{"id":140,"date":"2013-11-26T23:12:46","date_gmt":"2013-11-26T22:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=140"},"modified":"2013-12-07T18:30:57","modified_gmt":"2013-12-07T17:30:57","slug":"zur-logik-des-verlierens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bdacht.cooperatio.de\/?p=140","title":{"rendered":"Zur Logik des Verlierens"},"content":{"rendered":"<p><i>Matth\u00e4us 16,24-28:<\/i><\/p>\n<p><i>Da sprach Jesus zu seinen J\u00fcngern: <b>Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird&#8217;s verlieren;<\/b><\/i><i> <b>wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird&#8217;s finden.<\/b><\/i><\/p>\n<p><i><b>Was h\u00fclfe es dem Menschen,<\/b><\/i><i> <b>wenn er die ganze Welt gew\u00f6nne und n\u00e4hme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er<\/b><\/i><i> <b>seine Seele ausl\u00f6se?<\/b><\/i><\/p>\n<p><i>Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.<\/i><\/p>\n<p>Liebe AEU-Gemeinde,<\/p>\n<p>k\u00fcrzlich sa\u00df ich mit einem befreundeten Unternehmer zusammen. Er ist seit Jahren im IT-Bereich t\u00e4tig, mit verschiedenen Unternehmungen, erfolgreichen und weniger erfolgreichen. <!--more--><\/p>\n<p>Dabei geht es immer wieder um die gleichen Themen: Mehrwert schaffen durch Dienstleistungen, die Informationen b\u00fcndeln und ansprechend aufbereiten.<\/p>\n<p>Da wundert es nicht, dass meinen Freund auch die Frage interessiert, wie wir Menschen Informationen aufnehmen und verarbeiten. \u201eWei\u00dft du\u201c, sagt er zu mir, \u201ewir reizen die M\u00f6glichkeiten unseres Gehirn kaum aus, vielleicht zu zehn Prozent.\u201c Und dann beginnt er zu fantasieren, was alles m\u00f6glich w\u00e4re, wenn wir diese Grenzen weiter verschieben.<\/p>\n<p>Unternehmer sein \u2013 das hei\u00dft oft, Grenzen austesten und \u00fcberwinden. Ich frage mich blo\u00df immer wieder: Was n\u00fctzt hier und was schadet? Oder \u2013 um unser Jahresthema aufzunehmen \u2013 was dient hier zum Gewinn? Und welcher Verlust ist dabei einzupreisen?<\/p>\n<p>Wo ich hinschaue, stellt sich diese Frage:<\/p>\n<p>Bei den Klimaverhandlungen in Warschau, wo die Klimaverlierer den Globalisierungsgewinnern gegen\u00fcber sitzen.<\/p>\n<p>Bei den Koalitionsverhandlungen, in denen darum gestritten wird, wie die begrenzten Mittel am gewinnbringendsten investiert werden.<\/p>\n<p>In den Kinderg\u00e4rten und Schulen, die mit der Aufgabe betraut sind, unsere Kinder mit dem gr\u00f6\u00dften Gewinn auf ihren Lebens- und Berufsweg vorzubereiten \u2013 aber in welchen Strukturen, mit welcher P\u00e4dagogik, mit welchen Inhalten?<\/p>\n<p>Immer steht dahinter die Frage, wie man f\u00fcr\u00a0 sich das Beste herausholt, optimiert, dabei den gr\u00f6\u00dften Gewinn hat und sein Leben erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber ich frage mich: Wo wendet sich dieses Optimieren gegen sich selbst? Denn ich beobachte, wie Menschen dabei auf der Strecke bleiben und Schaden nehmen.<\/p>\n<p><i>Wer sein Leben erhalten will, der wird\u2019s verlieren.<\/i><\/p>\n<p>Dass es hier nicht um Einzelf\u00e4lle geht, zeigt die gesellschaftliche Burn-Out-Debatte. Es zeigen Statistiken zum zunehmenden Missbrauch von Medikamenten f\u00fcr die Sicherstellung der eigenen Arbeitsf\u00e4higkeit. Und es zeigt der wachsende Handlungsbedarf in den Unternehmen.<\/p>\n<p>So arbeitet die BMW Group gerade an einer Betriebsvereinbarung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, in der auch Grenzen der Tele- und mobilen Arbeit definiert werden.