \u201eDie sattelzeitgerechte Entstehung der National\u00f6konomie\u201c so.<\/p>\n<p>Im 18.Jahrhundert, der Geburtsstunde der Wirtschaftswissenschaften wie der Industriellen Revolution, wollten die Menschen das \u00dcbel in der Welt nicht mehr einfach hinnehmen.<\/p>\n<p>Sie wollten sich von den Theologen und Pfaffen nicht l\u00e4nger vertr\u00f6sten lassen, dass alles, auch das elendste Elend, aus der g\u00fctigen Perspektive Gottes doch irgendwo Sinn macht. So argumentierte die damalige Theologie.<\/p>\n<p>Stattdessen machten die Menschen sich selbst daran, die Not der Welt zu bek\u00e4mpfen, f\u00fcr bessere Lebensbedingungen zu arbeiten.Und sie entwickelten neue Methoden und\u00a0 Wissenschaften wie die \u00d6konomie, um den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Nutzen f\u00fcr die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Zahl zu schaffen.<\/p>\n<p>Sie wischten ihre Tr\u00e4nen im Angesicht menschlichen Elends und weltlicher Defizite einfach selbst ab und packten an. So erz\u00e4hlt es Herr H\u00fcther. Und diese Geschichte ist sehr plausibel.<\/p>\n<p>Denn bis heute sind sich in diesem Habitus alle einig, egal ob sie nun Wirtschaftsliberale oder Kommunisten, Vertreter der Sozialen Marktwirtschaft mit klein- oder gro\u00dfgeschriebenem \u201eS\u201c sind.<\/p>\n<p>Immer geht es darum, die Welt zu einem besseren Lebensort zu machen. Der Streit dreht sich dabei \u201enur\u201c ums Wie.<\/p>\n<p>Bemerkenswert einig sind sie sich aber auch in einer anderen unausgesprochenen Angelegenheit: Dass man mit dem, was diese Welt zu bieten hat, auch zurechtkommen muss.<\/p>\n<p>In dieser geschlossenen Welt ist einer, der ganz von au\u00dfen kommt, fehl am Platz. Das Kind in der Krippe, von dem die Engel zeugen: \u201eEuch ist der Heiland geboren\u201c hat da keine Herberge, weil mit seiner Unterbringung niemand rechnet.<\/p>\n<p>So eine geschlossene Welt spricht wohl auch Johannes an, wenn er an die Gemeinde in Sardes schreibt. Und erinnert sie daran, dass sie schon einmal offenherziger und empf\u00e4nglicher war.<\/p>\n<p><i>So denke nun daran, wie du empfangen und geh\u00f6rt hast, und halte es fest und tue Bu\u00dfe! <\/i><\/p>\n<p><i>So denke nun daran<\/i> \u2013 die Botschaft von dem Kind, das kam, <i>um bei den Menschen zu wohnen, dieser Gott mit ihnen, der abwischen wird alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, so dass der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz<\/i>.<\/p>\n<p><i>So denke nun daran<\/i> \u2013 die Botschaft von dem Kind, das uns in der Offenbarung des Johannes wiederbegegnet<b> <\/b><i>als Erster und Letzter und Lebendiger. Der tot war und lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit und die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle hat. <\/i><\/p>\n<p>Mit dieser Schl\u00fcsselgewalt ist er nun der einzige Mensch weit und breit, der die sieben Siegel \u00f6ffnen kann und das W\u00fcten der Welt hinter diesen Siegeln aush\u00e4lt, ertr\u00e4gt und \u00fcberwindet.<\/p>\n<p>Das ist keine Botschaft f\u00fcr Pressemitteilungen, sondern f\u00fcr unser Herz. Deswegen hei\u00dft es auch nicht<i> \u201eSo denke nun daran, <\/i>was\u2026\u201c,<i> <\/i>sondern<i>, \u201cSo denke nun daran, <span style=\"text-decoration: underline;\">wie<\/span> du empfangen und geh\u00f6rt hast.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Denke an die Umst\u00e4nde, in denen du\u2019s empfangen hast, die Umst\u00e4nde deines Unheils, deiner Ohnmacht, deiner Angst, deiner Trauer, deiner Blo\u00dfheit.<\/p>\n<p>Und denke daran, wie dir im Angesicht des Kindes in der Krippe das Herz aufging, wie du dich getr\u00f6stet wusstest, wie deine Angst wich und du dich deiner Blo\u00dfheit und Ohnmacht nicht mehr sch\u00e4mtest.<\/p>\n<p>Wie dein Herz sp\u00fcrte: Hier ist mein Leben und mein Heil. Und hier kann ich\u2018s aushalten, und wenn die Welt voller Stimmungst\u00f6ter w\u00e4r\u2018.<\/p>\n<p>Sich dessen zu erinnern, das ist die Bu\u00dfe, zu der diese Worte aus der Offenbarung anleiten wollen.<\/p>\n<p>Eine Umkehr, die unsere F\u00fc\u00dfe Richtung Krippe stellen m\u00f6gen, die unseren Blick auf den Stern von Bethlehem richten m\u00f6gen, der diese Welt in ihrer Nacht erhellt.<\/p>\n<p>M\u00f6gen wir uns auf den Weg machen, um dort beim Kind in der Krippe anzukommen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>(gepredigt im Haus der Bayerischen Wirtschaft anl\u00e4sslich der Mitarbeiter-Weihnachtsfeier)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offenbarung 3,1-6: Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. 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