<\/p>\n<p>Und doch l\u00e4sst sich der allt\u00e4gliche Druck in den Unternehmen nicht einfach wegdiskutieren \u2013 und vielleicht auch nur begrenzt wegorganisieren.<\/p>\n<p>Denn es scheint hier um viel Grunds\u00e4tzlicheres zu gehen.<\/p>\n<p>\u201eDas Bessere ist der Feind des Guten.\u201c Dieser Satz, gerne zitiert von einem bekannten deutschen Manager, beschreibt die Logik, in der wir in weiten Teilen der Gesellschaft inzwischen operieren, gerade auch in den Unternehmen.<\/p>\n<p>Es beschreibt den Grund f\u00fcr das Getriebensein in der Endlosschleife best\u00e4ndigen Optimierungsbestrebens.<\/p>\n<p>Aber wohin f\u00fchrt diese Schleife am Ende des Tages, am J\u00fcngsten Tage, dann, wenn es um unser Seelenheil geht?<\/p>\n<p><i>Was h\u00fclfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gew\u00f6nne und n\u00e4hme doch Schaden an seiner Seele?<\/i><\/p>\n<p>Was h\u00fclfe es dem Menschen, wenn er, um meinen Freund zu zitieren, eines Tages 30, 50, 70 Prozent seines Gehirns aktivieren kann, er dabei jedoch Schaden an seiner Seele nimmt?<\/p>\n<p>Jesus fragt nicht nur, er widerspricht dieser menschlichen Optimierungslogik.<\/p>\n<p><i>Wer sein Leben erhalten will, der wird&#8217;s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird&#8217;s finden.<\/i><\/p>\n<p>Es irritiert, dass nicht das Gewinnen zum Gewinn f\u00fchren soll, sondern das Verlieren. Absurd mag das in den Ohren der Optimierer klingen. Und doch biblisch bezeugt.<\/p>\n<p>In der Bibel gibt es keine eindimensionalen Gewinnertypen, keine ungebrochen optimal wachsenden Biografien. Ob Abraham, David oder Petrus \u2013 sie alle sind gewinnende Menschen, die aber auch gnadenlos scheitern.<\/p>\n<p>Sie alle haben mit \u00c4ngsten, mit Verlusten zu k\u00e4mpfen; und finden gerade in ihren gr\u00f6\u00dften N\u00f6ten ihr Leben, ihren Lebensweg neu \u2013 durch den Gott, der Leben schenkt.<\/p>\n<p>Sie verweisen dabei auf eine andere Logik als die des Gewinnens. Nicht, dass das Gewinnen an sich das Problem w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aber wer glaubt, gewinnen zu m\u00fcssen, um sein Leben zu erhalten, der wird\u2019s verlieren. Und dann, wenn er\u2019s denn verloren hat, kann er es finden \u2013 sofern er sich von dem finden l\u00e4sst, in dessen Hand sein Leben schon immer liegt.<\/p>\n<p>Am radikalsten l\u00e4sst sich diese Logik in der Biografie Christi nachvollziehen. \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c ruft er, der mehr als den biologischen Tod stirbt, n\u00e4mlich den Tod Gottes \u2013 um danach, als Auferweckter leibhaftig von dem zu zeugen, der Leben aus dem Nichts schafft.<\/p>\n<p>Wenn wir also gerufen sind, diesem Jesus nachzufolgen, dann sind wir gerufen, in diese Logik einzutauchen, in der Verlieren kein Verlust ist, da Gott das Verlorene sucht (Lk 15,4ff.) \u2013 eine Logik, in der sogar das Sterben ein Gewinn sein kann, weil selbst der Tod seinen Schrecken verliert\u00a0 (Phil 1,21).<\/p>\n<p>In dieser Logik, da bin ich gewiss, werden sich auch Wege auftun, zu gewinnen, ohne dabei auf der Strecke zu bleiben oder andere auf der Strecke zu lassen<\/p>\n<p>Ich hoffe und w\u00fcnsche mir, dass wir diese Wege im AEU miteinander erforschen \u2013 um unseres Seelenheil willen und des Seelenheiles derer, die uns anvertraut sind.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth\u00e4us 16,24-28: Da sprach Jesus zu seinen J\u00fcngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 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